Darfur: Hilferuf der EU und UNO

Im Schatten des Nahost-Konflikts haben die Europäische Union und die Vereinten Nationen am Dienstag die Lage im Krisenherd Darfur im Sudan erörtert.

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana forderte auf der Konferenz zur Hilfe für die Darfur-Region mehr Unterstützung internationaler Geldgeber zur Umsetzung des neuen Friedensabkommens. Von diesem Einsatz hänge das Leben tausender Kinder und Erwachsener ab, mahnte seinerseits UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Afrikanische Union (AU) muss nach Solanas Worten damit beginnen, das Friedensabkommen im Rahmen ihres Darfur-Einsatzes AMIS mit den vorhandenen Mitteln umzusetzen. Für die weitere Arbeit sei aber zusätzliche Unterstützung nötig, sagte der Hohe EU-Vertreter. „Die Geldgeber waren großzügig”, sagte Solana. „Aber nun müssen wir AMIS für diese kritische Endphase ordentlich ausstatten.” Ende Dezember solle die Kontrolle der Region an die UN übergeben werden. Annan bemühte sich in Brüssel um die Zustimmung des Sudan zu der geplanten UN-Truppe.

Nach Angaben der Hilfsorganisation Care International fehlen noch 50 Millionen Dollar (rund 39 Millionen Euro) zur Finanzierung der AMIS-Truppe bis Ende September. Eigentlich sollte bereits dann das Kommando übergeben werden, erinnerte die US-Vertreterin Jendayi Frazer bei der Brüsseler Konferenz. Die wohl nötige Verlängerung bis zum Jahresende würde den Angaben zufolge weitere 270 Millionen Dollar (rund 210 Millionen Euro) kosten.

Der EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sagte zusätzliche 40 Millionen Euro Nothilfe für die leidenden Menschen zu. „Das Drama, das sich dort täglich unter unseren Augen abspielt, ist derzeit wohl die größte huminitäre Katastrophe”, sagte Michel. Rund 3,5 Millionen Menschen in Darfur könnten nur mit fremder Hilfe überleben. Auch UN-Vertreter Jean-Marie Guehenno betonte: „Die Notlage kann gar nicht überschätzt werden.” Er hoffe auf eine schnelle Einigung mit der sudanesischen Regierung über den UN-Einsatz, sagte Guehenno.

Das Friedensabkommen sei zerbrechlich, meinte der AU-Kommissar für Frieden und Sicherheit, Said Djinnit. Es müsse aber umgesetzt werden, weil eine Alternative fehle. Die AU habe ihre Soldaten entsandt, um ein Chaos zu verhindern. Nach Angaben der US- Vertreterin Frazer ist die NATO bereit, die AMIS-Truppe beim Übergang zum UN-Kommando zu unterstützen. Das Hauptkontigent der Soldaten in Darfur solle weiterhin aus Afrika kommen.

Bei Kämpfen rivalisierender Volksgruppen wurden im Süden des Sudan in den vergangenen Tagen mindestens 60 Menschen getötet. Im Streit um Wasser- und Weideplätze hätten sich zwei Gruppen der Dinka seit dem 11. Juli bekriegt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur SUNA am Dienstag. Der ehemaligen Rebellengruppe Südsudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM), die die Region verwaltet, sei es nach einer Woche gelungen, die Kämpfe zu beenden.

Von der sudanesischen Regierung gelenkte arabische Reitermilizen führen in Darfur seit drei Jahren mit brutalen Mitteln einen Kleinkrieg gegen die schwarze Bevölkerung, bei dem über 200.000 Menschen getötet und über zwei Millionen vertrieben wurden.

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