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Cheney überraschend in Afghanistan

©AP
US-Vizepräsident Dick Cheney ist am Donnerstag zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Hamid Karzai bekräftigte Cheney in Kabul die Bereitschaft der USA, Afghanistan langfristig zu unterstützen.

Gleichzeitig forderte er die NATO-Partner auf, ihr Engagement in Afghanistan auszubauen. In der NATO gibt es Unstimmigkeiten über die Lastenteilung bei dem Einsatz. Karzai, dessen Regierung von Zehntausenden von US- und NATO-Soldaten geschützt wird und nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes CIA lediglich 30 Prozent des Staatsgebietes kontrolliert, sagte, die afghanischen Sicherheitskräfte müssten mit internationaler Hilfe weiter gestärkt werden.

Cheney, der aus dem Sultanat Oman kam, hält sich zum vierten Mal in Afghanistan auf. Aus Sicherheitsgründen war die Visite nicht angekündigt worden. Zuletzt hatte der Vizepräsident Afghanistan im Februar 2007 besucht. Damals hatte sich ein Selbstmordattentäter vor dem US-Stützpunkt in die Luft gesprengt, den Cheney besuchte. Mindestens 20 Menschen starben bei dem Anschlag. US-Präsident George W. Bush habe den Vizepräsidenten um eine Begegnung mit Karzai vor dem NATO-Gipfel kommenden Monat in Rumänien gebeten, sagte Cheneys Sprecherin Lee Anne McBride.

Der Afghanistan-Einsatz wird beim NATO-Gipfel in Bukarest eines der wichtigsten Themen sein. Einige europäische NATO-Mitglieder, insbesondere Deutschland, zögern, ihre Soldaten in die besonders umkämpften südlichen und östlichen Teile des Landes zu schicken. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte vor einem Senatsausschuss in Washington erklärt, er fürchte eine zweigeteilte NATO, in der es Partner gebe, die bereit seien, für die Sicherheit anderer zu sterben, und solche, die dies nicht seien. Wenn dieser Zustand anhalte oder gar schlimmer werde, würde dies “einen Schatten auf die Zukunft der Allianz” werfen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hatte zuletzt vor einer sich verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan gewarnt. Es gebe immer mehr Hinweise, dass sich die Aufständischen vom umkämpften Süden auch in die nördlichen Provinzen bewegten.

Afghanistan droht laut dem neuesten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien (IISS) in London der Zerfall, sollten die NATO-Truppen es nicht schaffen, die islamistischen Taliban niederzuringen. Seit Anfang 2007 sind in Afghanistan bei Kämpfen und Anschlägen mehr als 6500 Zivilisten und Militärangehörige ums Leben gekommen. Die Taliban, deren fundamentalistisches Regime 2001 durch eine US-geführte Militärinvasion gestürzt worden war, haben zum “Heiligen Krieg” gegen die Fremden im Land und gegen die Kabuler Regierung aufgerufen. Der Oberkommandierende der NATO-geführten ISAF-Truppen, General Egon Ramms, hatte zuletzt mehr Truppen für den Einsatz in Afghanistan gefordert. Der frühere deutsche Stabschef der ISAF, General Bruno Kasdorf, hatte erklärt, mittlerweile bestehe “ganz konkret” die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung zu den Taliban überlaufe.

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