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Corona-Familienzeit: Struktur und Konflikte offen ansprechen, lautet das Credo

Michael Thaler gibt Ratschläge zur Familiengestaltung
Michael Thaler gibt Ratschläge zur Familiengestaltung ©VOL.AT/ Andergassenj
Das Coronavirus stellt momentan nicht nur unsere Arbeitswelt auf den Kopf, sondern auch das Familienleben. Fast 24 Stunden in den gleichen vier Wänden zu verbringen, birgt Konfliktpotential.

Eltern fungieren plötzlich als Lehrpersonen und Kinder sollten selbständig ihre Hausaufgaben erledigen. Da läuft nicht immer alles wie geplant. Michael Thaler, Psychologe und Leiter der Ifs Familienberatung hält Tipps im Umgang miteinander bereit.

Aller Anfang ist schwer

„Auch Eltern, die den häuslichen Unterricht schon lange praktizieren, hatten anfangs große Schwierigkeiten von ihren Kindern als Lehrpersonen akzeptiert zu werden“, räumt Thaler ein. Sich mit den Kindern abzustimmen, die Unterrichtszeit inklusive der Pausen klar zu definieren, ist essentieller Bestandteil“, führt er weiter aus. Gleichzeitig rät er, neben den schulischen E-learning- Plattformen, auch andere Unterrichtsmaterialien heranzuziehen, um die Kinder für die Fächer zu begeistern. Eltern könnten sich in Form von Videokonferenzen gegenseitig entlasten. „Ein Vater, der in Biologie sehr bewandert ist, könnte einer gemeinsamen Gruppe von Schülern online Nachhilfe geben.“

Eltern brauchen auch Zeit für sich

Gerade jetzt ist es sinnvoll Räume neu zu überdenken und kreativ zu werden. Sich kleine Nischen oder einen Raum im Raum zu schaffen, der von allen klar als Rückzugsort verstanden und akzeptiert wird. „Eine Familie richtete sich beispielsweise unterhalb des Hochbetts ihres Kindes eine Nische mit Couch und Vorhang ein“, erinnert sich der Psychologe an eine kreative Lösung trotz begrenztem Raum. „Gerade in Zeiten, in welchem wir so eng aufeinandersitzen, brauchen wir Orte, um uns aus kritischen Situationen zurückziehen zu können“, betont er den Sinn dieser Ruhepole. Denn Konflikte sind nicht weit und kommen in allen Familien vor. Er rät, nicht zu lange zu warten, sondern die Dinge beim Namen zu nennen und gleich anzusprechen, um mögliche Interpretationsfehler im Keim zu ersticken.

Belohnung in Maßen, Kontrolle ist wichtig

Anstatt Kinder nur zu belohnen, wäre es wichtiger sich mit ihnen kurzzuschließen und die passenden Rahmenbedingungen für ihren Arbeitsplatz zu schaffen. „Wenn die Möglichkeit besteht, kann das Kind die Hausaufgaben auf dem Balkon oder sogar im Garten machen“, schlägt Thaler vor. Die schon in Vergessenheit geratenen alten Spieleklassiker, das altbekannte „Stadt-Land-Fluss“-Spiel oder einen gemeinsamen Kinoabend zu gestalten, wo die Fenster abgedunkelt werden, soll sich jede Familie gemeinsam gönnen. „Dass Kinder in diesen Zeiten etwas mehr vorm Tablet oder Smartphone sitzen, ist nicht unbedingt bedenklich, sondern verständlich“, beruhigt Thaler. Trotzdem gilt es Grenzen zu setzen, auf den Inhalt zu achten und als Elternteil zu überlegen, welche Art von Medien für die Kinder angebracht sind“, so der Psychologe.

Bei der Wahrheit bleiben und Sicherheit geben

Ängste von Kindern sind in jeglicher Form ernst zu nehmen. Dass sich auch Kinder vor Corona fürchten, ist nichts Außergewöhnliches. Laut dem Familienexperten soll darüber auf eine normale Art und Weise gesprochen werden, ohne zu verharmlosen oder zu dramatisieren. Das Wichtigste für Kinder ist Geborgenheit und Sicherheit. Diese wird ihnen am besten vermittelt, wenn man ihnen aufzeigt, wie man sich schützen kann und das man im Falle der Fälle füreinander da ist, wie das bei jeder anderen Krankheit auch wäre“, so Thaler.

(VOL.AT)

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