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Dank Schimpf-Kurs: Deutsche fluchen bald wie Österreicher

Beim Schimpfen geht es nicht um Wut, es ist eine Lebenseinstellung.
Beim Schimpfen geht es nicht um Wut, es ist eine Lebenseinstellung. ©pixabay.com
Die Burgenländerin Isa Stirm lehrt den Deutschen das Schimpfen - auf österreichisch. Keine "Kacke", dafür mit ordentlich Schmäh und auch manch derben Sprüchen. Damit will die 42-jährige Wahldeutsche die österreichische (Hoch-)Kultur verbreiten.

“‘Scheiß di ned an!’ – Nimms entspannt” – so lautet der Titel für einen österreichischen “Schimpfwörkshop” am Mittwoch in Frankfurt am Main. Ideen- und Gastgeberin ist die gebürtige Burgenländerin und in Deutschland lebende Isa Stirm aus St. Margarethen (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Sie will sich als “Botschafterin für österreichische Lebenskultur” einen Namen machen. Warum, erzählte sie der APA.

Stirm ist 42 Jahre alt, verheiratet, Mutter zweier Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren und stammt aus einer Großfamilie. Mit 25 Jahren zog es sie raus aus Österreich – zunächst nach Hamburg. Dort wurde sie zur “Ösa” – ein Wortspiel aus Ösi – der gerne verwendeten Bezeichnung von Deutschen für Leute aus Österreich – und ihrem Vornamen Isa. Genau das soll nun ihr Markenname werden. “Ich will als Ösa ein bisserl Ö nach D bringen – den österreichischen Spirit verbreiten, dieses ‘Scheiß di ned an’-Gefühl vermitteln, das tolle Essen, den guten Wein – meine Eltern sind selbst Winzer – und die vielen coolen österreichischen Produkte, die es gibt, den Deutschen näher bringen”.

“Schimpfen ist Teil der österreichischen Lebenskultur”

Der “Schimpfwörkshop” ist ein Teil dieser Idee. Für 59 Euro pro Person gibt es nicht nur die Möglichkeit, das Schimpfen – “Schimpfen ist ja auch ein Teil der österreichischen Lebenskultur” – zu lernen oder einfach mal “Dampf abzulassen”. Es werden auch österreichische Schmankerl kredenzt: Ein klassischer burgenländischer Bohnensterz (ein traditionelles Gericht, das aus Schmalz, Mehl und weißen Bohnen zubereitet wird, Anm.) wird zum Beispiel als “A so a Schaas” angekündigt. Damit sind zwei Fliegen mit einer Klappe gefangen: Denn die Flatulenzen, die die Bohnen häufig mit sich bringen, sind auf Österreichisch ja genau so ein “Schaas” wie wenn etwas ein “Schaas” – also Müll – ist.

“Auch in Aussendungen verwende ich gerne österreichische Wörter, kennzeichne die dann mit einem Stern und erkläre die Begriffe”, so die Burgenländerin. Auf ihrer Homepage (www.ösa.at) erklärt sie das Jugendwort 2018 – im Übrigen auch ihr Lieblingswort – Oida folgendermaßen: “Wort zur Satzverstärkung bei Bewunderung, Überraschung, Wut, Unglaube, Enttäuschung, als Anrede für einen Kumpel oder einfach nur als Füllwort: Oida, wie geil! Ich glaub’s nicht, Oida! Na Oida … Ooooooooiiiiiiiidaaa!!!”.

Eine Österreicherin als Gastgeberin

Wohin genau die Reise mit Ösa gehen soll, weiß sie noch nicht. “Ich möchte mit meiner Leidenschaft Geld verdienen und diese zum Beruf machen. Ich liebe gutes Essen, Trinken, bin gerne Gastgeberin. Ich habe zum Beispiel im September 2017 vor dem Gebäude der Bürogemeinschaft, der ich als Grafikdesignerin angehöre, einen Heurigen gemacht und ganz klassisch ‘ausg’steckt’. 150 Leute sind gekommen, haben Wein und Frizzante getrunken, sind auf Bierbänken gesessen und haben Brot mit kaltem Schweinsbraten, Kren und Gurkerl oder Presswurst mit Kürbiskernöl gegessen und waren begeistert. Dieses Heurigenkonzept habe ich dann auch einem Restaurant verkauft und einen Heurigen dort ausgerichtet. Ich habe Weinverkostungen gemacht, Rezepte für Bohnen- und Krautstrudel, Liptauer und so weiter weitergegeben – einfach die Basics eben. Und das ist meine Kunst: Ich bin die Königin von einfach.”

Konkret könne sie sich vorstellen, Kooperationen mit österreichischen Unternehmen einzugehen und ihnen in Deutschland eine Plattform zu bieten, Veranstaltungsideen zu entwickeln und österreichische Veranstaltungen zur Produktbewerbung anzubieten. “Ich möchte auch einen Blog schreiben, wo es um österreichische Unternehmen und Produkte geht, die ich cool finde und wo man dann über bezahlte Anzeigen nachdenkt”, meinte Stirm.

Österreich ist nicht nur Skihütte, Apresski, Kaiserschmarrn, Gabalier

Die Ideen seien jedenfalls vielfältig. Dinge wie der “Schimpfwörkshop” müssen aber noch weiterentwickelt werden. “Ich habe auch Reaktionen bekommen, wo dann rauskam ‘Nein, das liegt mir nicht, so aggressiv zu beschimpfen’ oder die Frage auftauchte ‘Muss ich dann jemand anderen beleidigen?’. Und darum geht es nicht. Es geht darum, einfach mal sich auch selbst zu bejammern und dann zu sagen ‘heast, scheiß di ned an’ . Es geht eigentlich um einen Kurzurlaub nach Österreich, um Spaß, Entspannung, um Beziehung aufpeppen. Die Idee ist auch, den ‘Schimpfwörkshop’ als Teambuildingmaßnahme in Unternehmen anzubieten. Und zwar als ‘Die Schimpfmethode – Ein Modell zum Stressabbau im harten Businessalltag’. So nenn ich das. Damit du dich locker machen kannst.”

Generell müsse man in Deutschland auch in bisserl in Klischees denken, zeigte sich Stirm überzeugt. “Also wie glaubt der Deutsche, wie Österreich ist. Das muss man ein bisserl bedienen. Aber auch sagen – und das ist meine Intention: Österreich ist nicht nur Skihütte, Apresski, Kaiserschmarrn, Gabalier (Sänger Andreas, Anm.) oder politisch. Und Österreich ist auch nicht nur Dirndl, nicht nur Wien und ‘Küss di Hand'”, betonte Stirm. “Österreich ist total präsent in Deutschland – Musik von Bilderbuch, Wanda, Garish aus dem Burgenland oder Filme mit Josef Hader, von David Schalko, die Vorstadtweiber, Essen und Wein natürlich. Ich glaube, dass das jetzt Potenzial hat.”

(APA/red)

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