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Das Gedächtnis der Gemeinde

Archivar Willi Rupp mit einer Urkunde aus dem Jahre 1796.
Archivar Willi Rupp mit einer Urkunde aus dem Jahre 1796. ©Daniela Lais
Archivar Willi Rupp

Willi Rupp ist Hörbranzer Gemeindearchivar, seit 30 Jahren, mit Leidenschaft.

Hörbranz. Wasser ist der größte Feind des Papiers. Diese Erfahrung mussten die Hörbranzer in den 70er Jahren machen, als große Mengen an Archivbeständen im Keller des Gemeindeamtes bei einer Überschwemmung vernichtet wurden. Archivar Willi Rupp hält einen Ordner hoch, den er als “Andenken” an diese Zeit abgelegt hat. Heute besteht das Problem nicht mehr. Das Archiv ist zwischenzeitlich, mit einem Umweg über den Bauhof, in dritter Station im ersten Obergeschoss der Volksschule gelandet. Auf 70 Quadratmetern lagert hier das Gedächtnis der Gemeinde. Verstaubte Schuhschachteln mit stapelweise Akten, Spinnweben an den Wänden, düstere Ecken – Fehlanzeige. Stattdessen herrscht perfektes Raumklima und perfekte Ordnung, ein heller Raum mit System. “Hier lagert alles in Schachteln aus säurefreiem Karton und säurefreien Hüllen, es gibt keine Klammern am Papier, denn die rosten”, verrät Rupp.

Liebe zu altem Papier

In der Ecke ein Computer, auch im Archiv ist man im Computerzeitalter angekommen. Der Schwerpunkt liegt auf dem 19. Jahrhundert, aber auch einzelne Utensilien aus dem 17. Und 18. Jahrhundert sind vorhanden. Ein 30jähriges Bildarchiv, das der Geschichte- und Deutschlehrer eigenhändig aufgebaut hat. Daneben Vereinsgeschichte, Postwurfsendungen zu allen Geschehnissen im Dorf, fein säuberlich sortiert. Eine kleine Schatzkammer, mit Fundstücken und ein Archivar, der eine große Liebe zu altem Papier und zur Geschichte verspürt. “Ohne Leidenschaft, kann man nicht Archivar sein”, weiß der dreifache Vater. Ein großer Teil seiner Freizeit widmet er dem Archiv, auf Flohmärkten findet er oft Stücke, die nach Hörbranz gehören. Angewiesen ist er aber auch auf Menschen, die auf ihn zukommen, ihm leihweise alte Bilder zur Verfügung stellen. Das Archiv lebt neben Akten und Fotografien auch von bemerkenswerten Einzelstücken, alle mit ideellem Wert. So reiht sich im Gemeindearchiv eine alte Schatulle aus dem Hörbranzer Kirchturm, die Münzen und Unterlagen beinhaltete, Gehbehelfe von Kinderlähmungspatienten aus Bad Diezlings, oder ein Spritzenrondell vom Gemeindearzt, mit dem das ganze Dorf durchgespritzt wurde. Was sonst ordentlich in Reih und Glied steht, wird jäh unterbrochen, von einem Schreibtisch, auf dem sich Aktenmaterial türmt. “Die Arbeit eines Archivars geht eben nie aus, es nimmt kein Ende”, schmunzelt Rupp und verweist auf die nächsten zweieinhalb Jahre. Danach steht die Pensionierung als Lehrer an – dass er mit Arbeit versorgt ist, daran besteht kein Zweifel. LAI

Zur Person:
Name: Willi Rupp
Geburtsdatum: 18. Juni 1953
L-Speise: Vegetarische Küche
Freizeit: Familie, Archiv, Bodensee
Familienstand: Verheiratet, 3 Töchter

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