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Bush und Abdullah II. für Ende der Gewalt

US-Präsident George W. Bush hat Regierungen auf der ganzen Welt aufgerufen, die wegen der Mohammed-Karikaturen entbrannte Gewalt zu stoppen.

„Wir lehnen Gewalt ab als Mittel, Unmut über etwas zum Ausdruck zu bringen, das in der freien Presse gedruckt wurde“, sagte er am Mittwoch nach einem Treffen mit Jordaniens König Abdullah II. in Washington. In der iranischen Hauptstadt Teheran bewarfen wütende Demonstranten am Mittwoch die britische Botschaft mit Steinen. Das Pariser Satireblatt „Charlie Hebdo“ reicherte die zuerst in Dänemark erschienen Karikaturen des Propheten mit eigenen Beiträgen an und landete so einen Verkaufshit.

Die USA glaubten an eine freie Presse, erklärte Bush. Der US-Präsident betonte aber, dass die Medien die Verantwortung hätten, ihre Publikationen „sorgfältig“ zu überdenken: „Mit der Freiheit kommt aber die Verantwortung, anderen gegenüber fürsorglich zu sein.“

Auch Abdullah rief zu einem Ende der Gewalt auf. Proteste, die zu Todesopfern und Zerstörung führten, seien nicht akzeptabel, sagte der Monarch im Weißen Haus. Zugleich müsse aber unabhängig von der Pressefreiheit alles verurteilt werden, das den Propheten Mohammed verunglimpfe oder die Gefühle der Moslems verletze.

Gegen die in zahlreichen europäischen Zeitungen veröffentlichten Zeichnungen wird in moslemischen Ländern seit Tagen gewaltsam protestiert. Dabei kamen allein in Afghanistan bisher mindestens zehn Menschen ums Leben, am Mittwoch waren es vier. Für viele Moslems ist jede Darstellung ihres Religionsstifters gotteslästerlich. Auf den Zeichnungen ist der islamische Prophet unter anderem mit einer Bombe als Turban zu sehen.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, bekräftigte den Vorwurf vieler Moslems, die westliche Welt nehme die Pressefreiheit vor allem dann in Anspruch, wenn es um eine Verhöhnung des Islams gehe. „Was ist mit der Pressefreiheit, wenn es um Antisemitismus geht? Dann handelt es sich nicht um Pressefreiheit, sondern um ein Verbrechen.“

Der Grund für den Angriff auf die britische Botschaft in Teheran dürften wohl nicht oder nicht nur die Karikaturen, sondern die Einschaltung des UNO-Sicherheitsrats im Atomstreit mit dem Iran gewesen sein. Britische Medien haben die Darstellungen bisher nicht nachgedruckt. Die Randalierer zerstörten mehrere Fensterscheiben der Botschaft. Sie riefen „Tod für Großbritannien“ und „Wir sind bereit, unser Leben für Prophet Mohammed zu opfern“. Auch vor der dänischen Botschaft in Teheran – in den vergangenen Tagen bereits zwei Mal das Ziel von Angriffen – protestierten am Mittwoch rund 100 Menschen gegen die Karikaturen, die zuerst in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ erschienen waren.

Unterdessen sagte die dänische Zuwanderungs- und Integrationsministerin Rikke Hvilshoj im Rundfunk, ihre Regierung werde ab sofort nicht mehr mit Imamen der Islamischen Glaubensgemeinschaft zusammenarbeiten. Diese hätten bei Reisen in arabische Länder entscheidend zum Ausbruch der derzeitigen Konflikte beigetragen.

Das Pariser Satireblatt „Charlie Hebdo“ druckte am Mittwoch die dänischen Karikaturen trotz scharfer Kritik von Präsident Jacques Chirac nach und reicherte sie mit zahlreichen eigenen Beiträgen an. Die Ausgabe war nach wenigen Stunden ausverkauft. 400.000 Exemplare der Wochenzeitschrift gingen über den Ladentisch – vier Mal so viele wie gewöhnlich. Sowohl „Charlie Hebdo“ als auch „Jyllands-Posten“ erwägen den Abdruck der Karikaturen zum Holocaust, für die die iranische Tageszeitung „Hamshahri“ (Hamshari) einen Wettbewerb ausgerufen hat.

Die USA und andere Länder prüfen, ob die oft gewaltsamen Proteste in den verschiedenen Ländern zentral gesteuert werden. Man gehe der Frage nach, ob es zwischen den vielen Demonstrationen von Nahost über Afghanistan und Bangladesch bis Indonesien eine Verbindung und eine Infrastruktur gebe, sagte ein US-Militärsprecher, Oberst James Yonts, in Afghanistan. Beweise für eine Beteiligung von Organisationen wie den Taliban oder dem Terrornetzwerk Al-Kaida gebe es derzeit nicht.

Taliban bieten Belohnung für Mord an Zeichner

Ein ranghoher Befehlshaber der radikal-islamischen afghanischen Taliban-Rebellen hat am Mittwoch eine Belohnung von hundert Kilogramm Gold für denjenigen geboten, der den für die „gotteslästerlichen“ Karikaturen des Propheten Mohammed verantwortlichen Zeichner töte. Fünf Kilogramm Gold solle jeder erhalten, der einen dänischen, norwegischen oder deutschen Soldaten in Afghanistan töte, sagte der Taliban-Vertreter nach Angaben der privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Einer der zwölf Karikaturisten, die für die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ die umstrittenen Bilder Mohammeds angefertigt haben, hat sich gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe) bestürzt über die Folgen der Veröffentlichung geäußert. Er und seine elf Kollegen wurden schon zuvor mit dem Tod bedroht; sie stehen alle unter Polizeischutz.

Die Eskalation des Konfliktes sei auch durch „Lügen der Imame“ geschürt worden, die auf einer Reise durch den Nahen Osten Mohammed-Abbildungen gezeigt hätten, die keiner der dänischen Zeichner angefertigt habe, sagte der Karikaturist.

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