AA

D: Schrempp wirft bei Crysler das Handtuch

Führungswechsel zu Jahresende - Chrysler-Chef Zetsche wird neuer Konzernchef - die Aktie befindet sich am Höhenflug: Höchster Stand seit fast drei Jahren.

Die Ära von Jürgen Schrempp (60) an der Spitze von DaimlerChrysler ist nach einer Reihe strategischer Fehlschläge vorzeitig beendet. „Der Aufsichtsrat und Jürgen Schrempp sind sich einig, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen ist“, teilte der Aufsichtsrat am Donnerstag ohne die sonst üblichen Dankesworte für den ausscheidenden Chef in Stuttgart mit. Zum Jahreswechsel übernimmt Chrysler-Chef Dieter Zetsche (52) das Ruder im Gesamtkonzern. An der Börse sorgte die überraschende Nachricht für ein Kursfeuerwerk: Die Aktie gewann satte zehn Prozent, der Börsenwert von DaimlerChrysler erhöhte sich um 3,7 Mrd. Euro. Der langjährige Vorstandschef des weltweit fünftgrößten Fahrzeugherstellers, der nach Unternehmensangaben trotz des bis 2008 laufenden Vertrages nur bis Dezember sein Gehalt bezieht und auf eine Abfindung verzichtet, muss seinen Posten Anfang 2006 an Chrysler-Chef Zetsche übergeben. Unter dessen Leitung schreibt Chrysler inzwischen wieder Gewinn. Schrempp hatte Daimler-Benz in seiner dort zehnjährigen Amtszeit 1998 mit dem lange unprofitablen US-Hersteller Chrysler fusioniert. Ausgezahlt hat sich der Zusammenschluss aber bis heute nicht, immer wieder taten sich Verlustlöcher auf. Der Marktwert von DaimlerChrysler beläuft sich auf nur noch rund die Hälfte im Vergleich zur Börsenkapitalisierung von Daimler-Benz alleine vor der heftig umstrittenen Fusion. Schrempps Konzept einer „Welt AG“ mit eigenen Standbeinen in allen wichtigen Märkten gilt bei Branchenexperten längst als überlebt. Die Asien-Expansion hatte erst im vergangenen Jahr durch die gescheiterte Kooperation mit dem verlustreichen Partner Mitsubishi Motors einen herben Rückschlag erlitten. Die Börse feierte den Abgang von Schrempp, dem Investoren seit Jahren Kapitalvernichtung vorwerfen. Der seit der Fusion zu DaimlerChrysler drastisch eingebrochene Aktienkurs markierte am Donnerstag mit 40 Euro den höchsten Stand seit Oktober 2002. Ein Aktienhändler urteilte: „Schrempp ist mit seinem Vorhaben, einen globalen Autokonzern zu formen, kläglich gescheitert. Er hat mit den Zukäufen von Mitsubishi und auch Chrysler eine gute Marke ruiniert.“ Die Aktionärsvereinigung DSW resümierte, die Anteilseigner hätten die „Zeche“ für das Scheitern von Schrempps Strategie gezahlt. Zetsche habe mit der Sanierung von Chrysler einen „guten Job“ gemacht, sagte HVB-Experte Georg Stürzer. Im Gegensatz zu dem vom ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper geleiteten Aufsichtsrat sprach der Betriebsrat dem 60 Jahre alten Schrempp ausdrücklich seinen Dank aus. „Jürgen Schrempp hat dieses Unternehmen maßgeblich geprägt. Wir schätzen an ihm besonders seine Geradlinigkeit und Verlässlichkeit“, erklärte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm. Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) würdigte hat die Verdienste von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp gewürdigt. „Jürgen Schrempp hat meinen Respekt“, sagte Clement. Schrempp habe mehr als zehn Jahre lang eines der Topunternehmen der Welt geleitet. Zudem habe Schrempp maßgeblich zur Entstehung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS beigetragen und sei damit an der Schaffung von rund tausend Arbeitsplätzen beteiligt.

In seiner Amtszeit hat Schrempp den breit aufgestellten Konzern auf das automobile Kerngeschäft fokussiert. Dabei musste er mit zahlreichen Baustellen wie etwa einem verlustträchtigen Nutzfahrzeug-Geschäft, der langen Krise bei Chrysler oder den über Jahre versteckten Qualitätsmängeln bei Mitsubishi Motors kämpfen. Im vergangenen Jahr ließ der Konzern den japanischen Partner dann fallen und will kein weiteres Geld nachschießen.

Zuletzt rutschte auch noch die Ertragsperle Mercedes Car Group infolge des starken Euro-Wechselkurses, anhaltender Qualitätsprobleme und der unprofitablen Kleinstwagentochter Smart in die roten Zahlen. Im ersten Quartal stand ein Milliardenverlust zu Buche. Die Mercedes-Pkw-Sparte erreichte im zweiten Quartal überraschend aber wieder knapp die Gewinnzone. Mit den Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach wurde ein operativer Gewinn von 12 Mio. Euro erreicht, Analysten hatten noch einen Verlust von 105 Mio. Euro erwartet. Schrempp hatte im Herbst Eckhard Cordes zum Mercedes-Chef gemacht. Nach der erfolgreichen und geräuschlosen Sanierung des Nutzfahrzeuggeschäfts soll Cordes für einen Renditeanstieg bei der Stammmarke sorgen und galt als Kronprinz Schrempps.

Auch mit dem Betriebsgewinn in Höhe von 1,7 Mrd. Euro überraschte DaimlerChrysler positiv. Finanzexperten hatten einen Rückgang auf 1,28 (Vorjahr: 2,1) Mrd. Euro erwartet. Das Konzernergebnis stieg um 28 Prozent auf 737 Mio. Euro und lag damit deutlich über den Analystenerwartungen. Bei einem anhaltend schwachen Absatz im Pkw-Geschäft kletterte der Konzernumsatz um vier Prozent auf 38,4 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr strebt DaimlerChrysler einen leichten Absatzzuwachs an. Ohne die Belastungen von mehr als 1,1 Mrd. Euro aus der Sanierung von Smart soll das operative Ergebnis leicht über dem Vorjahreswert von 5,8 Mrd. Euro liegen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • D: Schrempp wirft bei Crysler das Handtuch
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen