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Burma: Rangun von Explosionen erschüttert

Drei Bombenanschläge haben am Samstag in Rangun (Yangon), der Hauptstadt von Burma (Myanmar), zahlreiche Opfer gefordert. Innerhalb einer halben Stunde explodierten an drei verschiedenen Orten der Stadt Sprengsätze.

Nach Angaben von Augenzeugen wurden dabei zahlreiche Menschen getötet oder verletzt. Unter den Verletzten soll sich mindestens ein Ausländer befinden. Offizielle Angaben lagen zunächst nicht vor.

Auf dem Asien-EU-Gipfel (ASEM) in Kyoto (Japan) war das burmesische Militärregime kurz zuvor aufgerufen worden, die politischen Gefangenen mit der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi an der Spitze freizulassen. Der burmesische Außenminister Nyan Win reagierte auf die Forderung mit der Äußerung, Demokratie, wie sie der Westen verstehe, könne einem souveränen Land nicht aufgezwungen werden. Die EU hatte im vergangenen Monat Sanktionen gegen das südostasiatische Land für ein weiteres Jahr verlängert.

Ein Augenzeuge berichtete, er habe nach der Explosion in dem Einkaufszentrum Dagon im Stadtzentrum mindestens zwanzig Leichen gezählt. Eine Frau in dem zweiten Einkaufszentrum im Norden der Hauptstadt sagte, sie habe gesehen, wie „mindestens 40 Leichen“ ins Freie getragen worden seien. Ende April waren bei einem Bombenanschlag auf einem Markt der zweitgrößten burmesischen Stadt Mandalay zwei Frauen getötet worden. Mandalay, ehemalige Residenz der von den Briten Ende des 19. Jahrhunderts entmachteten und exilierten burmesischen Könige, zieht viele ausländische Touristen an.

In den vergangenen Monaten hatte es in Burma immer wieder Bombenanschläge gegeben. Die meisten ereigneten sich in der Hauptstadt Rangun. Dafür hat die herrschende Junta unter General Than Shwe „Dissidenten und Saboteure“ verantwortlich gemacht. Der Vielvölkerstaat, in dem verschiedene ethnische Rebellenarmeen seit Jahrzehnten gegen die Zentralregierung kämpfen, steht seit 1962 fast ununterbrochen unter Militärherrschaft. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi hatte Wahlen im Jahr 1990 mit Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch wurde sie von der Militärdiktatur an der Regierungsübernahme gehindert.

Nach dem Sturz von Ministerpräsident General Khin Nyunt im Oktober 2004 war es innerhalb der Junta zu einer Machtverschiebung zu Gunsten der Hardliner gekommen, die Zugeständnisse an die Demokratiebewegung ablehnen. Khin Nyunt hatte einen „Demokratie-Fahrplan“ ohne Zeitrahmen präsentiert und Wahlen auf Grundlage einer neuen Verfassung versprochen. Die Vertreter der Demokratiebewegung und der ethnischen Minderheiten lehnten die Teilnahme an einem vom Militär einberufenen „Nationalkonvent“ ab, der streng abgeschirmt in einem Armeelager vierzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Rangun stattfand.

Die Junta hatte auch Gespräche mit den separatistischen Rebellen des mehrheitlich christlichen Karen-Volkes abgebrochen. Teile des burmesischen Staatsgebietes werden von ethnischen Separatistengruppen kontrolliert, von denen die KNU-Armee der Karen die bekannteste ist. In mehreren Militäroffensiven waren in den 1990er Jahren mehr als 100.000 Karen auf thailändisches Gebiet getrieben worden. Das thailändische Militär brachte einen Teil der Flüchtlinge gewaltsam zurück über die Grenze nach Burma. Die US-Regierung und amnesty international (ai) protestierten gegen die gewaltsame Rückführung. 200.000 Karen wurden innerhalb Burmas zwangsumgesiedelt.

Thailand evakuiert Staatsangehörige aus Burma

Thailand hat nach Angaben von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra am Samstag ein Flugzeug nach Burma (Myanmar) geschickt, um Landsleute zu evakuieren, die nach den verheerenden Bombenanschlägen in ihre Heimat zurückkehren wollten. In dem betroffenen Messegelände in der burmesischen Hauptstadt Rangun, einem der drei Anschlagsorte, hatte eine von Thailand organisierte Handelsmesse stattgefunden. Nach Krankenhausangaben wurden mindestens sieben Menschen getötet und 70 weitere verletzt. In Augenzeugenberichten war von Dutzenden von Toten die Rede.

Innerhalb einer halben Stunde seien in einem Einkaufszentrum, einem Kaufhaus und einem Messezentrum Sprengsätze explodiert, berichteten Augenzeugen. In dem Kaufhaus soll mindestens ein Ausländer verletzt worden sein. Staatsangehörigkeit und Alter des Verletzten waren nicht bekannt.

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