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Bush ordnet Herausgabe seiner Militärakten an

Unter wachsendem politischen Druck hat US-Präsident George W. Bush die Herausgabe seiner Militärakten angeordnet. Mehrere hundert Seiten Dokumente wurden am Freitag veröffentlicht.

„Der Präsident meint, alles sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden”, teilte das Weiße Haus mit. Es werde von einigen Menschen versucht, den falschen Eindruck zu erwecken, dass es etwas zu verbergen gebe, hieß es weiter. Bush wird vorgeworfen, sich längere Zeit unerlaubt von der Truppe entfernt zu haben.

Die neuen Akten brachten jedoch zunächst keine neuen Erkenntnisse über den umstrittenen Zeitraum zwischen Mai 1972 und Mai 1973, als Bush zeitweise als Leutnant bei einer Einheit im US-Staat Alabama stationiert war. Speziell über Bushs Zeit in Alabama waren keine neuen Dokumente unter den Papieren. Bush leitete damals gleichzeitig die Wahlkampfkampagne von Winton Blount, einem Freund der Familie, der sich – letztlich erfolglos – um einen Sitz im Senat bewarb.

Die Demokraten werfen Bush vor, in dieser Zeit seinen Militärdienst vernachlässigt und sich regelwidrig von seinen Pflichten entfernt zu haben. Sie wollen sich erst zufrieden geben, wenn feststeht, dass Bush während seiner gesamten Zeit in Alabama uneingeschränkt bei der Nationalgarde im Einsatz war.

In Bushs Krankenakte mit den Flugtauglichkeitsuntersuchungen, die Journalisten ebenfalls einsehen konnten, fanden sich keine Hinweise auf eine mögliche Krankheit – abgesehen von einer kurzen Zeit, in der der spätere US-Präsident Symptome von Hämorrhoiden zeigte. Der Vorwurf, Bush habe eine Krankheit vorgetäuscht, um sich der Wahlkampfkampange zu widmen, seien deswegen unhaltbar, erklärte der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Dan Bartlett.

In der Krankenakte ist auch die Rede davon, dass Bush wegen einer „zivilen Tätigkeit” am 15. Mai 1972 von Texas nach Alabama gegangen sei, weswegen eine für den gleichen Monat geplante Flugtauglichkeitsuntersuchung nicht mehr durchgeführt worden sei.

Bushs Militärdienst war schon im Wahlkampf vor vier Jahren ein Thema, doch diesmal ist der Druck auf ihn weitaus größter, weil sein designierter Gegenkandidat John Kerry ein mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichneter Veteran des Vietnamkriegs ist.

Bereits am Dienstag hatte das Weiße Haus Gehaltslisten und Angaben zu Rentenbescheiden als Beweismittel vorgelegt. Den Dokumenten zufolge war Bush vom 27. Mai 1968 bis zum 30. Juli 1973 Mitglied der Luftwaffe der Nationalgarde in Texas. Er war dieser Einheit zwar noch sechs Monate länger verpflichtet, doch durfte er sich schon früher seinem Studium an der Harvard Business School widmen. Auf jeden Fall wurde er in Ehren aus dem Militärdienst entlassen.

Bushs Vater war damals Kongressabgeordneter, zu einem Zeitpunkt, als der Dienst bei der Nationalgarde für Privilegierte als Möglichkeit galt, eine Einberufung zum Kriegsdienst in Vietnam zu vermeiden. Die Fragen zu seinem Dienst haben dadurch an Brisanz gewonnen, dass Bush sich selbst in seinem Bemühen um eine Wiederwahl im November als „Kriegspräsident” präsentiert.

Einer am Freitag veröffentlichten Umfrage von ABC News und der „Washington Post” zufolge, ist Bushs Popularität wegen der Fragen zum Irak-Krieg, anhaltender wirtschaftlicher Frustration der Wähler und Kerrys Erfolgen an einem Tiefpunkt angekommen. Die Zustimmung zu seiner Amtsführung ist auf 50 Prozent gefallen. Nur noch 52 Prozent der Befragten halten ihn für ehrlich und vertrauenswürdig, sieben Prozent weniger als Ende Oktober.

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