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Chip tschip

Nicht ganz wortlos aber zu 95 Prozent ohne deutsche Worte auszukommen haben wir gelernt, wenn wir mit Deutschsprachlosen kommunizieren. Wer ist wir? Wir sind die wenigen Vorarlbergeri, die in Vorarlberg mit einigen der 3433 Flüchtlinge persönlichen Kontakt haben (das sind 0,9 Prozent der 390.294 Vorarbergeri). Die meisten Vorarbergeri haben keinen direkten Kontakt mit Flüchtlingen, zumindest keinen, der Verständigung erfordert, reden aber viel darüber. Das ist ähnlich wie im Fußball, wo alle Zuschauer Schiedsrichter sind. Wir gehören zu den anderen, weil wir mitspielen.

Wir haben in den letzten zwei Jahren gut gelernt, uns nonverbal zu verständigen. Unsere neue Sprache besteht aus Händen, Gestik, Mimik, Blick, Abwendung, Zuwendung, Herschauen, Herhören, Bilder, Skizzen, wir haben inzwischen einigermaßen zeichnen gelernt. Wir reden aber trotzdem auch deutsch, bemühen uns um hochdeutsch, langsam, dazu wird gezeigt, gedeutet, gefuchtelt. Viele Flüchtlinge haben nach 2 Jahren noch keinen Deutschunterricht, andere haben deutsch ohne Unterricht gelernt und sprechen schon ganz gut und verstehen. Andere sind Sprachmuffel und können nach 2 Jahren gar nichts. Rein gar nichts. Flüchtlingsarbeit „is a great Babysitting“. Wir haben gelernt, knapp zu sein, möglichst wenig zu reden, weil es mühsam ist. Alles geht langsamer, aber es funktioniert. Bilder, Töne, Musik, Bewegungen sind willkommene Abwechslung. Das verstehen alle. Party auch. Aber mit Pfeifen kannst Du kein Formular ausfüllen.

„Du wissen wohin müssen?“ Wir reden inzwischen flüchtlingisch. Geht auch. Bisschen frustig manchmal. Aber was soll man machen? Alle raushaun? Das geht nur am Stammtisch. Das wär auch eine schwere Sünd, gel. Wir haben aus Not gelernt miteinander neue Wege zu finden. Süße kleine Bildungsweglein. Handy hilft, Facebook auch, das Navi hilft, Telefon und Whatsapp ebenso. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis es den Sprachchip gibt. Der wird dann allen eingeimpft, dann verstehen wir alles: Afghanisch, arabisch, Farsi, Paschtu. Ich hätt auch gern den Chinesischchip im Schädel, auch Ful (Niger-Kongo) interessiert mich und Tschetschenisch und Samojedisch (Sibirien). Über kurz oder lang wird es auch Mundartchips geben. Dann kann sich ein Kuko Lustenauerisch impfen lassen oder ein anderes Gschidele Walserisch verstehen. Zuallererst muss aber ein Bregenzerischchip her. Gibt’s überhaupt noch Bregenzeri? Flädles „it vergeassa“ ischt vergeassa. Am schnellsten aber wird Erdogans Religionsministerium sein und allen Parteigetreuen den AKP-Chip verklickern, mit Tagesbefehl der Partei „für Gerechtigkeit und Aufschwung“ (Adalet ve Kalkınma Partisi). Erst dann, ja dann tun sich Welten auf. Mein lieber Schwan!

 

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