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Bordell-Betreiberin: "Ein Drittel meiner Kundschaft kommt aus Vorarlberg"

Scharzach, Au (CH) - Eine Schweizer Bordell-Betreiberin gewährte den VN einen exklusiven Einblick in die grenznahe Prostitutions-Szene. Dabei sind sowohl die Kunden als auch die Frauen, die bei ihr arbeiten, eng mit Vorarlberg verbunden. Die Wirtschaftskrise hat auch dieses Gewerbe nicht verschont.
Diskussion in Vorarlberg
ÖVP sagt Nein zu Straßenstrich
Vorarlberger in Schweizer Bordellen

 Das Tabu-Thema der käuflichen Liebe erhitzt in diesen Tagen die Gemüter und wird landesweit diskutiert. „Wir wollen keine Straßenprostitution in Vorarlberg“, gibt ÖVP-Klubobmann Rainer Gögele am Mittwoch gegenüber den VN bekannt. Punkt. Doch damit verschließen sich der Politiker und seine Partei wohl der Realität. Denn die – in der freien Wirtschaft würde es so bezeichnet werden – „Nachfrage“ und folglich auch das „Angebot“ existieren bekanntlich. Entweder illegal in irgendwelchen Hinterzimmern in der Vorarlberger Nachbarschaft, oder legal, nur ein paar Hundert Meter über der Grenze, im St. Galler Rheintal, in der Schweiz.

Vorarlberger Freier

„EinDrittel meiner Kunden ist aus Vorarlberg“, verdeutlicht die Bordell-Betreiberin Iris von „Iris & Team“ die derzeitige Situation. Insgesamt würden monatlich rund 500 Kunden ihre Dienstleistung in Anspruch nehmen. Das bedeutet, dass jeden Tag rund fünf Ländle-Männer die Schweizer Grenze passieren, um sich bei ihr dem käuflichen Sex hinzugeben. „Im vergangenen Jahr waren es noch mehr. Da haben die Vorarlberger für 50 Prozent des Umsatzes gesorgt“, macht Iris die Wirtschaftskrise und den starken Franken für den Rückgang verantwortlich.

Weniger Kunden

Falls die Prostitution hierzulande irgendwann legalisiert angeboten würde, dann rechnet die Bordell-Chefin mit einem noch stärkeren Einbruch ihrer Vorarlberger Kundschaft. „Wir verlangen für 50 Minuten 210 Euro. Derzeit kostet eine Stunde bei euch, nach meinen Informationen, 150 Euro“, bestätigt Iris gleichzeitig auch eine existente Prostitutions-Szene im Ländle. Wenn sich eine „Hausfrau“ einmal erwischen lasse, müsse sie mit einer Geldstrafe rechnen. „Ein paar Hundert Euro, mehr ist das nicht.“ Wesentlich teurer käme es, wenn der Aidstest älter als drei Monate sei oder man das dritte Mal ertappt würde: „Dann kann man sich das kaum mehr leisten.“

Erfahrung im Milieu

Seit über 20 Jahren ist Iris nun schon im Milieu. 90 Prozent der Freier sind Stammkunden. „Einige kommen nach dem wöchentlichen Kartenspiel vorbei.“ Und zwölf selbstständige Frauen arbeiten bei ihr. Drei davon auch aus Vorarlberg. „Die haben sich eine Bewilligung zur selbstständigen Arbeit organisiert. Dann ist das gar kein Problem.“ Die Frauen sind zwischen 30 und 50 Jahre alt und arbeiten im Schichtbetrieb, circa acht Stunden am Tag. Iris achtet darauf, dass sie im Idealfall nur vier Tage arbeiten und keine Mammutschichten leisten müssen. „Ich will, dass die Frauen Geld verdienen. Dazu müssen sie gut drauf sein, Ausstrahlung und Präsenz haben.“

Zeiten ändern sich

Früher sei das noch anders gewesen, da hätte man die Männer auch mal links liegen lassen können. Heute muss sich der Gast willkommen fühlen und vielleicht sogar bemuttert werden, stellt Iris zeitliche Veränderungen fest. Das ist gleichwohl nicht die einzige Veränderung. „Früher hat ein Gast einmal angerufen und ist dann vorbeigekommen. Heute rufen sie drei Mal an. Dann ist es immer noch nicht sicher, ob er wirklich erscheint“, weiß die erfahrene Betreiberin.

Ohne Gummi läuft nichts

Die Verhütung hat sich hingegen in all den Jahren nicht verändert. Ein weißes Schild an jeder Tür weist auf den Pflichtgebrauch von Präser­vativen hin. „Sonst läuft nichts.“ Die Regeln bestimmen also die Frauen. „Im Gegenzug entführen wir die Männer in eine Traumwelt“, meint Iris. Vielleicht auch ein Grund, warum sie nur einmal jährlich einen Kunden des Zimmers verweisen muss. Der Respekt gegenüber den Frauen muss also immer gewahrt werden.

Vorarlberger in Schweizer Bordellen

(VOL.at / VN/Wolfgang Heyer)

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