Bregenz "zerlegt"

Die Wiener Austria ist am Sonntag zum Abschluss der 6. Runde der T-Mobile-Bundesliga über ein inferiores Tabellen-Schlusslicht SW Bregenz mit 9:0 (3:0) hinweggebraust.

Vor den Augen des neuen Stronach-Beraters Otto Baric zeigten die Wiener eine deutliche Reaktion auf die zuletzt schwachen Darbietungen und spielten mit Bregenz „Katz und Maus“, die Gegenwehr der Vorarlberger erinnerte jedoch zumeist maximal an ein Freundschaftsspiel. Die Truppe von Trainer Regi van Acker erlebte somit rund fünfeinhalb Jahre nach dem historischen Länderspiel-Debakel der Österreicher in Spanien ihr ganz persönliches „Valencia“.

Ganz anders die zuletzt hart kritisierten Austrianer, die sich hoch motiviert zeigten und durch Treffer von Rushfeldt (10.54.,75.,85.), Gilewicz (58.,62.), Vachousek (1.), Vastic (45.) und Papac (50.) ein historisches Schützenfest feierten. Das 9:0, der erste Dreipunkter der Austria nach fünf sieglosen Pflichtspielen, war der höchste Bundesliga-Sieg seit 1985, damals hatte Rapid den GAK 10:0 abgefertigt, und der dritthöchste in der Geschichte der 1974 gegründeten Fußball-Bundesliga. Der Vizemeister sorgte gleichzeitig für den höchsten Bundesliga-Sieg der violetten Klubgeschichte, am 25. Juni 1983 hatten Koncilia, R. Sara, Gasselich, Steinkogler und Co. Neusiedl mit 8:0 aus dem Stadion geschossen.

Kaum hatte Baric auf der Tribüne Platz genommen und den Notizblock gezückt, durfte der frühere ÖFB-Teamchef auch schon das 1:0 für Violett notieren. Unmittelbar nach Anpfiff flankte Kiesenebner von der rechten Seite, Vastic legte per Kopf zurück und der aus dem Hinterhalt heranbrausende Vachousek schoss aus elf Metern trocken ins rechte Eck ein. Damit war nach nur 32 Sekunden die Bregenzer Moral wieder im Keller, sämtliche An- und Aussprachen von Coach Regi van Acker und Kapitän Ralph Geiger in der Vorwoche erwiesen sich als umsonst.

Doch die Austria kannte kein Erbarmen und wirbelte weiterhin hoch motiviert durch die völlig verunsicherte Bregenzer Hintermannschaft. Wie beim 1:0 leistete Vastic dann auch beim 2:0 die Vorarbeit per Kopf, Rushfeldt spielte locker Goalie Tolja aus und schob ins leere Tor ein (10.). Damit war die Partie entschieden, denn die Hausherren präsentierten sich erschreckend harm- und planlos, das Verhalten in der Defensive sowie im Mittelfeld erinnerte eher an ein Test- als an ein Punktspiel.

Die Austria konnte es sich nun leisten, ein bis zwei Gänge zurückzuschalten und ein wenig Kraft für das Heimspiel in der UEFA-Cup-Qualifikation am Donnerstag in Wien gegen Illischowez Mariupol zu sparen. Dennoch fanden die Gäste fast zwangsläufig durch Sionko (30.,31.), Vastic (33.), Rushfeldt (34.) und Vachousek (36.) weiterhin Chancen in Hülle und Fülle vor, das 3:0 war lediglich eine Frage der Zeit. Es fiel noch vor der Pause, der überragende Vastic spielte an der Strafraumgrenze Bolter aus und traf mit einem tollen Schuss genau ins rechte Eck (45.).

Es ging munter weiter. Zunächst traf Vastic aus spitzem Winkel die Stange (47.), dann staubte Papac nach einem Latten-Knaller von Vachousek erfolgreich zum 4:0 ab (50.). Vier Minuten später bediente Vastic Rushfeldt mit dem Ferserl, der Norweger tanzte durch die Abwehr und rollte zum zweiten Mal an diesem Abend zum 5:0 ein (54.). Das Austria-Furioso ging im Vier-Minuten-Takt weiter: nach Querpass von Dospel schoss Gilewicz das 6:0 (58.), nach Sionko-Flanke drückte neuerlich Gilewicz per Kopf ein (62.).

Dann hatte der bemitleidenswerte Tolja 13 Minute Ruhe, ehe Rushfeldt zum Finale ansetzte und in den Minuten 75 und 85 mit seinen Treffern Nummer drei und vier das unglaubliche Endergebnis von 9:0 herstellte. Der einzige Trost für Bregenz: Das Ergebnis fiel nicht zweistellig aus. Und Baric durfte seinen ersten Arbeitstag mit wohl ausschließlich positiven Infos für „Big Spender“ Frank Stronach beenden.


Regi Van Acker (Bregenz-Trainer): „Das war eine richtige Blamage, wir standen am Platz wie Bäume. Wir sind alle zusammen schuld. Wenn wir solche Tore bekommen, dann haben wir kein Recht, in der Bundesliga zu spielen. Ich will hier weiter etwas bewegen, versuche mich weiter zu motivieren. Aber wenn manche Leute finden, dass ich der falsche Trainer bin, dann kann ich auch nichts machen.“

Hans Grill (Bregenz-Präsident): „Noch ist keine Rede, dass Van Acker rausgeworfen wird. Es wird aber am Montag eine Besprechung geben, zunächst muss ich mir aber einmal Ruhe gönnen. Das war ein ganz schwarzer, verheerender Tag für den Verein, wir werden aber garantiert nicht absteigen. Ich habe im Sommer die Spieler nach Bregenz gebracht, die der Trainer wollte. Aber leider enttäuschen uns diese.“

Günter Kronsteiner (Austria-Teammanager): „Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen. Die Höhe des Sieges war sekundär, wichtig war, dass alle gesehen haben, dass diese Mannschaft intakt ist. Wir haben nur ein Mal verloren, waren zumeist die bessere Mannschaft, wurden aber hingestellt wie Kriegsverbrecher. Jetzt haben sich die Stürmer so richtig den Frust von der Seele geschossen.“

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