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D: Gedrückte Stimmung bei Mercedes

Die Streichung von 8.500 Stellen bei Mercedes sorgte in Deutschland bei der Belegschaft für gedrückte Stimmung. Die Mitarbeiter in dem am meisten betroffenen Werk Sindelfingen zeigten vor allem erstaunt über das Ausmaß.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hat sich überrascht von den Plänen zum Stellenabbau bei Mercedes gezeigt.

Mercedes-Chef Dieter Zetsche will auf einer Betriebsversammlung am Donnerstag die Pläne des Vorstands genauer erläutern. Der Personalabbau kostet den deutsch-amerikanischen Autokonzern 950 Millionen Euro. In Sindelfingen sind 31.000 Mitarbeiter in der Autoproduktion beschäftigt. Das Werk soll ein Schwerpunkt der Stellenstreichungen bilden.

Mercedes-Mitarbeiter Harald Fuhrner sagte am Morgen beim Schichtwechsel, er sei nicht überrascht über den Personalabbau. „Für Sindelfingen wird es harte Einschnitte geben“, meinte er. Sein Kollege Thomas Lutz erklärte, er habe keine Angst um seinen Arbeitsplatz. „Es geht immer mal wieder bergab und wieder bergauf“, erklärte er. Ein 50 Jahre alter Mitarbeiter der Presserei sagte, der Konzern wolle die Mitarbeiter „so billig wie möglich“ loswerden. „Es wird wahrscheinlich nicht hinhauen, dass so viele Leute freiwillig gehen“, erklärte er. Ein 42-Jähriger erklärte, er mache sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Er habe Angst um seine Stelle.

„Ich bin über den konkreten Fortgang und die konkrete Zahl überrascht“, sagte Huber von der IG Metall am Donnerstag im Deutschlandfunk. Es habe zwar geheißen, dass es bei DaimlerChrysler Arbeitsplatzüberhänge gebe und die Geschäfte bei der Mercedes Car Group nicht so gut gelaufen seien wie geplant. „Aber die Zahl achteinhalb tausend, die im Raume schwebt und genannt worden ist, ist bis dato nicht unterfüttert mit klaren Maßnahmen, mit konkreten Problemaufrissen, mit konkreten Zukunftslösungen.“ Deshalb erlaube er sich, die Zahl in Frage zu stellen, sagte Huber weiter.

Er fühle sich durch die Planungen für das Werk Sindelfingen nicht getäuscht. „Das wäre jetzt zu weit gegriffen“, sagte Huber. Die Vereinbarungen über den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen stehe in ihrer Substanz, auch wenn die Frage von Personalüberhängen bei Mercedes noch nicht aus der Welt sei. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Mercedes in Deutschland bis zum Jahr 2012 ausgeschlossen. Das hatten Gewerkschaft und Vorstand in harten Verhandlungen im vergangenen Sommer vereinbart.

Der deutsch-amerikanische Autobauer DaimlerChrysler hatte am Mittwoch angekündigt, wegen hoher Überkapazitäten fast jede zehnte Stelle bei Mercedes streichen zu wollen, das sind deutlich mehr als erwartet. Die Mitarbeiter sollen durch freiwillige Vereinbarungen sozialverträglich aus dem Unternehmen ausscheiden. In einem Brief an die Mitarbeiter erklärte Zetsche, die Geschäftsleitung habe in den vergangenen Monaten „wirklich alle Möglichkeiten untersucht“. Die bereits erzielten Einsparungen änderten nichts daran, dass die Kapazitäten und damit die Beschäftigtenzahl entsprechend angepasst werden müsse.

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