Damen schütteln den Abfahrts-Rost ab

Trotz aller Wetter-Sorgen soll am Sonntag und damit an einem 18. Jänner in Altenmarkt-Zauchensee endlich die zweite Saison-Abfahrt im Damen-Weltcup in Szene gehen.

Nach zwei wetterbedingt abgesagten “Downhills” in Lake Louise und St. Moritz beginnt bei den Ladys in der schnellsten Disziplin der Kampf um die Kugel erst jetzt so richtig, Mitte der Saison stehen noch sieben von acht Abfahrten aus.

Das ist auch die große Hoffnung von Renate Götschl. Österreichs seit März 2007 sieglose “Speed-Queen” hat im Dezember einen ganz schlechten Saisonstart erwischt, in der langen Pause aber keinen Rost angesetzt, sondern vielmehr eifrig trainiert und vor allem auf ein weicheres Schuh-Modell gewechselt. Dennoch bäckt die Siegerin von 24 Weltcup-Abfahrten derzeit kleine Brötchen. “Mit einem Platz in den Top-Fünf wäre ich zufrieden”, sagte Götschl nach dem von vielen Bluffs durchzogenen Abschlusstraining auf der Kälberloch-Piste, in dem sie Platz vier belegt hatte.

Götschl dürfte alleine wegen ihrer Routine mittlerweile wieder Österreichs Nummer eins in der Abfahrt sein, auch wenn die 33-Jährige meinte, dass Routine hier nichts bringe. Drei Mal hat die Obersteirerin in Zauchensee schon gewonnen, am Sonntag geht sie nach ihrem Triumph von 2007 als “Titelverteidigerin” an den Start. Diesmal soll es aber erstmals von ganz oben gehen, also inklusive des steilen Starhanges. Diese Variante über 3.005 Meter war vor zwei Jahren wegen Schlechtwetters ausgefallen.

Obwohl das erste Training am Mittwoch abgesagt worden war, verzichtete Götschl am Samstag auf eine Teilnahme an der Kombiabfahrt. “Es kommen noch lange Wochen mit vielen Rennen”, setzte sie schon ganz aufs Kraftsparen. Schon kommende Woche geht es in ihrem “Wohnzimmer” Cortina, wo sie mit zehn Siegen Rekordlerin ist, weiter. “Ich kenne die Kälberloch seit meiner Kindheit. Sollen die anderen doch bluffen. Ich weiß, was noch zu tun ist”, so Götschl.

Über sechs Wochen sind seit dem Sieg von Lindsey Vonn Anfang Dezember in Lake Louise, wo die in der Zwischenzeit zur Slalom-Spezialistin gewordene Maria Riesch hinter ihrer Busenfreundin Vonn und der Italienerin Nadia Fanchini Platz drei belegte, vergangen. Dementsprechend “wackelig” kehrte auch die Weltcup-Titelverteidigerin auf die langen Ski zurück, zeigte sowohl im Training als auch in der Kombi-Abfahrt auf der technisch anspruchsvollen Kälberloch-Piste Schwächen. Am Samstag wäre Vonn beim Hot-Air-Sprung fast zu Sturz gekommen, vermied nur mit Glück eine Knie- bzw. Handverletzung.

“Ich war viel zu weit, das war fast ein Riesen-Sturz und ich hatte wirklich viel Glück”, atmete die 24-Jährige durch. “Die Hand wird blau sein, aber das ist kein Problem”, sagte Lindsey. “Sonntag muss ich beim Sprung jedenfalls sauberer landen und auch unten die Kurven besser fahren”, gestand sie. “Meine Ski sind einfach zu schnell, ich finde manchmal die Linie nicht.”

Österreich hat neben Götschl mit Maria Holaus und Lokalmatadorin Andrea Fischbacher zwei weitere heiße Eisen am Start. Fischbacher war in den drei bisher lediglich drei Speed-Rennen fast durchwegs Österreichs Beste. Am Sonntag wird die 23-Jährige Großcousine von Hermann Maier zudem von vielen heimischen Fans angetrieben. Auch Elisabeth Görgl scheint auch in der Abfahrt endlich auf dem Weg nach vorne, was Platz sechs für die Steirerin in der Kombiabfahrt bewies.

Götschl hat zwei Jung-Kolleginnen, mit denen sie sich besonders intensiv auseinandersetzt. Einerseits die 19-jährige Teamkollegin und steirische Landsfrau Nicole Schmidhofer, die in Zauchensee vor zwei Jahren ebenso Medaillen bei der Junioren-WM geholt hat wie Götschls Atomic-Markenkollegin Lara Gut (17). Der Schweizer Jungstar kränkelte sich allerdings mit einer Magenverstimmung durch die Zauchensee-Woche und verzichtete auf einen Kombistart. In der Abfahrt will es Gut aber probieren. Zauchensee ist die Lieblingspiste des Riesen-Talentes aus dem Tessin.

Zu den Überraschungen könnte am Sonntag Larisa Yurkiw zählen. Die erst 20-jährige Kanadierin mit dem osteuropäischen Namen zeigte in dieser Saison schon mehrmals stark auf, überraschte aber alle, als sie mit Nummer 47 Bestzeit in der Kombiabfahrt erzielte. Yurkiw kommt aus Owen Sound in der Nähe der großen Seen in Ontario und ist damit quasi “Flachländerin”. Sie ist kanadische Meisterin in Abfahrt und Super-G.

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