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Cinderella-Wahl um Mitternacht

"Die halbe Stunde bis Mitternacht passierte quasi gar nichts und wir fragten uns warum", erinnert sich Annette Nussbaumer an ihre Wahlnacht 1979.

Mit 15 Jahren war sie damals eigentlich zu jung für die Teilnahme, feierte aber just an diesem Abend, Schlag Mitternacht, ihren 16. Geburtstag. So konnte die Jury ihrer Wunschkandidatin mit gutem Gewissen das Krönchen aufsetzen. So spannend wie die letzten Minuten bis zur Krönung verliefen auch die Wochen vor dem großen Tag. Annettes Eltern waren wenig begeistert über die Misswahl-Pläne ihrer jungen Tochter. Weil es bei den Schneiders kein Telefon gab, musste Annette zu einer Telefonzelle strampeln, um sich anzumelden. „Lass sie gehen”, sagte die Mutter zu ihrem Mann, „sie kommt eh wieder.” Damit hatte sie recht – Annette kam wieder, aber als angemeldete Kandidatin. Kaum dabei, steckte sich die Miss in spe bei ihrem Bruder mit Windpocken an, absolvierte aber tapfer das gesamte Laufstegtraining mit weißer Heilsalbe im Gesicht. „Ich musste versprechen, dass zur Wahlnacht alles weg sein würde”, sagt sie. „Deshalb hat mir mein Vater jeden Tag mit Schnaps den Rücken eingerieben.”

Bescheidene Wünsche

Die Höchsterin, die sich von ihren Schulfreundinnen zur Teilnahme überreden ließ, war vom plötzlichen Wirbel um ihre Person komplett überrumpelt. „Ich habe am nächsten Tag extra eine Kappe angezogen, damit mich im Bus niemand erkennt”, gesteht sie und lacht. „Eigentlich wollte ich nur Fünfte werden, damit ich aufs Siegerfoto komme.” Unerfahren wie sie war, kamen auch unschöne Erlebnisse auf die Schülerin zu. „Nur noch heim” wollte das junge Mädchen, als sie der damalige Miss-Austria-„Macher” Erich Reindl vor großem Publikum in Kitzbühel als „Baby” bezeichnete, „das ja noch gar keinen Sekt trinken dürfe”. Drei Jahre später mit Model-Erfahrung bei der Team-Agentur und einer dickeren Haut wagte sich die Miss Vorarlberg 1979 nach Japan zur „Miss International”. Dort bezauberte sie die Jury mit Natürlichkeit und ihrem Lachen, das längst zum Markenzeichen geworden ist. Annette wurde Dritte, wohnte in den besten Hotels und wurde sechs Wochen mit Limousine und Chauffeur herumkutschiert. Interessiert hat sie aber nur einer: Ihr Liebster im Ländle, dem sie nur via Zeitschrift am Kiosk zulächeln konnte. Annette und ihr Andrew schrieben sich unzählige Telegramme – eines war ein Heiratsantrag. In knapp zwei Wochen wird Silberhochzeit gefeiert.

 

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