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Der blinde Fleck

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©.
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Im März ist bei S. Fischer ein Buch erschienen, das in einer fulminanten Erzählung die oft selbstgefällige westliche Sicht auf die arabische Welt darstellt. Das golden verzierte Buch ist eine neue grundlegende, historische, kultur- und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der arabisch islamischen Welt – die jüngste, umfassendste und wichtigste. Dieses Prädikat erlauben wir uns vom Zanzenberg dem 540 Seiten starken spannend zu lesenden Werk freudig anzuheften. Der Autor Christopher de Bellaigue schildert darin den Kampf zwischen Glaube und Vernunft und um eine neue muslimische Identität. Ein reiche, Kapitel für Kapitel mit umfangreichen wissenschaftlichen Zitatbelegen ausgestattete Darstellung, überaus spannend, mit viel unbekannten Informationen über einen Teil der Weltgeschichte, der vom Westen bis heute als „ein blinder Fleck“ mitgeschleppt wird. Der Autor, geb. 1971, studierte an der Cambridge University, war Fellow in Harvard und Oxford, lebte über fünf Jahre in Teheran, bereiste als Journalist Südostasien und den mittleren Osten, schreibt für den „Economist“, den „Guardian“ und die „New York Review of Books“ und lebt in London. Was geschildert wird, drückt exakt der Titel aus: „Die Islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glauben und Vernunft“.

Mit Sicherheit werden spätestens jetzt ein paar Blogger zu schäumen beginnen, die „Ichkommdanichtmit“- Buchstabierer nörgeln, die Festgenagelten zu lesen aufhören, die selbsternannten Demokratiewächter eine neue Verirrung orten, Kulturkampfwestler die Auseinandersetzung verweigern. Ja ja. Längst fährt ja Social-Media rundum die leichtverständliche stinkende Blog-Lägele (Gülle) im Internet aus, auf dass auf deutschen Wiesen endlich radikale Tölpel aus dem Kraut schießen und zum Kulturkampf rüsten. Pfui. Geredet scheint manchem schon Volk genug, lesen will (kann) Bildschirmfranz nicht mehr, bleibt nur noch die Flucht ins Schweigen oder anonymes Wutklicken – mit vielen Rechtschreibfehlern. Soviel zum Auftrefffeld dieser Kolumne. Weiter mit Bellaigue:

„Der Westen weigert sich von jeher, in irgendeinem Aspekt muslimischer und muslimischen Lebens die Möglichkeit – oder gar Unvermeidlichkeit – der Erneuerung und der Moderne zu erkennen. Diesen dunklen Fleck gibt es seit Hunderten von Jahren, aber in jüngster Zeit ist er noch größer und dunkler geworden. Er hindert uns, auch nur den Versuch zu unternehmen die Vergangenheit zu verstehen, und ermuntert uns stattdessen, auf Abstand zu bleiben, in Sackgassen zu geraten und den Behauptungen von Demagogen und Vereinfachern Glauben zu schenken. Er ist ein Hindernis für ein ausgewogenes und kohärentes (zusammenhängendes) Bild der Weltgeschichte.“ (zit. S 16). So. Das müsste reichen. Auch für Fleckblinde. Das Buch hilft. Raunz nicht kauf.

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