Den Haag: Srebrenica-Prozess gestartet

Elf Jahre nach dem Massaker in Srebrenica hat vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag der bisher größte Prozess gegen die mutmaßlich Verantwortlichen begonnen.

Und das mit einem Eklat: Als UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte das Verfahren gegen sieben frühere bosnisch-serbische Offiziere mit einer Rede eröffnen wollte, wurde sie nach nur einer Minute von den Verteidigern unterbrochen. Del Ponte dürfe sich erst im formellen Eröffnungsplädoyer zu Wort melden, das für Ende August vorgesehen sei. Die vier Richter gaben der Verteidigung recht und die sichtlich erzürnte Chefanklägerin musste sich wieder setzen.

Del Ponte hatte mit der Schilderung einer Gedenkfeier vom Dienstag begonnen. Die Anwälte der Angeklagten warfen ihr eine „emotionale Rede” vor. Del Ponte erwiderte barsch: „Keine Gefühle. Fakten, meine lieben Verteidiger, Fakten!”. Der Prozess wird nun am 21. August fortgesetzt. In sechs Anklagepunkten werden den Ex-Offizieren Vujadin Popovic, Ljubisa Beara, Vinko Pandurevic, Drago Nikolic, Ljubomir Borovcanin, Milan Gvero und Radovij Miletic Völkermord, Vertreibung sowie Mord an Srebrenica-Einwohnern vorgeworfen.

Der Prozess ist einer der wichtigsten auch für das UN-Kriegsverbrechertribunal, nachdem das Verfahren gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic wegen dessen Todes nicht zu Ende geführt werden konnte. Die beiden mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für das Srebrenica-Massaker, der bosnisch-serbische Ex-Präsident Radovan Karadzic und dessen Militärchef Ratko Mladic sind weiter flüchtig.

Sieben bosnischen Serben wird dabei die Beteiligung an dem Massenmord an rund 8000 bosnischen Moslems im Jahr 1995 vorgeworfen. Fünf der angeklagten ranghohen Militärs oder Polizisten müssen sich wegen des Vorwurfs des Völkermords verantworten. Dieser schwerste dem Völkerrecht bekannte Tatbestand wird vom Haager Tribunal nur für das Srebrenica-Massaker verwendet.

Srebrenica war im April 1993 zur UNO-Schutzzone erklärt worden. Zuvor hatte es Gräueltaten moslemischer Verbände an serbischen Zivilisten in der Umgebung von Srebrenica gegeben. Am 11. Juli 1995 fiel das Gebiet in die Hände der bosnisch-serbischen Truppen. Sie trennten unter Duldung niederländischer Blauhelmsoldaten die Frauen und Kinder vom Rest der Bevölkerung und ermordeten in den folgenden Tagen – nach divergierenden internationalen Angaben – zwischen 7.000 und 8.000 Männer. Das Massaker in Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

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