"Dar Mätsch" auch hinter Gittern

Die Gefängniskapelle - ein außergewöhnlicher Rahmen für das jüngste Konzert der "Bahnteifl & Otto Hofer".
Die Gefängniskapelle - ein außergewöhnlicher Rahmen für das jüngste Konzert der "Bahnteifl & Otto Hofer". ©stp

Egg, Feldkirch. “Das war sicher unser schwierigster, aber auch interessantester Auftritt. Eine neue, außergewöhnliche Erfahrung”, meint Bandleader Ulli Troy während das Tor der Justizvollzugsanstalt Feldkirch im Rückspiegel seines Autos kleiner wird.
Wertvolle Erfahrungen
“Wir haben nicht so recht gewusst, auf was wir uns da einlassen, aber jetzt so im Nachhinein war es ganz gut, dass wir es gemacht haben”, sind sich die fünf – die “Bahnteifl” Jos und Rich Natter, Toneles Tone und Ulli Troy sowie ihr “Mätsch”-Partner Otto Hofer alias d’r Willibaldar – einig.
“Wir sind bemüht”, so Gruppeninspektor Günter Albrecht, der “den Mätsch” im Knast organisierte, “den Insassen in Abständen von zwei bis drei Monaten derartige Abwechslung im tristen Gefängnisalltag zu bieten.” Ganz hoch im Kurs stehen dabei Malkurse, es gibt aber beispielsweise auch einen Literaturwettbewerb, der bundesweit ausgeschrieben ist.
Positives Echo
“Dar Mätsch” ist beim ungewöhnlichen Publikum auch gut angekommen, viele der Zuhörer haben sich beim Hinausgehen ganz individuell bedankt – und das “Danke” oder “Danke schön” hatte meist unverkennbar ausländischen Akzent. “Ich war erstaunt, wie aufmerksam viele Zuhörer waren, obwohl sie kaum ein Wort verstanden haben. Ich hatte es da natürlich schwerer als die ,Bahnteifl‘, denn bei ihnen war die Musik international, meine Pointen haben nur die deutschsprachigen verstanden.”
Positiv fällt trotz der sprachlichen Probleme auch das Resümee der fünf Comedians aus: “Unser Bild vom Knast wurde korrigiert und einige falsche Klischees wurden ausgeräumt”, fasst es Tone Schneider zusammen. Beeindruckt waren die fünf vor allem von den Bemühungen, den Insassen Chancen zu bieten.
Dies geschieht vor allem mit dem kleinen Sport- und Fitnessstudio und der Bibliothek, wo unkonventioneller Sprachunterricht organisiert wird. “Selbst können wir dazu wenig beitragen, bei soviel Fremdsprachen ,verständigen‘ wir uns mit vielen Insassen im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen”, räumt Albrecht ein. Er verweist aber auf eine sehr erfolgreiche Methode: “Wir animieren Insassen, die schon mehr oder weniger gut deutsch sprechen, ihre Landsleute zu unterrichten. Wir steuern dazu Wörterbücher bei, für mehrere Dutzend Sprachen sind davon vorrätig, und es kommen immer neue hinzu – erst kürzlich Mongolisch.” Das habe sich übrigens ausgezahlt, bis zu ihrer Entlassung konnten sich die beiden, die beim Haftantritt keine fünf Wörter deutsch beherrschten, schon ganz passabel verständigen.
Stichwort verständigen: “Das ,Auf Wiedersehen‘ nach unserem Konzert mit Führung durch das Gefängnis war nicht nur ironisch gemeint. Wir wollen natürlich nicht als Insassen wiederkommen, aber einen neuerlichen Auftritt könnten wir uns durchaus vorstellen.”
Am Samstag “normal”
Nach dem Ausflug hinter Gitter ist “Dar Mätsch” übermorgen, Samstag, wieder in gewohntem Rahmen zu erleben: Die vier Wälder und ihr Lustenauer Partner sind um 20 Uhr im Hohenweiler “Kronensaal” zu Gast. VN-STP

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Egg
  • "Dar Mätsch" auch hinter Gittern
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen