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Kern-Nachfolge: SPÖ bekommt erste Bundesparteivorsitzende

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Das SPÖ-Parteipräsidium hat Samstagvormittag nach einer knapp zweistündigen Sitzung Pamela Rendi-Wagner als neue Parteichefin designiert. Der Beschluss erfolgte einstimmig, berichtete der Parteivorsitzende Christian Kern in einer Pressekonferenz, formal wird Rendi-Wagners Kandidatur für den Parteivorsitz vom Parteivorstand am Dienstag abgesegnet.

Wien. Kern sparte nicht mit Lob für seine Nachfolgerin. Alles, was sie brauche, bringe Rendi-Wagner für ihre neue Aufgabe mit. Sie sei ein Angebot für viele Wähler und ein wichtiges Zeichen für die Öffnung der Partei. Dass Rendi-Wagner erst seit eineinhalb Jahren Mitglied der SPÖ ist, sieht der Ex-Kanzler nicht als Nachtteil. Denn es gelte nicht nur den eigenen Funktionären zu gefallen, sondern ein Angebot an eine breite Wählergruppe darzustellen.

“Die erste Wahl”

Scharf zurückgewiesen wurde von Kern die Darstellung, dass die Ex-Gesundheitsministerin und jetzige Abgeordnete nur wegen der Absage anderer als Parteivorsitzende designiert wurde: “Pamela Rendi-Wagner ist tatsächlich die erste Wahl.” Es hätte durchaus auch eine Reihe anderer geeigneter Kandidaten gegeben. Die neue Chefin sei jedoch, was ihr Menschen- und Weltbild betrifft, ein echter Widerpart zu den Spitzen der derzeitigen Regierung.

Betont wurde von Kern, dass die neue Parteivorsitzende ihr Umfeld selbstständig und ohne Einflussnahmen bilden wird können: “Pamela Rendi-Wagner wird vollumfänglich ihr eigenes Team aussuchen”, sagte der scheidende SPÖ-Chef und fügte an, dass sie diese Aufgabe mit Virtuosität meistern werde.

Viele offene Fragen

Wann Kern den Vorsitz im Parlamentsklub an Rendi-Wagner abgeben wird, ließ er offen: “Das muss sie sagen, wie sie das will.” Ebenfalls noch nicht entschieden ist, ob Kern seinen Sitz im Nationalrat bis zur Europawahl behält. Schließlich ließ es der scheidende Parteichef auch offen, ob er ein Mandat im EU-Parlament annehmen wird, sollte er nicht als Spitzenkandidat der Europäischen Sozialdemokraten aufgestellt werden. Das werde man nach dem Urnengang sehen.

Vorschusslorbeeren für Rendi-Wagner

Kern kürzester amtierender Bundeskanzler

Damit geht Kern nicht nur als kürzest amtierender Bundeskanzler, sondern auch als kürzest dienender SPÖ-Parteivorsitzender in die Annalen ein. 882 Tage bzw. zwei Jahre und fünf Monate war er dann Parteichef – und führte so als einziger die SPÖ keine 1.000 Tage lang. Viktor Klima hatte sich immerhin 1.115 Tage im Amt gehalten. Der von Kern abgelöste Werner Faymann hat mit etwas weniger als acht Jahren die viert-kürzeste Amtszeit, zwischen ihm und Klima liegt noch Fred Sinowatz mit viereinhalb Jahren.

Den Amtszeitrekord der Zweiten Republik – nämlich 16,75 Jahre (bzw. 6.112 Tage) – hält Bruno Kreisky, der der SPÖ 1970 erstmals Platz 1 bei Nationalratswahlen und den Kanzlerposten beschert hatte. Noch wesentlich länger waren die beiden ersten SPÖ-Vorsitzenden im Amt: Gründer Victor Adler blieb vom Gründungsparteitag 1888/1889 in Hainfeld bis zu seinem Tod am 11. November 1918 fast 30 Jahre lang an der Parteispitze. Danach übernahm Karl Seitz die Parteiführung und übergab sie formal erst zur Wiedergründung der Partei 1945 an Adolf Schärf.

Die durchschnittliche Amtszeit der elf SPÖ-Chefs seit 1945 betrug – den frühen Abgang Kerns eingerechnet – etwas über acht Jahre.

(APA)

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