Der Egger Krapfenbäcker

Egg - Gipfel und Krapfen sind Heinrich Sutterlütys täglich Brot.
Während seine Kunden morgens noch schlaftrunken seine Bäckerei betreten, ist Heinrich Sutterlüty schon hellwach und seit mehreren Stunden an der Arbeit. Aber gerade das, was andere am Bäckerberuf abschrecken würde, sieht er als Vorteil. „Ich stehe um zwei Uhr auf, arbeite bis zehn, lege mich kurz hin und habe den ganzen Nachmittag für mich und die Familie Zeit“, erklärt der junge Bäcker die Vorzüge seiner Arbeit. Geduld brauche man in der Nacht, vor allem, wenn man auf das Gären des Teiges warten muss. Gegen sechs Uhr bricht dann aber die Zeit für Sutterlütys Lieblingsprodukte an, Gipfel und Salzstangen. Der Grund: Schon als kleines Kind war ihm das Teigdrehen von Hand die liebste Tätigkeit. Geradezu traurig wirken auf ihn daher Betriebe, in denen die Backwaren maschinell gefertigt werden.
Familienbetrieb mit Tradition

Dass Heinrich Sutterlüty einen von der Familientradition vorgegebenen Berufspfad einschlagen würde, war ihm bereits mit zehn Jahren klar. Schon sein Urgroßvater war neben seiner Tätigkeit als Müller im Backgeschäft tätig. Großvater und Vater spezialisierten sich ganz auf die Bäckerei und führten den Betrieb fort, den Heinrich irgendwann übernehmen wird. Vater Karl mischt aber mit seinen 54 Jahren immer noch fleißig mit, schüttet unter anderem die Vorteige am Abend an, damit das Mehl besser quillt. „Teamarbeit ist in diesem Beruf enorm wichtig“, sagt Sutterlüty und denkt dabei an die besonders anstrengenden Phasen des Jahres, wie beispielsweise Weihnachten. Aber auch den Rest des Jahres läuft die Backstube auf Hochtouren. Natürlich ist die momentane Faschingszeit ebenfalls sehr gut fürs Geschäft. Sutterlüty selbst kann dem närrischen Treiben zwar nicht so viel abgewinnen, bereichert es aber mit einem Gebäck, das momentan Hochsaison hat. „Wir sind vor allem für unsere Krapfen bekannt“, sagt er mit einer erfrischend unprätentiösen Sicherheit und deutet auf ein Backblech, auf dem gleich mehrere der goldbraunen Köstlichkeiten versammelt sind.
Zukunftspläne

Auch wenn die alte Backstube nostalgische Gefühle in Betrachtern wecken mag, so bleibt die Zeit für die Backkunst selbst nicht stehen. Im Gegenteil sogar. „Seit ich als Bäcker angefangen habe, hat sich das Sortiment auf jeden Fall vergrößert. Früher gab es gerade mal Roggen- und Weißbrot, ein paar Nussgipfel vielleicht“, erklärt der junge Bäckermeister. Durch die Discounter-Konkurrenz und die steigenden Erwartungen der Kunden dürfe man nicht untätig verharren, sondern müsse das Sortiment immer wieder umstellen und bereichern. Die Ideen hierfür stammen teils von Kollegen, teils aus Sutterlütys Ausbildung. Während dieser verschlug es den 26-Jährigen auch nach Bregenz ins Theatercafé. Begeistert hat ihn dort vor allem die Kombination aus Café und Konditorei, die er vielleicht irgendwann in Egg umsetzen möchte. Das Wichtigste ist für den jungen Bäcker aber, dass der Betrieb Familiensache bleibt. Dafür wird Sutterlüty auch weiter hart arbeiten und früh aufstehen. Sollte jedoch der Wecker einmal seinen Dienst verweigern, gibt es seit sechs Monaten einen natürlichen Alarm: Sohn Darius. Als Teil der fünften Bäckergeneration ist er momentan aber noch weit entfernt von einer Bäckerkarriere. Ob sein Sohn irgendwann auch eine Schürze umbindet und in die väterlichen Fußstapfen tritt, spielt für Sutterlüty keine Rolle. „Er soll machen, was auch immer ihm Spaß bereitet“, sagt er, und in seiner Stimme schwingt all die Leidenschaft und Liebe eines frischgebackenen Vaters mit.
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