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"Das frisst dich von innen auf"

Stolz zeigt Lea ein Bild ihrer Beine vor und nach der Operation.
Stolz zeigt Lea ein Bild ihrer Beine vor und nach der Operation. ©Sams
Lea (20) leidet seit ihrem zwölften Lebensjahr an Lipödem. W&W erzählt sie, wie ihr die Krankheit die Teenagerzeit zur Hölle machte.

Von Anja Förtsch/Wann&Wo

In ein paar Tagen, wenn der Sommer nicht mehr nur vor der Tür steht, sondern da ist, wird Lea etwas tun, was für sie noch bis vor Kurzem unvorstellbar war: Sie wird einen Rock tragen. „Das wird der erste Sommer seit gut acht Jahren sein, in dem ich mit nackten Beinen vor die Tür gehe. Manche werden vielleicht blöd schauen, weil sie nicht perfekt aussehen. Aber das ist mir egal. Das ist nichts gegen vorher.“ Vorher, das heißt in Leas Fall: vor den OPs. Die 20-Jährige leidet an Lipödem. Sie hatte die Geschichte über Elisabeth Skala im WANN & WO gelesen und sich gemeldet, um ihre eigene zu schildern – denn die Probleme sind für eine so junge Frau noch ganz andere.

Auslöser Anti-Baby-Pille

„Es hat angefangen, als ich mit zwölf Jahren die Pille verschrieben bekommen habe, die eigentlich gegen meine damalige Akne helfen sollte. Als Nebeneffekt bin ich aber immer mehr auseinandergegangen“, erinnert sich Lea. „Meine Eltern haben dann gemeinsam mit mir stärker auf meine Ernährung geschaut. Daraufhin habe ich auch tatsächlich abgenommen, aber nur am Bauch. Die Beine und Arme blieben genau gleich.“ Und das bleiben sie auch Leas gesamte Pubertät hindurch. Und werden sogar noch dicker. Kein Zuckerschlecken, wie wohl jeder Einzelne weiß: „Man hat hinter meinem Rücken über mich gelästert, hat mich blöd angeschaut. Mein Selbstwertgefühl hat in der Zeit enorm gelitten, ich war psychisch fertig und regelrecht depressiv. Das ist eine Krankheit, die dich von innen auffrisst“, schildert die Bezauerin. Vieles, was die Teenie-Zeit ausmacht, bleibt für sie unerreichbar: „Shoppen war die Hölle für mich. Nichts passte mir. Überhaupt, schöne Kleider anziehen oder gar baden gehen, das war unmöglich für mich.“ Lea trug aber nicht nur seelische, sondern auch körperliche Wunden davon. Sie ist Floristin, ist also von Berufs wegen den ganzen Tag auf den Beinen. „Schon in der Lehre hatte ich Probleme damit. Meine Beine waren ja immer angeschwollen, haben immer geschmerzt. Teils waren sie schon blau angelaufen. Und auch die Gelenke leiden.“ Von einer Freundin ihrer Mutter hört sie zum ersten Mal von Lipödem. Lea lässt sich untersuchen, bekommt die Diagnose, wird Anfang des Jahres zweimal operiert – und muss die 15.000 Euro dafür selbst zahlen.

Kampf gegen Vorurteile

„Ich finde es unmöglich, dass die Krankenkasse das nicht übernimmt. Wohl niemand in meinem Alter hat so viel Geld übrig. Ich konnte es mir zum Glück privat leihen, aber das kann nicht jeder. Und eine Bank gibt einem dafür keinen Kredit“, stellt die 20-Jährige klar. „Stattdessen bezahlen die Kassen Kompressionsstrumpfhosen und Lymphdrainagen. Die heilen das Lipödem aber erstens nicht und kosten zweitens über die Jahre viel mehr als die Operationen.“ Sie hofft, dass sich das ändert, wenn immer mehr Patientinnen ihre Krankheit öffentlich machen. Und sie möchte mit einem weitverbreiteten Vorurteil aufräumen, dass auch sie sich anhören musste: „Viele verwechseln die Operationen mit Fettabsaugen. Das ist aber nicht das Gleiche, eine Lipödem-OP ist keine Schönheits-OP! Es geht nicht ums Aussehen, es geht um die Gesundheit und darum, ohne Schmerzen und ohne Einschränkungen leben zu können.“ Das kann Lea jetzt – zum ersten Mal seit gut acht Jahren.

Text: Anja Förtsch/Wann&Wo

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