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Covid-19: Kinder suchen mehr Hilfe bei Rat auf Draht

Die Telefone bei Rat auf Draht stehen nicht mehr still seit der Corona-Krise.
Die Telefone bei Rat auf Draht stehen nicht mehr still seit der Corona-Krise. ©Unsplash/Symbolbild
Von der Corona-Krise zur Familienkrise ist es nicht weit. Viele verzweifelte Kinder und Jugendliche melden sich täglich bei Rat auf Draht.

Isolation auf engem Raum, Überforderung und Existenzängste machen aus der Corona-Krise schnell eine Familienkrise. Kinder und Jugendliche sind von Aggression und Gewalt besonders betroffen.

Telefone stehen nicht mehr still

Beim Kinder- und Jugendnotruf Rat auf Draht stehen seit dem Ausbruch des Corona-Virus die Telefone nicht mehr still. Die Jugend macht sich nicht nur um Gesundheit oder Schule Sorgen, sondern meldet sich vermehrt auch, weil zu Hause dicke Luft herrscht oder sie vor häuslicher Gewalt Angst haben oder bereits betroffen sind.

Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht, rät den betroffenen Kindern und Jugendlichen, nicht zu zögern und Hilfe zu rufen. Rat auf Draht ist rund um die Uhr kostenlos unter der Nummer 147 erreichbar. Weil es im gemeinsamen Haushalt oft leichter ist, zu schreiben als zu telefonieren, wurde die Chat-Beratung erweitert und steht derzeit von Montag bis Freitag jeweils von 18 bis 20 Uhr zur Verfügung. Das multiprofessionelle Team von Rat auf Draht unterstützt Kinder und Jugendliche bei Ängsten oder in Krisensituationen und hilft, die nächsten Schritte zu setzen. Sollte unmittelbare Gefahr von den Eltern oder Bezugspersonen ausgehen, empfehlen die ExpertInnen, die Polizei zu verständigen.

Gemeinsam Kinder schützen

Derzeit ist auch die Achtsamkeit von Mitmenschen besonders gefragt. Wenn laute Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft auffallen, sollten diese ernst genommen werden – besonders, wenn Kinder und Jugendliche im betroffenen Haushalt leben. Bei den Nachbarn anzuläuten und zu fragen, ob alles in Ordnung ist, reicht oft schon, um eine aufgeheizte Situation etwas abzukühlen. Bei konkretem Verdacht auf Gewalt in der Familie wendet man sich am besten an die jeweilige Kinder- und Jugendhilfe des Bundelandes. Diese geht sensibel mit Verdachtsmeldungen um und klärt eine mögliche Gefährdung gründlich ab. Vermutet man eine akute Gefährdung eines Nachbarkindes, sollte sich niemand scheuen, die Polizei zu rufen – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Unterstützung für Eltern

Jede Gewalt-Eskalation hat Vorstufen. Wenn Eltern spüren, wie die Überforderung wächst, rät Satke: „Schaffen Sie auch in dieser schwierigen Situation Freiräume. Jeder braucht mal eine Pause. Beobachten Sie bewusst, wie es Ihnen geht und setzen Sie ein Stopp, wenn Sie Überforderung oder Aggression in sich spüren. Tauschen Sie sich mit Freundinnen oder Freunden telefonisch darüber aus oder holen Sie sich Hilfe – etwa kostenlose Beratung bei Rat auf Draht oder den österreichischen Gewaltschutzzentren.“

(red.)

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