D: Anhörung von US-Soldaten

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen findet derzeit auf einem Mannheimer US-Stützpunkt die Anhörung von vier Soldaten statt, die im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad irakische Gefangene misshandelt haben sollen.

Zum Auftakt beantragten die Verteidiger des mutmaßlichen Anführers Charles Graner am Montag, entscheidendes Beweismaterial nicht zuzulassen.

Richter James Pohl gab dem Ersuchen der Anwälte zunächst nicht statt. Er erklärte aber, die Frage könne zu einem späteren Zeitpunkt erneut erörtert werden. Auf Graners Laptop waren zahlreiche Bilder von Demütigungen und Quälereien gefunden worden. Nach Darstellung seiner Anwälte war der Ermittler, der den Computer im Jänner untersuchte und die Bilder entdeckte, dazu jedoch nicht autorisiert.

Nach den zweitägigen Vorverhandlungen in Mannheim wird entschieden, ob die Beweislage für einen Prozess gegen die vier Angehörigen einer Reserveeinheit der Militärpolizei vor einem Militärgericht ausreicht. Die Verteidiger der Soldaten haben bisher geltend gemacht, dass ihre Mandanten im Irak lediglich Befehle ausgeführt hätten. Die Anwälte hatten eine Verlegung der Anhörung von Bagdad nach Deutschland erreicht. Sollte es jedoch zu einer Anklage kommen, wird der Prozess vermutlich in Bagdad stattfinden.

Zunächst sagte der Militärermittler Manora Iem aus. Er habe Graner in der Nacht des 14. Jänner in Abu Ghraib geweckt, ihn über die Verdächtigungen informiert und um Zustimmung zur Überprüfung seines Laptops gebeten. Diese habe Graner jedoch nicht erteilt. „Er war geistesgegenwärtig, er war sehr kooperativ“, sagte Iem. „Aber er fürchtete, zum Sündenbock gemacht zu werden.“

Iem räumte ein, dass er zum Zeitpunkt der ersten Kontrolle des Computers keine Erlaubnis von Vorgesetzten gehabt, jedoch wenig später eine entsprechende Genehmigung erhalten habe. Für die Verteidiger Graners ist das Beweismaterial daher unzulässig. Dieser sei zu überrascht gewesen und unter zu großem Druck gestanden, als er eine Zustimmung zur Durchsuchung seines Quartiers gegeben habe, und die Einwilligung habe nicht für den Computer gegolten.

Der 35-jährige Beschuldigte sagte aus, er sei von der nächtlichen Aktion überrascht worden. „Wenn dir jemand deine Rechte vorliest, dann wird dir etwas vorgeworfen. Dann bist du grundsätzlich schuldig“, gab er zu Protokoll. Er habe den Ermittlern gesagt: „Alle meine Bilder sind auf dem Computer.“

Graner verfolgte die Anhörung teilnahmslos. Im Laufe des Tages sowie am Dienstag sollten auch die übrigen Angeklagten – die 29-jährige Gefreite Megan Ambuhl, der 37-jährige Feldwebel Ivan Frederick und der 26-jährige Gefreite Javal Davis – angehört werden.

Im April hatte die Veröffentlichung von Fotos von nackten Gefangenen, denen Plastiksäcke über die Köpfe gestülpt worden waren, weltweit für Aufregung gesorgt. Auf einigen Aufnahmen ist Graner zu sehen, wie er hinter pyramidenförmig angeordneten nackten Häftlingen posiert. Graner wird beschuldigt, mehreren wehrlosen Gefangenen auf die nackten Füße und Hände gesprungen zu sein. Einem Insassen schlug er angeblich so fest gegen die Schläfe, dass dieser das Bewusstsein verlor.

Dem Soldaten drohen neben der unehrenhaften Entlassung aus der Armee 24,5 Jahre Haft. Zudem ist er wegen Ehebruchs angeklagt. In Abu Ghraib schwängerte Graner die Soldatin Lynndie England, die in Zusammenhang mit den Misshandlungsvorwürfen derzeit in Fort Bragg in North Carolina angehört wird.

Feature: Mühsame Anhörungen zum Abu Ghraib-Skandal

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