Britischer Politologe: "Die Deutschen haben ihren Verstand verloren"

Harsche Kritik an Deutschland.
Harsche Kritik an Deutschland. ©EPA
Deutschland erhält für die Aufnahme der Syrien-Flüchtlinge viel Lob. Harsche Kritik kommt jetzt aber aus Großbritannien. Der Politologe Anthony Glees meint, Deutschland habe mit der Aufnahme Regeln gebrochen. In Großbritannien hätten sich die Deutschen dadurch sehr unbeliebt gemacht.

“Man mag über Ungarn denken, was man will. Aber wenn Deutschland sich nicht an die Regeln hält, fällt die ganze EU auseinander”, kritisierte der britische Politologe Anthony Glees laut “focus.de” im “Deutschlandfunk”. Grundsätzlich besagt das Dublin-Abkommen, dass Asylwerber im ersten EU-Staat, den sie betreten, einen Antrag auf Asyl stellen müssen. Die Entscheidung Deutschlands, die in Ungarn gestrandeten Flüchtlinge aufzunehmen, habe damit gegen EU-Regeln verstoßen. Weiters nannte er das Vorgehen “undemokratisch”. In Großbritannien herrsche der Eindruck, die Deutschen hätten den Verstand verloren. Auch die Willkommens-Rufe am Münchner Bahnhof hätten ihn sehr überrascht, so der Brite laut “welt.de”. Das nicht, weil er meine, die Deutschen und Deutschland hätten keine humanitären Gefühle. Mehr deshalb, weil Deutschland gerade im Falle Griechenlands auf die Einhaltung von Regeln gedrängt habe.

Glees: Deutschland als “Hippie-Staat”

Die Bundesrepublik gebe sich im Moment als “Hippie-Staat, der nur von Gefühlen geleitet wird”. Statt nur mit dem Herzen, müsse man auch mit dem Hirn handeln, forderte der Politologe – wie vor ihm der britische Premierminister David Cameron. Er, Glees, verstehe auch nicht, warum sich Deutschland aus dem Kampf gegen den IS heraushalte, während es gleichzeitig den verzweifelten Menschen im Irak und Syrien sagt, sie sollen in die Bundesrepublik kommen. “Das scheint vielen Briten unsinnig”. Deutschland sei den Briten jedenfalls in den letzten Tagen “unsympathisch” geworden – was er selbst aber bedaure.

Lob von U2-Frontmann Bono

U2-Frontmann Bono hat die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa in den vergangenen Tagen als Meilenstein für den Kontinent gewürdigt. “Diese Woche ist etwas Unglaubliches passiert und Europa ist nicht mehr das gleiche, das es vor sieben Tagen war”, sagte Bono in einem Interview der italienischen Tageszeitung “La Stampa” am Montag. Besonderes Lob hatte er für Bundeskanzlerin Angela Merkel übrig. Innerhalb weniger Tage sei sie zur “moralischen Symbolfigur für Europa” geworden.

Bono zeigte sich tief bewegt von den Bildern, die vergangene Woche das Leid und die Rettung der Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien dokumentierten. Die Aufnahmen von dem ertrunkenen Dreijährigen Aylan und von deutschen Kindern, die Syrern ihre Spielsachen anboten, würden für immer “Teil der Geschichte Europas bleiben”, sagte der Rockstar dem Blatt.

(AP/Red.)

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