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D: Handy-Verbot abgelehnt

Das von Bayern erwogene Handy-Verbot in Schulen hat in Deutschland zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. "Ein Handy-Verbot ist unsinnig".

Die Vorsitzende der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD), lehnt ein solches Verbot ebenso ab wie die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz. Nach dem Fund von zahlreichen Gewalt- und Pornodarstellungen auf Schüler-Handys hatte sich Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) dafür ausgesprochen, „ohne Tabus“ über ein Handy-Verbot nachzudenken.

Erdsiek-Rave hält das aber für nicht durchsetzbar. „Wer soll das kontrollieren? Lehrer sind keine Polizisten“, sagte sie nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“. Das Problem dürfe jedoch nicht bagatellisiert werden. Sinnvoller sei es, mit den Schülern und deren Eltern diese Themen zu besprechen. „Bei Straftaten müssen die Lehrer jedoch konsequent handeln, die Polizei und die Jugendämter einschalten.“

Die GEW hält tägliche Kontrollen in der Schule ebenfalls für nicht praktikabel. „Ein Handy-Verbot ist unsinnig“, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Demmer äußerte sich außerdem kritisch zum Vorgehen der Behörden in Bayern. „Schulrazzien sind Quatsch“, sagte sie.

Der Vorsitzende der detuschen Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz, Professor Bruno Niklas, hält ebenfalls nichts von einem Handy-Verbot. Der Fund in Bayern ist für den Jugendschutzexperten nur die Spitze des Eisbergs. Da solches Material außerdem seit Jahren im Internet zugänglich sei, müsse man die Jugendlichen sensibilisieren und stärken für Eindrücke, „die man letztlich auch nicht loswird“, sagte Niklas im Deutschlandradio Kultur.

Entscheidende Bedeutung für die Bewältigung solcher Probleme hätten die Eltern, sagte Niklas. Als problematisch sieht er Elternhäuser, in denen die Eltern sich schwer tun, mit den Kindern zu spielen und zu kommunizieren. Leider gebe es davon eine große Zahl, sagte der Soziologe. Aber auch in den Schulen müsse über Menschenwürde und Grenzziehungen zwischen Kunst und Verbotenem gesprochen werden.

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