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Dankbarkeit ist überwältigend

"Ganz sicher Faulheit!", antwortet Mirjam Müller ohne zu überlegen auf die Frage nach dem häufigsten Grund für schlechte Schulleistungen.

Die 31-Jährige weiß, dass gerade in der Pubertät Jugendliche „null Bock“ auf Schule haben und Lernen zu den unliebsamen Aufgaben zählt.

„Muss feinfühlig sein“

Einblicke in die Familienverhältnisse ihrer Schützlinge verraten, dass die schlechten Noten auch manchmal andere Ursachen haben. „Einer Schülerin sind innerhalb kurzer Zeit beide Elternteile verstorben“, schildert Müller. Auch eine Scheidung der Eltern kann ein Kind emotional aus der Bahn werfen. In solchen Fällen muss man „sehr feinfühlig sein und die Kinder positiv bestärken“, weiß sie.

Marktlücke entdeckt

Den Spaß, Jugendlichen Wissen zu vermitteln, hat Müller „mehr oder weniger in der Not entdeckt“. Auf der Suche nach einem Studentenjob, um sich das Doktoratsstudium der Politikwissenschaften zu finanzieren, stieß sie auf die „Studienhilfe“ Innsbruck. Ihren auf Auslandsaufenthalten in den USA erworbenen Englischkenntnissen verdankte sie schließlich die Anstellung als Englischnachhilfelehrerin. Weil sie in Bregenz Bedarf an Nachhilfe sah, nützte sie die Gelegenheit, „die Marktlücke zu füllen“ und eröffnete 2005 ein gleichnamiges Institut in Bregenz.

„Soziale Verpflichtung“

„Hin und wieder habe ich schlaflose Nächte“, gesteht Müller. Die Probleme ihrer Schüler lassen sie nachts nicht los. „Eine allein erziehende Mutter von zwei Buben konnte einmal das Geld für die Nachhilfe nicht aufbringen“, sagt sie. Der Job am Fließband warf keinen hohen Gehalt ab, die Kosten für die Miete belasteten die Frau finanziell. „Also habe ich ihr einen Rabatt gegeben.“ Weil sie nicht allen einen Nachlass gewähren kann, hat sie Nachhilfe-Gutscheine an die Stadt Bregenz gegeben, die mit der Verteilung sozial schwachen Familien unter die Arme greifen soll.

“Dankbarkeit freut sehr“

Besonders gerührt zeigt sie sich angesichts der Dankbarkeit, die von den Schülern und Eltern ausgeht. „Packweise Merci-Schokolade bekomme ich“, sagt sie strahlend. „Es ist einfach das Schönste, wenn ein Kind eine gute Note schreibt!“

ZUR PERSON
Mirjam Müller
Beruf: Nachhilfelehrerin und Geschäftsführerin „Studienhilfe“ in Bregenz
Alter: 32
Familie: ledig
Wohnort: Langen bei Bregenz
Ausbildung: Studium der Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck und an der Eastern University of Illinois in den USA. Diverse Auslandsaufenthalte in Paris, England und USA.

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