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CIA: Geheimdienste deckten Eichmann

Die CIA hat offenbar den Aufenthaltsort des NS-Kriegsverbrechers Adolf Eichmann verschleiert, um hochrangige westdeutsche Persönlichkeiten vor Enthüllungen über ihre Nazivergangenheit zu schützen.

Aus am Dienstag veröffentlichten Akten des US-Geheimdiensts geht hervor, dass die CIA bereits 1958 vom westdeutschen Geheimdienst über Eichmanns Versteck in Argentinien informiert wurde.

Westdeutschland hätte Eichmann, einen der Hauptorganisatoren der Judenvernichtung, offenbar bereits damals fassen können, sagte der Historiker Timothy Naftali von der Universität von Virginia. „Das neu veröffentlichte CIA-Material deutet darauf hin, dass es auf höchster Ebene der Regierung von Konrad Adenauer Sorgen vor Aussagen über enge Mitarbeiter des Kanzlers gab, falls Eichmann festgenommen würde.“

Die CIA habe Westdeutschland geholfen, einen Teil von Eichmanns Tagebuch zurückzuhalten, das Adenauers Sicherheitsberater Hans Globke belastete. Globke war wegen seiner Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus umstritten.

Der israelische Geheimdienst fasste Eichmann 1960 in Argentinien und brachte ihn nach Israel. Er wurde in Jerusalem wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk verurteilt und später hingerichtet.

Deutsche und amerikanische Geheimdienste wussten schon 1958, dass der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien lebte. Doch wurde dem Hinweis nicht nachgegangen, aus Sorge, Eichmann könnte über Hans Globke auspacken – der Verfasser eines Kommentars zu den Nürnberger Rassengesetzen im Dritten Reich war damals Staatssekretär unter Bundeskanzler Konrad Adenauer und half den USA bei ihren antikommunistischen Aktivitäten in Westdeutschland. Das geht aus US-Dokumenten vor, die der US-Geheimdienst CIA jetzt freigeben musste. In einem Vermerk deutscher Geheimdienstler vom 19. März 1958 an die CIA hieß es, Berichten zufolge halte sich Eichmann seit 1952 unter dem Aliasnamen „Clemens“ in Argentinien auf. Der ehemalige SS-Obersturmbannführer, der für die Umsetzung der so genannten Endlösung zur Ermordung der Juden verantwortlich war, wurde 1960 vom israelischen Geheimdienst Mossad nach Israel entführt, dort zum Tode verurteilt und 1962 hingerichtet.

Nach seiner Enttarnung übte die CIA Druck auf Journalisten aus, um Hinweise auf Globke zu unterdrücken. „Gesamtes Material wurde gelesen. Eine unklare Erwähnung von Globke, die ’Life’ auf unsere Forderung hin weglässt“, schrieb der damalige CIA-Direktor Allen Dulles am 20. September 1960 in einem internen Memorandum, nachdem das Magazin „Life“ die Erinnerungen des Nazis erworben hatte.

Die 27.000 Seiten, die vom Nationalarchiv nun freigegeben wurden, werfen Licht in die Schattenwelt des Kalten Krieges, in der die US-Geheimdienste frühere Nazis als Agenten anheuerten. Kriegsverbrecher seien damals mit Klatsch und Gerüchten hausieren gegangen, um der Strafe für ihre Taten zu entgehen oder für Söldnerlohn oder aus politischen Gründen, die sich nicht immer mit den amerikanischen Interessen gedeckt hätten, sagte Robert Wolfe, Fachmann für deutsche Geschichte, bei einem Briefing zur Freigabe der Dokumente.

Diese enthalten Informationen über den Fall des früheren SS-Obersturmführers Heinz Felfe, der als Mitarbeiter der Organisation Gehlen und später des BND Doppelagent der Sowjetunion war. Die CIA hat demnach auch Mitte der 70er Jahre die amerikanischen Einwanderungsbehörden über die Rolle ihres Agenten Tscherim Soobzokov und seine Verwicklung in Kriegsverbrechen der Nazis irregeführt.

Die Veröffentlichung der Dokumente geht auf ein Gesetz aus dem Jahr 1999 zurück, dem sich die CIA widersetzt hatte. Es regelt die Freigabe von Unterlagen der US-Regierung, die im Zusammenhang mit deutschen und japanischen Kriegsverbrechen stehen. Die Dokumente zu Japan sollen in diesem Sommer einsehbar sein.

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