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Das Sexangebot

Am Sonntagabend saß ich in aller Ruhe mit Nirwanablick beim Bier, als vor meiner müden  Visage ein Schatten vorbeihuschte. Ich war mir nicht sicher, ob da wirklich etwas war. Ein zweiter folgte. Beim dritten war es klar:  Motte! Tags darauf befand ich mich im Mottenkrieg. Über die Jagderfolge führte ich Buch:  103, 94, 86, immerhin schien die Zahl der (toten) Motten zu sinken. Aber was reift da noch ungeboren in Löchern und Ritzen heran? Der rechte Daumen spielte bei der Mottenjagd eine große Rolle, denn er war die Kriegswaffe, mit der ich dreimal am Tag die Motten, die sich von ihrem nächtlichen Ausflug an der Wand ausruhten, zerquetschte. Da die weiße Wand nach jedem Angriff wie ein Schlachtfeld aussah, verbesserte ich die Kriegsführung, indem ich ab Mittwoch in der linken Hand einen feuchten Schwamm mitführte, um die Wand sofort vom grausigen Fleck der Mottenleiche zu reinigen. Quetsch, Putz. Als zugeraster Hatler wollte ich hier eine weiße Weste (Wand) haben und sauber sein (Überanpassung), wenn draußen die Fronleichnamsprozession vorbeibetet. Keinesfalls dürfen Gefechtsspuren zurückbleiben, um etwa der Nachfrage einer Hatlerin („Soo, heat ma eabo Motta?“), die zu Besuch käme und zufällig den Keller beträte, zu entgehen. Denn Motten zu haben ist hier ärger, als den Rasen nicht zu köpfen, das Bett nicht zu machen oder nicht zu kehren, egal vor welcher Tür. Wer Sauberkeit will, darf den Mord nicht scheuen. Tod den Motten!

Das Waffenarsenal  gegen Insekten ist heute längst industriell verfeinert.  Es locken nette kleine Vandal(ismus)-Kartonhüttchen die Motten mit geilem Sexangebot (Duftstoffe)  ins Puff des Todes, an dessen Innenwand sie mit ihren winzigen Beinchen kleben bleiben und über drei Tage lang mit den Flügelchen sich erbarmungswürdig wehren, bis sie verrecken dürfen. Und das, obwohl die Motte zur angesehenen Gattung der Schmetterlinge gehört   und gemäß  ihrer Bestimmung nur dem lockenden Sex nachfliegt, denn sie muss ja pro Tag 200 Eier legen. Eine Gemeinheit. Was lernen die Genderanten (Tschenderanten) daraus? Falle nicht auf Sexangebote herein, du könntest picken bleiben und verhungern oder lebenslang zahlen für ein gelegtes Ei.

Mein Daumen ist ehrlich und kein gemeines Sexdufthäuschen. Er ist, das führe ich zu meiner Verteidigung an, eine biologische Waffe, die körperlichen Einsatz bei der Zerschmetterung des Kleinschmetterlings erfordert. Beim Töten muss man bereit sein, sich schmutzig zu machen. Nach so vielen zerdrückten Motten ist der Daumen braun. Aber er erkenne an: die Kleinschmetterlinge haben mich ja auch zum gründlichen Aufräumen und Wegwerfen gezwungen. Respektvoll spreche ich nach über 283 Getöteten den Mottensegen: „Oh Motten, ihr flatternden Flotten, verzeiht dem Falotten! Krampf ist der Kampf, Sein bleibt Schein, der Daumen gegen die Braunen muss sein!“ Dennoch macht sich eine bittere Erkenntnis breit:  es wird eine Niederlage. Fortsetzung muss wohl oder übel sein.

Zanzenberg-Grafik
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