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Dänemark will Flüchtlingsbesitz beschlagnahmen

Die meisten Flüchtlinge wollen über Dänemark nach Schweden
Die meisten Flüchtlinge wollen über Dänemark nach Schweden
Das dänische Parlament hat am Mittwoch die Debatte über einen Gesetzentwurf begonnen, der den Behörden die Beschlagnahmung von Wertsachen einreisender Flüchtlinge erlauben soll.

Vorgesehen ist, dass das Gepäck von Flüchtlingen durchsucht und Bargeld oder Wertsachen ab einem Wert von 10.000 Kronen (1.340 Euro) eingezogen werden darf, um ihre Unterbringung und Verpflegung zu finanzieren.

Da die Annahme des Gesetzes nach einem Kompromiss zwischen der liberal-konservativen Regierung und der sozialdemokratischen Opposition als sicher gilt, fand die Debatte in Kopenhagen vor nahezu leeren Abgeordnetenbänken statt. Die Oppositionspartei Alternative warnte über Twitter: “Wenn wir den Flüchtlingen ihre Werte nehmen, verlieren wir unsere eigenen.”

Kassen nicht füllen

International sorgten die Pläne in den vergangenen Wochen für Empörung und provozierten Vergleiche mit der Nazizeit. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen warnte, mit dem Gesetz würden Angst und Fremdenfeindlichkeit geschürt. Die Verfechter des Gesetzes räumen selbst ein, dass es die Kassen der dänischen Einwanderungsbehörde nicht füllen wird. Ziel sei es jedoch, ein Signal zu senden und Asylsuchende davon abzuhalten, nach Dänemark zu kommen. Eheringe und andere Gegenstände mit persönlicher Bedeutung für ihre Besitzer wie Familienporträts oder Medaillen sind von der Beschlagnahmung ausgenommen.

“Echte Menschen aus Fleisch und Blut”

Zehn Abgeordnete der regierenden Venstre-Partei von Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen kritisieren das Gesetz in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für die Zeitung “Berlingske”. Dabei gehe es nicht nur um Fragen der Menschlichkeit, auch Dänemarks Ruf in der Welt stehe auf dem Spiel, warnten sie. Wer sich auf symbolische Taten statt auf wirkliche Inhalte konzentriere, vergesse dabei, “dass es in der Politik um echte Menschen aus Fleisch und Blut geht”.

EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermanns kündigte am Mittwoch an, die EU werde das Gesetz prüfen, sobald es verabschiedet sei, und dann offiziell dazu Stellung nehmen. Die Verabschiedung ist für den 26. Jänner geplant. Zu dem geplanten strengeren Einwanderungsgesetz gehört zudem eine Verschärfung der Vorschriften für den Familiennachzug sowie eine Verkürzung der Fristen von einstweiligen Aufenthaltsgenehmigungen.

Häuser und Geschäfte für Schlepper verkauft

Flüchtlinge äußerten sich skeptisch zu den Plänen. Er glaube nicht, dass die Polizei bei Durchsuchungen viel finden werde, sagte der 25-jährige Jusstudent Tarek Issa in einem Asylbewerberzentrum in Auderod nordwestlich von Kopenhagen. “Wir haben fast alles dafür gegeben, hierher zu kommen”, sagte er. Viele Flüchtlinge hätten ihre Häuser und Geschäfte verkauft, um Schlepper bezahlen zu können.

Dänemark registrierte im vergangenen Jahr 21.000 Asylgesuche. Im benachbarten Schweden waren es dagegen 163.000. Dennoch warnte der sozialdemokratische Abgeordnete Dan Jörgensen in der Parlamentsdebatte am Mittwoch, der steigende Zuzug von Flüchtlingen überfordere das Land.

“Einführung in unsere Sexualmoral”

An der deutsch-dänischen Grenze müssen Reisende unterdessen für mindestens drei weitere Wochen mit Kontrollen rechnen. Die entsprechende Regelung werde um 20 Tage bis zum 3. Februar verlängert, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Kopenhagen mit. Es bestehe noch immer eine große Gefahr, dass sich viele illegal Eingewanderte in Dänemark stauten.

Dänemark ist Teil des Schengen-Raumes, in dem Grenzkontrollen eigentlich abgeschafft sind. Wegen der Flüchtlingszahlen in Rekordhöhe und der Terrorgefahr gibt es aber inzwischen eine Vielzahl von Beschränkungen.

Zusätzlich fordert eine breite Opposition im Kopenhagener Parlament, dass Asylwerber in Dänemark in Sexualmoral unterrichtet werden, um den Umgang mit dänischen Frauen zu lernen. “Wenn man ohnehin in einem Asylzentrum sitzt, macht es Sinn, eine Einführung in unsere Sexualmoral zu bekommen”, sagte die rechtspolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, Trine Bramsen. (APA)

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