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Countdown für die 70. Bregenzer Festspiele läuft

Auf der Seebühne am Bodensee und im Festspielhaus laufen dieser Tage die letzten Vorbereitungen für die 70. Bregenzer Festspiele auf Hochtouren. Im ersten Jahr von Neo-Intendantin Elisabeth Sobotka sind zwei Tage vor der Eröffnung am 22. Juli bereits fast 90 Prozent der 26 Seeaufführungen gebucht. Bei der Hausoper, Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen", liegt die Auslastung derzeit bei 80 Prozent.

Sowohl auf der Seebühne als auch im Haus hat Sobotka für das Festival am Bodensee – anders als ihr Vorgänger David Pountney – bereits erprobte Opernwerke ausgewählt. Dafür erntete die ehemalige Intendantin des Grazer Opernhauses nicht nur Lob. Offene Kritik wies sie jedoch jedes Mal zurück, denn beide Stücke würden in Bregenz in einer neuen Version und Interpretation zur Aufführung gelangen. Bei “Turandot”, Giacomo Puccinis 1926 – zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten – uraufgeführter Oper, liegt dies ebenso auf der Hand wie bei Offenbachs “Hoffmanns Erzählungen”, denn beide Werke blieben unvollendet.

Opulente Seekulisse

Für “Turandot” kommt in Bregenz erstmals in Österreich eine Fassung auf die Bühne, die bei der Uraufführung gestrichene Szenen des Opern-Vollenders Franco Alfano wieder aufnimmt. Auch wird Regisseur Marco Arturo Marelli in seiner Inszenierung psychologische Aspekte der Geschichte um eine chinesische Prinzessin , die alle Brautwerber auf die Probe stellt und bei deren nicht Bestehen köpfen lässt, mit aufnehmen. Aufmerksamkeit erzeugt Marelli, der auch als Bühnenbildner fungiert, allerdings allein schon mit seiner opulenten Seekulisse: Eine Nachbildung der chinesischen Mauer, 27 Meter hoch, 72 Meter breit und 335 Tonnen schwer aus orangefarbenen, goldglitzernden Mauersteinen, die sich im Aufführungslicht auch zu einem Drachen verwandelt. Es spielen traditionell die Wiener Symphoniker dirigiert von Paolo Carignani.

Fanatisch detailverliebt

Alles andere als konservativ verspricht die Hausoper “Hoffmanns Erzählungen” zu werden, allein schon aufgrund ihres Regisseurs Stefan Herheim. Der norwegische Regiestar gilt als beinahe fanatisch detailverliebt. Seine Inszenierung von Mozarts “Entführung aus dem Serail” bei den Salzburger Festspielen 2003 sorgte für Jubel, aber auch heftige Kritik. Bei “Hoffmanns Erzählungen” fasst Herheim die psychologische Dimension sehr weit, den Part der Stella, Hoffmanns Geliebter im ersten Akt, etwa verkörpert bei ihm ein Transsexueller. Für die “Bregenzer Fassung” wurden laut Dirigent Johannes Debus zudem neue musikalische Übergänge geschaffen.

Beide Inszenierungen funktionieren im Vorverkauf. Beinahe 90 Prozent der 179.000 Tickets für “Turandot” sind gebucht, der Juli ist ausverkauft. Karten “in fast allen Kategorien und für fast alle Tage” gibt es laut Pressesprecher Axel Renner aber noch im August. Besser als in den Vorjahren ist die Nachfrage nach der Hausoper, die in diesem Jahr fünf Mal anstatt bisher drei Mal gezeigt wird. Von den 7.700 Tickets waren drei Tage vor der Premiere am 23. Juli über 80 Prozent verkauft.

Im Fernsehen wird die Festspieleröffnung am 22. Juli vormittags live auf ORF 2 und auf 3sat sowie zeitversetzt am Nachmittag auf ORF III übertragen. “Turandot” läuft am 24. Juli live auf 3sat. ORF, SWR und SFR zeigen Marellis Neuinszenierung als moderiertes Backstageprojekt (Bildregie: Torben Schmidt Jacobsen), das neben der Seebühne auch Einblicke in das Geschehen hinter den Kulissen gibt.

“Cosi fan tutte”

An Zeitgenössischem bieten die Bregenzer Festspiele 2015 verglichen mit den Vorjahren weniger. Am 19. August gelangt “Der goldene Drache” des ungarischen Komponisten Peter Eötvös nach der Uraufführung 2014 in Frankfurt erstmals in Österreich auf die Bühne. Im von Sobotka neu geschaffenen Opernatelier erarbeiten Regisseur Ernst M. Binder, der Komponist Zesses Seglias und der bildende Künstler Heimo Zobernig gemeinsam eine Oper, die im Idealfall 2017 in Bregenz uraufgeführt werden soll. Den gesamten Entstehungsprozess können interessierte Zuschauer mitverfolgen. Einblick in die Erarbeitung von Mozarts “Cosi fan tutte” erhalten Festspielbesucher auch im neuen Opernstudio, mit dem die Intendantin eine Plattform zur Nachwuchsförderung in der Landeshauptstadt geschaffen hat. Premiere der Oper ist am 17. August im Bregenzer Kornmarkttheater, gezeigt wird das Stück an vier Abenden.

Weitere Perspektiven auf die Opernkomponisten dieses Sommers eröffnen die Konzerte. Die Wiener Symphoniker spielen etwa Puccinis frühe Messe für vier Stimmen “Messa di Gloria” (2. August) und Offenbachs virtuoses Cellokonzert “Concerto militaire” (27. Juli). Das Symphonieorchester Vorarlberg bringt am 9. August u.a. Eötvös theatralisches Orchesterwerk “Chinese Opera” zur Aufführung. (APA)

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