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Daheim auf Zeit

©Petra Rainer
In Stuben, an einem der Eingänge ins Nobelskigebiet am Arlberg, setzt das Appartementhaus Fuxbau neue Akzente. Unübersehbar drückt es der Tourismusgemeinde seinen Stempel auf. uf dem Stempel steht: Willkommen im Stuben von heute. Ein Gruß, der nicht nur die Gäste des eigenen Hauses erreicht.
Daheim auf Zeit

Touristisches Bauen in der Alpenregion – ein Thema, das viele Klischees bedient und von dem viel erwartet wird. Gästestrom- analysen, betriebswirtschaftliche Überlegungen der Bauherren, das Ausbalancieren von Bedürfnissen und Wünschen von Einheimischen und Gästen, raumplanerische Aspekte – all diese Faktoren kommen hier zusammen. Wer sich dessen bewusst ist, baut nicht ohne vorher Pläne zu schmieden, in die Zukunft zu denken. Und wer in die Zukunft denkt, malt sich ein Bild aus – von dem wie die Dinge sein könnten und wie gut sie sein könnten. Dann heißt es dranbleiben und das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Bauherr und Gastronom Johann Lassnig hat dieses Gedankenexperiment im Kleinen bereits gewagt, als er 2011 die Arlberglodges errichtete. Die Entscheidung, die architektonische Gestaltung beim Neubau einer Tourismusanlage erneunt besonders in den Fokus zu rücken und nicht einfach drauf los zu bauen, beruhte diesmal auf einer unternehmerischen Erkenntnis. „Mit den Arlberglogdes hat sich die Vermutung bestätigt, dass architektonische Qualität nicht nur mehr, sondern auch andere Gäste anlockt. Der Sommer ist nun wesentlich besser gebucht. Es kommen Leute nur wegen der Architektur.“ Das Interesse des touristischen Bauherren wurde vor einigen Jahren in Kanada geweckt. Die Lodges in dortigen Skigebieten verbanden Naturraum und atmosphärisch dichtes Wohnerlebnis perfekt miteinander. Etwas Ähnliches wollte er auch den eigenen Gästen am Arlberg bieten. Stand anfangs noch ein traditioneller Baustil in Diskussion, so wurde die vermeintliche Erwartungshaltung der Gäste bald hinterfragt. „Es gibt genügend Betriebe, die einen pseudo-tradtionellen Stil pflegen. Wichtig war mir, dass der neue Bau zeitgemäß ist, gemütlich, gut ins Ortsbild passt und doch auch ein wenig heraussticht.“ Mit dem Geschwisterpaar Ursula Ender und Marcus Ender, die als Architekten bereits die Arlberglodges verantworten, gab es schon lange vor den ersten Planungsgesprächen Kontakt. Regelmäßige, gute Gespräche und Ausflüge zu Objekten, bei denen bestimmte Lösungen vor Ort angeschaut und diskutiert werden konnten, waren wesentliche Aspekte des Planungsprozesses. „Mir war es besonders wichtig, auch meine Nachbarn zu berücksichtigen. Die Arlberglodges tragen noch immer den Beinamen ‚Stangenwald‘. Damit kann ich gut leben. Die Lage des Fuxbaus ist jedoch so prominent, dass es mir wichtig war, Rücksicht zu nehmen. Der Bau ist prägend für die gesamte Ortsansicht. Das war mir bewusst.“ Tatsächlich sticht das Gebäude schon bei der Einfahrt ins Ortsgebiet von Weitem ins Auge. Lage, Größe, Form und die Präsenz der übergroßen Fensteröffnungen machen ihn zu einem unübersehbaren Fixum. Die Höhe des Gebäudes wurde so auch bereits in der frühen Planungsphase mit den zuständigen Behörden diskutiert. Eingebettet in den Hang sind es eingangsseitig immerhin vier Geschoße, rückwärtig zwei.

Der öffentlich zugängliche Bereich führt als erstes in die Gastwirtschaft zur rechten oder einen Verkaufs- und Servicebereich des bekannten Sportausstatters Strolz zur linken. Der kleine Gastronomiebereich ist in dunklen Farben gehalten – eine gemütliche Rückzugszone mit guter Küche, nicht zu groß, nicht zu teuer. Nonchalant und doch traditionell – etwa durch die Verwendung von alten Holzbrettern aus dem ursprünglichen Fuxbau, der vorher hier stand. Eine Reminiszenz an das alte Stuben, heute verwendet als raumgestaltende Lamellen. Hell hingegen ist der Verkaufsbereich, in dem Haus- wie Tagesgäste alles finden, was der sportive Alltag am Arlberg erfordert und etwas mehr. Auf die Durchgängigkeit des Bodens wurde geachtet. „Wir haben mit dem Gestalter der Ladenfläche gut zusammengearbeitet. Am Abend wird der Shop durch eine Falttür geschlossen.“

Nicht zu viel und nicht zu wenig, wollten die Architekten. Kleine Zitate, die sie in Form von Materialien in den Bau verwoben haben, mögen nicht für jedermann lesbar sein. Aber sie vermitteln das Gefühl einer nicht zufälligen Harmonie. So macht sich auch in den Appartements des Fuxbaus eine wohlige Atmosphäre breit: warme Farbgebung, kleine Zitate alpiner Gemütlichkeit und doch kein aufdringler „alpine chic“, sondern ein schlichter, in Materialität und Ausstattung gediegener, gut gestalteter Raum, der Gästen die Wahl lässt zwischen privatem Rückzug oder gastronomischem Angebot. Die Appartements sind als vollwertige Wohnungen ausgestattet – der Standard folgt dem einer gehobenen Privatwohnung. Wer nach dem ausgiebigen Spaziergang oder einem Tag auf der Piste Erholung sucht, findet sie in der privaten Sauna, die in jedem Appartement einen Platz gefunden hat. Die Loggien waren schon deshalb wichtig – nach der Sauna führt der Weg ins sichtgeschützte Eck im Freien. Die Küchen sind in den Wohnraum integriert, Bäder und Schlafzimmer abgetrennte Räume. „Wer hier wohnt, soll sich fühlen wie daheim auf Zeit“, so der Bauherr.

Die Wände in den Innenräumen wurden rau verputzt, die Farbgestaltung auf Basis der Palette von Le Corbusier abgestimmt, das Auge damit fein gereizt. Die Räume bleiben spannend durch leichte Farbabstufungen. Die Möblierung wurde ebenfalls von den Architekt(inn)en gewählt, selbst geplant. „Das ist uns besonders wichtig. Die Gestaltung kommt aus einer Hand. Der Gast bemerkt die Harmonie und die Durchgängigkeit“, so Architektin Ursula Ender.

Daten & Fakten

Objekt: Appartement- und Geschäftshaus Fuxbau, Stuben am Arlberg
Planung: 10/2014–10/2015
Ausführung: 5/2015–12/2015
Grundstücksgröße: 640 m²
Bauherr/ Auftraggeber: Hotel Garni Arlberg, Arlberg Lodges, Johann Lassnig
Architektur: Atelier Ender, Nüziders: DI Marcus Ender, DI Ursula Ender
Fachplanung: Statik: DI Ingo Gehrer, Höchst; Bauphysik: BDT | IB Bauphysik, Ing. Karlheinz Wille, Frastanz
Projektsteuerung: Fleisch Loser Bauprojektabwicklung GmbH, Rankweil
Nutzflächen: Restaurant: 75 m², Skiverleih: 120 m², Skidepot: 55 m², Wohnungen: 540
Umsetzung: Baumeister: Karl Gabriel, Nüziders; Elektro: Steiner, Nüziders; Heizung und Sanitär: Wagner, Nüziders; Klimatechnik: Ender, Altach; Schindeler: Albert Hager, Mellau; Maler und Verputzer: Krista Farben, Frastanz; Holzbau: Neyer, Bludenz; Tischlerarbeiten: Leu und Martin Dünser, beide Wald am Arlberg; Raumausstattung: Tschofen, Bludenz; Trockenbau: Preite, Bürs; Fenster: Manahl, Bludenz
Bauweise: Massivbauweise mit Steildach und Blecheindeckung, Schindelfassade aus naturbelassenen Lärchenschindeln, Fenster aus Lärchenholz
Besonderheiten: Die Holzlamellendecke des Restaurants besteht aus den alten Dachbalken des abgebrochenen Bestandsgebäudes. Die gesamte Einrichtung der Appartements individuell geplant aus Lärchenholz. Einrichtung Restaurant: Eichenholz bzw. Lamellendecke aus Bestandsholz Fichte; Innenputze: eigens entwickelter Putz mit grober Körnung (Kratzputz)
Energiekennwert: 27,6 kWh/m²a
Baukosten: 3,2 Mill. Euro netto

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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