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Brand in Akw Saporischschja nach Beschuss

Das AKW Saporischschja wurde bei einem Angriff getroffen.
Das AKW Saporischschja wurde bei einem Angriff getroffen. ©AP
Im größten Atomkraftwerk Europas, im ukrainischen Akw Saporischschja, ist es in der Nacht auf Freitag durch russischen Beschuss zu einem Brand gekommen.
Reaktorunfälle: Zivilschutz rät zur ...

Update: Das Feuer auf dem AKW-Gelände konnte gelöscht werden.

Die Ukrainische Staatssicherheit und die Akw-Leitung berichteten von einem Feuer in einem Schulungsgebäude. Die Strahlungssicherheit des Kernkraftwerks sei gewährleistet, berichtet der ukrainische TV-Sender Ukraine 24 unter Berufung auf den Direktor der Anlage.

"Ernste Gefahr"

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte, nach Angaben der ukrainischen Nuklearaufsicht sei in der Umgebung der Anlage keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. Die Behörde forderte ein Ende jeglicher Kampfhandlungen rund um das Atomkraftwerk und warnte vor "ernster Gefahr", sollten Reaktoren getroffen werden. IAEA-Chef Rafael Grossi habe darüber mit dem ukrainischen Premier Denis Schmyhal gesprochen. Grossi habe appelliert, die Kämpfe einzustellen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland "Nuklear-Terror" vor. Kein anderes Land der Welt habe jemals Atomanlagen beschossen, sagte Selenskyj in einer in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Videobotschaft. "Der Terroristen-Staat verlegt sich jetzt auf Nuklear-Terror." Offenbar wolle Russland die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 "wiederholen".

Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates

US-Präsident Joe Biden forderte seinerseits Russland auf, seine militärischen Aktivitäten in dem Gebiet um das Kernkraftwerk Saporischschja einzustellen. In einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj habe Biden sich "über den aktuellen Stand des Brandes" in der Atomanlage erkundigt, teilte das Weiße Haus am Donnerstagabend (Ortszeit) mit. Die russische Armee müsse Feuerwehrleuten und Rettungskräften den Zugang zu dem Gelände ermöglichen, so Biden.

Durch die Kämpfe nahe des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja gefährdet der russische Präsident Wladimir Putin nach Meinung des britischen Premierministers Boris Johnson ganz Europa. Die "rücksichtslosen Aktionen" von Putin "könnten nun die Sicherheit ganz Europas direkt gefährden", sagte Johnson am frühen Freitagmorgen bei einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selenskyj. Johnson erklärte laut einer Mitteilung seines Amtssitzes, dass er "in den kommenden Stunden" eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zur Lage in dem Atomkraftwerk erreichen wolle. Großbritannien werde alles tun, um sicherzustellen, dass sich die Situation nicht weiter verschlechtere, hieß es weiter.

"Keine erhöhten Strahlenwerte"

US-Energieministerin Jennifer Granholm betonte unterdessen, die Reaktoren des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja würden sicher heruntergefahren. "Es gibt keine erhöhten Strahlenwerte in der Nähe der Anlage", schrieb Granholm auf Twitter. Die Reaktoren seien durch eine robuste Schutzhülle gesichert.

Der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko forderte angesichts von Berichten über ein Feuer in der Anlage des Atomkraftwerks ein Eingreifen der NATO. "Deshalb fordern wir nicht nur eine professionelle Einschätzung der Geschehnisse, sondern ein echtes Eingreifen mit den härtesten Maßnahmen, auch durch die NATO und die Länder, die Atomwaffen besitzen", schrieb Haluschtschenko in der Nacht auf Freitag auf Facebook. Europas größtes Atomkraftwerk werde mit Panzern und aus der Luft beschossen, schrieb er weiter. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Aussagen zunächst nicht.

"Zehnmal größer als Tschernobyl"

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte ein umgehendes Ende des Beschusses. "Die Russen müssen SOFORT das Feuer einstellen, die Feuerwehr passieren lassen, eine Sicherheitszone einrichten", betonte er in der Nacht auf Freitag auf Twitter. "Falls es explodiert, wird es zehnmal größer sein als Tschernobyl!", warnte Kuleba. Auch der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Enerhodar, Dmytro Orlow, forderte in einem Telegram-Video die russischen Kräfte auf, den Beschuss zu stoppen.

Zunächst konnten Feuerwehrleute den Brand wegen der Kämpfe nicht erreichen, berichtete ein Sprecher des Kraftwerks in der Nacht auf Telegram. Später schrieb der Chef der regionalen Militärverwaltung, Oleksander Staruch, auf Facebook, der Leiter des Akws habe erklärt, dass Feuerwehrleute den Brand inzwischen erreicht hätten.

Kernschmelze möglich

Nuklearexperten hielten in ersten Einschätzungen allerdings eine Explosion wie im Atomkraftwerk Tschernobyl 1986 im Akw Saporischschja für unwahrscheinlich. "Keiner der Reaktoren in Saporischschja dürfte explodieren wie Tschernobyl es tat. Aber die Russen müssen vom Kraftwerk weg", schrieb die US-Nuklearwaffenexpertin Cheryl Rofer auf Twitter.

Der Nuklearexperte James Acton vom US-Thinktank Carnegie Endowment for International Peace sah in einer ersten Analyse vor allem das Risiko einer Kernschmelze, falls das radioaktive Material nicht weiterhin durchgehend gekühlt wird. "Ich nehme an, dass alle drei Reaktoren (die zuletzt von den sechs Blöcken des Kraftwerkes in Betrieb waren, Anm.) abgeschaltet wurden. In diesem Fall sind alle sechs Reaktoren von Stromversorgung von außen für die Kühlung abhängig", schrieb der britische Physiker auf Twitter. Ein Feuer könne die Verbindung zum Stromnetz bzw. zu Notstromaggregaten zerstören und dadurch die Kühlung stoppen. In diesem Fall könnte es zu einer Kernschmelze kommen, wie es 2011 im japanischen Akw Fukushima 2 nach einem Tsunami geschah, erinnerte Acton.

Gebäude in Vollbrand

Auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera auf dem Youtube-Kanal des Kraftwerks stand gegen 2.30 Uhr Ortszeit (1.30 Uhr MEZ) ein Gebäude in Vollbrand. Auf den Aufnahmen waren auch Rauchwolken von anderer Seite zu sehen, außerdem immer wieder heftiger Beschuss. Kurz vor 4.00 Uhr Ortszeit (3.00 Uhr MEZ) gingen Homepage und Youtube-Kanal des Kraftwerks offline.

Die Anlage von Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk Europas und verfügt über sechs Reaktoren. Der älteste Reaktor ging 1984 in Betrieb. Am Donnerstag hatte die ukrainische Regierung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gemeldet, russische Infanteristen befänden sich nahe der Stadt Enerhodar wenige Kilometer vom Akw Saporischschja entfernt. IAEA-Chef Grossi hatte daraufhin einen sofortigen Stopp jeglicher Kampfhandlungen in dem Gebiet gefordert.

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