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CH: Auf dem Weg nach Rom

Die Schweizer Stadt Luzern befand sich an diesem Wochenende fest in der Hand der Militärs. Doch statt Feldgrün bestimmte ein farbenprächtiges Gewirr von Uniformen das Bild. Seit 1505 zum Schutze des Papstes im Vatikan.

Von hier aus – in der Zentralschweiz – zogen im September 1505 rund 150 Freiwillige zu Fuß nach Rom, um dem Papst ihre Schutzdienste anzubieten. Die Garde gibt es immer noch, und noch immer trägt sie die traditionellen Uniformen von damals. An diesem Wochenende kamen 100 ehemalige Gardisten aus der ganzen Schweiz nach Luzern, und sie werden im Jänner zu den Hauptfeierlichkeiten 500 Jahre Schweizergarde wieder nach Rom marschieren.

An Kandidaten für die Schweizergarde mangelt es übrigens nicht. „Aber man muss schon gläubig sein“, sagte ein Ehemaliger in Luzern. Gläubig heißt in diesem Fall katholisch. Der Schweizer Justizminister Christoph Blocher, Sohn eines reformierten Pfarrers und selbst Protestant, zählte auf, was einen Gardisten ausmacht: „Das Bekenntnis zu christlichen Grundwerten und der Wille, für eine höhere Sache einzustehen.“ Blocher nannte das „Sacco di Roma“ von 1527 als Beispiel für Treue: Damals fielen 147 Gardisten im Kampf gegen einfallende Landsknechte. Viele der Gardisten stammten aus dem in dieser Zeit gerade reformierten Zürich.

Unter dem Getöse von Böllerschüssen und viel Musik zogen die Ex-Gardisten am Samstag in einem Sternmarsch zum Festplatz. Am Sonntag bildete eine Pontifikalmesse in Luzern den Höhepunkt der Feierlichkeiten.

Die Schweizergarde des Papstes ist die letzte Schweizer Truppe in fremden Diensten. Sie ist mit 110 Mann die kleinste Armee der Welt, proportional zur Bevölkerung des Vatikans aber die größte. Gegründet wurde sie 1506 durch einen Vertrag zwischen Papst Julius II. und den Kantonen Zürich und Luzern – in Zusammenhang mit den italienischen Kriegen (1494-1559). Julius II. wollte zu seinem persönlichen Schutz eine eigene Truppe. Deshalb fragte er bei den Eidgenossen an, ob sie ihm 200 Mann stellen könnten.

Die Schweizer ließen 150 Freiwillige ausrüsten. Im September 1505 traten sie ihren Marsch nach Rom an. Dort trafen sie am 22. Jänner 1506 ein und erhielten den päpstlichen Segen. Dieser Tag geht als offizielles Gründungsdatum der Schweizergarde in die Geschichte ein. Während seiner Dienstzeit ist jeder Gardist Bürger des Vatikanstaates. Damit wird das Neutralitätsproblem der Schweiz umgangen.

Die Gardisten werden mittlerweile in der Schweiz sorgfältig ausgewählt. „Heißsporne, Militär- oder Religionsfanatiker haben bei uns keine Chance“, sagt Rekrutierungschef Karl-Heinz Früh. Diese Vorauswahl war nach den tragischen Geschehnissen um den Gardisten Cédric Tornay und dessen Kommandanten Alois Estermann 1998 eingeführt worden. Tornay hatte Estermann, dessen Frau und dann sich selbst erschossen. Die Umstände sind nach wie vor nicht völlig aufgeklärt. Die Bluttat im Vatikan war nach offizieller Darstellung das Werk eines psychisch außer Kontrolle geratenen Mannes. Die Ermittlungen wurden nach neun Monaten offiziell abgeschlossen. Bis heute bestreitet die Mutter Tornays die Täterschaft ihres Sohnes.

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