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"Der Feind im eigenen Bett"

Die besten Freunde werden Fernando Alonso und Lewis Hamilton nicht mehr werden. Die Rivalität der beiden Formel-1-Piloten von McLaren-Mercedes hat am Wochenende in Budapest einen neuen Höhepunkt erreicht.

Weltmeister Alonso wurde in der Startaufstellung für den Grand Prix von Ungarn um fünf Plätze zurückversetzt, weil er WM-Leader Hamilton im Qualifying in der Box behindert hatte. Die Wogen gingen hoch.

Während Alonso die Schuld bei seinem jungen Herausforderer sah, weil dieser eine Teamstrategie missachtet hatte, hielt sich Hamilton mit öffentlichen Aussagen zurück. Als er aber die zehn entscheidenden Sekunden des Trainings hinter Alonso wartend in der Box verbrachte, sollen selbst dem sonst so besonnenen Briten auf dem Boxenfunk unschöne Worte entkommen sein. Teamchef Ron Dennis war nicht begeistert. Schon in Monaco hatte sich Hamilton beschwert, gegenüber dem Titelverteidiger benachteiligt worden zu sein.

Die Geschichte der Stallrivalitäten im Dennis-Team McLaren ist eine lange. „Eigentlich habe ich mir immer gedacht, dass ich der Allerärgste bin. Aber Alonso und Hamilton sind ja schlimmer als ich und Prost“, meinte Niki Lauda. Der Österreicher hatte sich 1984 in einem packenden Duell mit seinem französischen McLaren-Teamkollegen Alain Prost seinen dritten Weltmeistertitel gesichert. „Teamkollegen können keine Freunde sein“, meinte Lauda.

Das legendärste aller Stallduelle haben sich ebenfalls zwei McLaren geliefert – Prost und Ayrton Senna. Der Kulminationspunkt: Suzuka 1989. Senna hätte gewinnen müssen, um seine WM-Chance zu wahren. Der Brasilianer attackierte in einer Rechtskurve innen, Prost machte die Lücke zu und eine Kollision damit unvermeidlich. Der spätere Sieger Senna wurde von der FIA wegen „gefährlichen Fahrens“ disqualifiziert, Prost war zum dritten Mal Weltmeister. 2007 griffen die Sportkommissäre des Weltverbandes durch die Versetzung Alonsos wieder ins teaminterne WM-Rennen ein.

„McLaren holt immer die besten Fahrer, die es gibt. Da kann es schon einmal zu Schwierigkeiten kommen“, erklärte Gerhard Berger. Der Tiroler war von 1990 bis 1992 mit Senna bei McLaren gefahren, pflegte aber eine tiefe Freundschaft zum Ausnahmepiloten. Obwohl sich das Team in den ersten beiden Jahren vollständig auf Weltmeister Senna konzentriert hatte, versicherte Berger: „Ich bin immer fair behandelt worden. McLaren ist grundsätzlich ein faires Team.“

Wettbewerbsverzerrung wollte Berger Dennis daher auf keinen Fall unterstellen. „Sie werden die Meisterschaft nicht absichtlich manipulieren.“ Für einen Teamchef sei es allerdings sehr schwierig, zwei absolute Topfahrer und deren Ehrgeiz unter einen Hut zu bringen. „Beide (Alonso und Hamilton) sind fahrerisch absolute Weltklasse. Aber beide sind auch sehr starke Charaktere“, betonte Berger. Zu stark vielleicht, um es auf Dauer miteinander auszuhalten. Die Konkurrenz würde sich freuen.

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