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Boris Johnson ist Englands neuer wichtigster Mann

Boris Johnson ist am Ziel seiner Träume
Boris Johnson ist am Ziel seiner Träume ©APA-AFP - TOLGA AKMEN
Ex-Premierminister Tony Blair: "Johnson wird den No Deal Brexit nicht wagen."
Torys machen am Vormittag den May-Nachfolger publik
Boris Johnson im Bilder-Portrait
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Der Brexit-Hardliner Boris Johnson wird Vorsitzender der britischen Konservativen und damit auch neuer Premierminister. Wie die Parteiführung am Dienstag in London mitteilte, setzte er sich in der Stichwahl gegen Außenminister Jeremy Hunt durch. Am Mittwoch soll Johnson als Nachfolger von Theresa May zum neuen Premierminister ernannt werden.

Das ist der neue Premierminister

Ein Nachfolger von Winston Churchill - Foto: APA-AFP - Tolga Akmen

Boris Johnson hatte es schon lange auf das Amt des Premierministers abgesehen - daran gab es kaum einen Zweifel. Der britische Ex-Außenminister und frühere Londoner Bürgermeister hatte zuletzt tatkräftig mitgeholfen, Theresa May zu Fall zu bringen.

Sie selbst hatte ihn 2016 nach dem knappen Votum der Briten für den EU-Austritt als Chefdiplomaten in ihr Kabinett geholt. Später löste sich der heute 55-Jährige aus der Umklammerung. Er trat von seinem Kabinettsposten zurück und schrieb fortan in einer wöchentlichen "Telegraph"-Kolumne gegen Mays Brexit-Pläne an.

Nachdem May Anfang dieses Jahres drei Mal mit ihrem Brexit-Deal im Parlament in London gescheitert war und Nigel Farage mit seiner Brexit-Partei bei der Wahl zum Europaparlament zur stärksten Kraft in Großbritannien wurde, sah Johnson seine Chance gekommen, zumal May ihren Rücktritt ankündigen musste.

Foto: APA/AFP/JUSTIN TALLIS

Johnson trauen nun viele Briten zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen wegen des bis Ende Oktober verschobenen EU-Austritts abgewendet haben, wieder einzufangen.

Was passiert nun mit dem Brexit?

Trotz der Kür von Boris Johnson zum neuen britischen Regierungschef hält Ex-Premierminister Tony Blair einen EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen für ausgeschlossen. "Ohne die Billigung entweder des Parlaments oder der Wähler wird Boris Johnson den No Deal nicht wagen", sagte Ex-Premier Blair europäischen Medien. Im Parlament sei eine Mehrheit dagegen.

Johnson könne entweder eine Neuwahl auslösen oder ein zweites Referendum ansetzen. "Ich glaube, dass Letzteres wahrscheinlicher ist", sagte Blair. Er wandte aber auch ein: "Wenn er ein zweites Referendum zuerst macht, dann ist das Thema Brexit vom Tisch." Dann könne Johnson in eine Neuwahl gegen den Labour-Chef Jeremy Corbyn gehen, "die Corbyn zerstören wird und auch die Brexit Party von Nigel Farage".

Die britischen Tories geben am Vormittag das Ergebnis der Urabstimmung über den neuen Parteichef bekannt. Dieser wird automatisch auch Regierungschef. Johnson ist im Duell mit Außenminister Jeremy Hunt klarer Favorit. Er ist nach eigenem Bekunden bereit, das Vereinigte Königreich auch ohne Austrittsvertrag bis zum 31. Oktober aus der EU zu führen, sollte Brüssel keine Zugeständnisse machen.

Der unterlegene Jeremy Hunt

Foto: Jeremy Hunt - APA-AFP - ADRIAN DENNIS

Jeremy Hunt war der Außenseiter im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May. Der 52 Jahre alte bisherige Außenminister gilt vielen als langweilig und zu europafreundlich. Doch im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Boris Johnson konnte Hunt seine Pläne für den EU-Ausstieg bereits mit Details unterfüttern.

Wie Johnson will Hunt das drei Mal im Parlament gescheiterte Brexit-Abkommen nachverhandeln. Anders als sein Kontrahent hat er einen - wenn auch extrem knappen - Zeitplan dafür vorgelegt. Neuen Verhandlungen mit Brüssel wollte er gerade einmal drei Wochen im September einräumen. Klappe das nicht, wollte er widerwillig einen Brexit ohne Abkommen in Kauf nehmen, erklärte Hunt. Dafür hat er bereits ein Notfallbudget angekündigt.

Brexit

Hunt galt im Gegensatz zu Johnson als salonfähig. Doch auch er versuchte sich zeitweise als Sprücheklopfer. Auf einem Parteitag verglich er die Europäische Union mit der Sowjetunion. "Wenn Sie den Club der EU-Staaten in ein Gefängnis verwandeln, wird der Wunsch, ihn zu verlassen, nicht geringer werden, sondern wachsen", warnte Hunt an Brüssel gerichtet. Er handelte sich wütende Proteste, vor allem der osteuropäischen Mitgliedsstaaten, ein.

Seine Achillesferse war, dass er vor dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 noch für die Beibehaltung der EU-Mitgliedschaft geworben hatte und erst später umschwenkte. Er hatte damit ähnliche Voraussetzungen wie die einst als Kompromisskandidatin gepriesene May - und wird sogar zuweilen als "Theresa in Hosen" verspottet. Kurz nach dem knappen Brexit-Votum warb Hunt sogar noch für ein zweites Referendum über die Modalitäten des Austritts.

Der Oxford-Absolvent Hunt kommt aus der britischen Oberschicht. Er besuchte ein Elite-Internat in der südostenglischen Grafschaft Surrey. Einige Zeit arbeitete er als Englisch-Lehrer in Japan, bevor er nach Großbritannien zurückkehrte und verschiedene Unternehmen gründete. Sein Vater war Admiral in der Royal Navy.

Vorbericht zum Duell Johnson - Hunt

(APA) (Red.)

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