Deloitte Bankengehaltsstudie - Bonuszahlungen sinken 2009 deutlich

Die goldenen Zeiten sind für die österreichischen Banker vorbei: "Nach dem Aufwärtstrend der letzten Jahre ist die Gehalts- und Bonusspirale nach oben gebremst", so Deloitte-Partner Christian Havranek bei der Präsentation der Bankengehaltsstudie am Mittwochvormittag in Wien.

In Österreich seien aber nie so exzessive Bonuszahlungen wie bei anderen internationalen Großbanken geleistet worden. Frauen verdienten im Laufe einer Bankkarriere um 5 bis 15 Prozent weniger, sagte Studienautor Georg Jurceka.

Während Top-Mitarbeiter im Vertrieb ihre variable Vergütung verteidigen konnten, mussten Führungskräfte und Experten der Studie zufolge große Boni-Einbußen hinnehmen. Besonders Experten im Treasury und Investmentbanking waren vom wirtschaftlichen Abschwung betroffen. Die Bonuszahlungen für Berufseinsteiger verringerten sich aber nur leicht, wenn auch auf niedrigem Niveau. Die Bonuszahlungen 2009 werden von der Performance des Jahres 2008 berechnet und damit werden die Auswirkungen der Wirtschaftskrise erst in diesem Jahr voll schlagend. Über 75 Prozent der österreichischen Bankmitarbeiter haben variable Gehaltsbestandteile.

Bei den Banken-Grundgehältern der Banken konnten die Studienautoren keinen einheitlichen Trend ausmachen. Auch bei gefragten Expertenfunktionen zeigte sich kein Anstieg der Gehaltsniveaus, so Studienautor Jurceka. Top-Experten im Auslandsgeschäft, Treasury oder Investmentbanking zählen bei den Grundgehältern zu den Spitzenverdienern. Mitarbeitern im Vertriebsinnendienst und bei der Wertpapierabwicklung konnten auch höhere Grundgehälter erzielen.

Bei Kundenbetreuern im Vertrieb entwickelten sich die Gehälter in beide Richtungen. Zu den Verlierern gehören laut Studie EDV-Organisatoren und Konzernrevisoren. Die Banken-Kollektivverträge verhinderten aber eine deutliche Absenkung der Grundgehälter. Frauen verdienen nach fünf bis zehn Jahren im Bankensektor um 5 bis 15 Prozent weniger, wahrscheinlich aufgrund von karenzbedingenten Karriereknicken und der “gläsernen Decke”, so Jurceka.

Die Studienautoren unterstützen eine Neuausrichtung der Gehaltssysteme in Banken. Zentral sei eine langfristige und nachhaltige Vergütungspraxis, welche Risiken korrekt bewertet. Die Banken-Risikomanagementsysteme haben laut Expertenmeinung in der Finanzmarkt versagt. “Es kann nicht sein, dass Manager-Boni ausschließlich an einen kurzfristigen Unternehmenserfolg geknüpft werden”, so Havranek.

Nachhaltigkeit sei gleichbedeutend mit Langfristigkeit und erfordert einen sorgfältigen Umgang mit Risiken. Die Experten empfehlen, dass die Vergütungspraxis der Banken von einem unabhängigem Komitee evaluiert wird. Bei Bonuszahlungen wäre eine zeitversetzte Auszahlungspraxis von drei bis vier Jahren ratsam, um kurzsichtiges Handeln der Mitarbeiter zu verhindern. Gefragt seien nach der Wirtschaftskrise klare Prinzipien für Vergütungssysteme.

Die österreichweite Deloitte-Bankengehaltsstudie erfasst die Gehaltsstruktur heimischer Banken, Bauspar- und Leasinggesellschaften in über 100 Funktionen. Sie wird seit 1996 durchgeführt. Die Daten stammen aus einer aktuellen Primärerhebung unter rund 30 Instituten, ergänzt durch Sekundärdaten.

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