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Chinesischer Staats- und Parteichef Hu in Japan

©AP
Beim ersten Besuch eines chinesischen Präsidenten in Japan seit zehn Jahren will Staats- und Parteichef Hu Jintao die Beziehungen mit Tokio vertiefen. "Die Entwicklung einer langfristig stabilen und guten nachbarschaftlichen Freundschaft zwischen China und Japan ist im fundamentalen Interesse beider Länder", sagte Hu am Dienstag bei seiner Ankunft.

Mit dem innenpolitisch im Umfragetief steckenden japanischen Regierungschef Yasuo Fukuda will Hu am morgigen Mittwoch das “Vertrauen fördern” und die Kooperation vorwärts bringen. Er hoffe, dass beide Seiten während seines fünftägigen Besuchs “die Zukunft planen” und den Weg öffnen für eine “neue Stufe” in der “strategischen, gegenseitig dienlichen Beziehung” der Länder.

Das bilaterale Verhältnis zwischen China und Japan war jahrelang unter dem früheren japanischen Premier Junichiro Koizumi wegen dessen Umgang mit der Kriegsvergangenheit Japan als Besatzungsmacht in Asien schwer belastet. Seither aber haben sich die Beziehungen wieder deutlich erholt. Ein Debakel wie beim Japan-Besuch von Hus Vorgänger Jiang Zemin vor zehn Jahren, als dieser vergeblich von Tokio eine schriftliche Entschuldigung für die zur Zeit der japanischen Invasion in China ab 1931 begangenen Untaten gefordert hatte, wollen Hu und der China-freundliche Premier Fukuda vermeiden.

Das Thema Kriegsvergangenheit soll daher bei dem Besuch Hus in den Hintergrund treten. Auch im Territorialdisput um reiche Öl- und Gasvorkommen im Ostchinesischen Meer wird kein Durchbruch erwartet. Streitthema sind zudem kürzliche Fälle von mit Pestiziden verseuchten Teigtaschen aus China, an denen zehn Menschen in Japan erkrankten. Unterdessen demonstrierten zum Auftakt von Hus Besuch Anhänger einer pro-tibetischen Organisation in Tokio für ein Ende der “chinesischen Unterdrückung der Tibeter” und eine friedliche Lösung des Konflikts.

Japan-Besuch des chinesischen Staatschefs von Protesten begleitet

Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Japan hat gleich zu Beginn zahlreiche Proteste hervorgerufen. Tausende Menschen, vor allem Tibeter und Anhänger der muslimischen Minderheit der Uiguren, gingen am Dienstag, dem ersten von fünf Besuchstagen, in Tokio auf die Straße. Es ist der erste Besuch eines chinesischen Staatsoberhaupts in Japan seit zehn Jahren und der zweite überhaupt seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 1972. Hu äußerte die Hoffnung, sein Besuch werde “ein neues Kapitel für eine Beziehung öffnen, von der sowohl China als auch Japan profitieren”.

Allein im Zentrum von Tokio marschierten rund 4.200 Tibeter und Uiguren durch die Straßen, sie trugen Spruchbänder wie “Tötet unsere Freunde nicht” und forderten Hu auf, “den olympischen Geist zu respektieren”. Die Führung in Peking, wo in Kürze die Olympischen Sommerspiele stattfinden, steht angesichts seiner Haltung zur Tibet-Frage weltweit in der Kritik. Polizeiangaben zufolge verliehen jedoch auch rund 300 Anhänger der radikalen Rechten, die China für eine Bedrohung Japans halten, im Geschäftsviertel von Tokio ihrem Protest Ausdruck. Am Abend versuchten zudem mehrere Hundert militante Nationalisten, ein Restaurant im Hibiya-Park zu stürmen, in dem ein offizieller Empfang Hus durch den japanischen Regierungschef Yasuo Fukuda stattfand. Die Polizei drängte die Demonstranten zurück.

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