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Burundi: Über 180 Tote bei Überfall

Hutu-Rebellen haben bei einem Überfall auf ein Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Burundi ein Blutbad angerichtet. Nach UNO-Angaben wurden bei dem Angriff am Freitagabend mindestens 180 Menschen getötet, offenbar zumeist Frauen und Kinder.

Die Angreifer hätten das Lager nahe der kongolesischen Grenze in Brand gesteckt, ihre Opfer erschossen oder auf sie eingehackt, teilte ein Behördensprecher mit. Zu dem Überfall bekannte sich am Samstag eine Rebellengruppe.

Die Nationalen Befreiungskräfte (NLF) hätten Soldaten verfolgt, die sich nach einem Angriff der Rebellen auf einen nahe gelegenen Militärstützpunkt in dem Flüchtlingslager versteckt hätten, sagte NLF-Sprecher Pasteur Habimana. Bei ihrer Ankunft seien die Rebellen zudem von bewaffneten Bewohnern des Lagers angegriffen worden. Es handele sich auch nicht um ein Flüchtlingslager, sondern um ein „Hauptquartier von Banyamulenge-Milizionären“, sagte Habimana. In dem Lager in Gatumba lebten Banyamulenge-Tutsi, die aus dem Nachbarstaat Kongo geflohen waren.

Der burundesische Präsident Domitien Ndayizeye widersprach nach einem Besuch vor Ort der Darstellung der Rebellen. „Ich habe keine einzige Leiche von Soldaten gesehen, sondern nur die von kleinen Kindern, Frauen und alten Menschen“, erklärte er. Eine Sprecherin der UNO-Mission im Kongo sagte, die Menschen seien im Schlaf überrascht worden.

Ein Sprecher des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bestätigte indessen, dass die Angreifer vor dem Überfall auf das Lager in Gatumba auch einen Militärstützpunkt angegriffen hätten. Sie seien mit Granaten, Macheten und Maschinengewehren bewaffnet gewesen. „Während des Überfalls trommelten sie“, sagte der UNHCR-Sprecher.

159 Menschen starben nach Angaben der UNO an Ort und Stelle, 30 weitere erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Rund 70 Verletzte würden noch im Krankenhaus behandelt, sagte UNO-Sprecherin Abric am Samstag. Die in Gatumba verbliebenen Flüchtlinge wurden später in eine nahe gelegene Schule gebracht, wo sie nach offiziellen Angaben von Soldaten geschützt werden.

Präsident Ndayizeye bezeichnete das Massaker als Schande für sein Land. „Die Angreifer haben unschuldige Flüchtlinge getötet, die in Burundi Zuflucht suchten“, sagte er. Er bat die kongolesische Regierung um Hilfe bei den Ermittlungen zu dem Vorfall. Der kongolesische Präsident Laurent Kabila verurteilte die Tat und forderte eine internationale Untersuchung. Sein Vizepräsident Azarias Ruberwa hatte das Lager noch am Donnerstag besucht, um die Flüchtlinge zur Heimkehr zu bewegen. Ruberwa bezeichnete den Überfall als Völkermord.

Nach Angaben der UNO-Mission in der Demokratischen Republik Kongo wird untersucht, ob der Angriff von Kämpfern eines kongolesischen Stammes unterstützt wurde. Auch eine Beteiligung ruandesischer Rebellen, die im Ostkongo operierten, werde geprüft, sagte Sprecherin Elisabeth Nabaa. Das überfallene Lager in Gatumba lag nur 20 Kilometer von der kongolesischen Grenzstadt Uvira entfernt.

UNO-Vertreter aus dem Kongo und Burundi hätten das Lager besucht, sagte Nabaa. „Es ist ein furchtbarer Anblick. Viele Menschen sind verbrannt, Familien, Kinder, Frauen und Männer“, berichtete die UNO-Sprecherin in einem Telefongespräch aus der kongolesischen Stadt Bukavu. Der Überfall sei offenbar sorgfältig vorbereitet worden, die Angreifer seien schwer bewaffnet gewesen.

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