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Bon dia, Barca

©VN-srt-C.Leetz
In Barcelona muss man ein kleines Stück neben der Masse schwimmen. Bilder

Wild hupende Autos, Menschenmassen auf den Straßen und ständige Geschäftigkeit: Die Hauptstadt Kataloniens ist von außen betrachtet immer in Eile. Doch gibt es auch Orte, an denen die Metropole ausatmet und gemütlich vor sich hinlebt. Rostbraun ragt der kleine Turm am Strand von Sant Sebastià in den Abendhimmel.
Der rostende Turm
Interessiert umrunden zwei Spaziergänger das merkwürdige Gebilde, das sich im Neonlicht der Laternen so kontrastreich von allem sonst hier abhebt. Auf dem Sockel entdeckt einer der beiden die kleine Eisentafel. Darauf steht: „1992, Rebecca Horn, Olimpíada Cultural.” Der vor sich hinrostende Turm am Strand von Barcelona ist eines der Kunstwerke, das die Stadt extra für die Olympischen Sommerspiele 1992 in Auftrag gab. „Für mich ist das einer der schönsten Plätze überhaupt”, sagt Elilio Gonzales, der hier abends öfter herkommt. Und „Guiris” – so nennen die Einheimischen Touristen – verirren sich nur selten hierher. Der Strand von Sant Sebastià ist ein Ort, an dem Barcelona zur Ruhe kommt. Ein Ort, „an dem die Stadt ausatmet”, wie Emilio es nennt.
Wenn vom Meer her im Frühling ein warmer Wind weht, die Wellen mit einem Rauschen im Sand ausrollen und Himmel und Costa Brava irgendwo draußen am Horizont eins werden, scheint das Tosen der Metropole fern.
Immer trendy sein
Keine Bars, keine Leuchtreklame – genau der richtige Ort, um abzuschalten und ein mitgebrachtes Bier zu trinken. Doch Orte wie dieser sind die Ausnahme. Barcelona atmet nicht aus. „Barca”, wie die Menschen ihre Stadt nennen, saugt auf: Trends, Ideen, Innovationen. Die Hauptstadt der autonomen Region Katalonien ist Schmelztiegel von vielem Neuen. Das Gefühl, immer trendy sein zu müssen, anderen den entscheidenden Schritt voraus zu sein, dominiert das Lebensgefühl ganzer Viertel. Besonders in den Bars und Restaurants von El Raval, Gotic, Borne, Gràcia und in den Straßenzügen rund um das Vila Olímpica. Da werden alte Fünf-Liter-Wassercontainer zu Sitzecken umfunktioniert, Büstenhalter leuchten als Lampen von den Decken schicker und doch einfacher Bars. Wenn das Geld für die Inneneinrichtung fehlt, muss eben eine gute Idee dies geschickt kaschieren. Nichts Neues für Barcelona.
Blick vom Park Güell
Wie schön sich die Sagrada Familia in das Stadtbild einpasst, sieht man am besten vom höher gelegenen Stadtteil Vallcarca aus, in dessen Mitte sich ein weiteres Meisterwerk von Gaudí ausbreitet: der Park Güell. Die Gartenanlage ist wie der Strand Sant Sebastìa ein Ort, an dem Barcelona zur Ruhe kommt.
Nicht im unteren Teil natürlich, am Eingang mit den zwei Pförtnerhäuschen und ihren Zuckergussdächern. Auch nicht auf dem großen Terrassenplatz, von dem die Reiseführerliteratur behauptet, von hier hätten Urlauber den schönsten Blick auf die Stadt. Man muss den Wegen bis ganz nach oben folgen. Dort, am El Mirador de la Cruz, dem Aussichtsplatz mit dem steinernen Kreuz, ist der Ort, an dem einem Barca zu Füßen liegt. Hier ist der richtige Moment, um innezuhalten, den Blick über alle Dächer aufs Meer zu genießen – und auszuatmen.
Tomás Doncel betreibt seit 21 Jahren das Restaurant El Porrón im Stadtteil Pobleno. Unscheinbar, fast ein bisschen schmuddelig, wirkt seine kleine Bar von außen – doch der Laden ist beliebt. Als die alte Holztür aufschwingt, dringen katalanisches Stimmengewirr und der Geruch von gebratenem Fisch nach draußen. Drinnen sind fast alle Plätze belegt. Im Eck flimmern zwei uralte Spielautomaten, und die Wände sind mit Postern des FC Barcelona tapeziert.
Pilis Spezialitäten
Im El Porrón ist die Zeit stehen geblieben. Genau das schätzen die Leute hier. Statt durchgestylter Speisekarten gibt es hier Pili, die Köchin, die jedem Gast persönlich vorträgt, was er essen kann. Und erst, nachdem gemeinsam über jede Tapa beraten wurde, verschwindet sie in der Küche. Und später taucht sie mit Albóndigas con Salsa, Fleischbällchen mit Soße, und Sepia à la Plancha, Tintenfisch vom Grill wieder auf. Ein alter Stammgast hebt sein Glas und prostet Tomás zu: „Viva Barca”, es lebe Barcelona.

1,6
Millionen Einwohner hat Barcelona und ist damit die zweitgrößte Stadt Spaniens. Und natürlich die Hauptstadt der autonomen Gemeinschaft Katalonien. Jeder der zehn Stadtteile in Barcelona hat seine eigene Identität und Charakteristiken.

Architektur-Schätze
In Barcelona sind die verschiedensten Stilrichtungen der Architektur vertreten: Von der Gotik bis hin zu Bauten des Modernisme oder Bauwerke der modernen Architektur. Einige davon befinden sich auf der UNESCO-Liste des Kulturerbes.

Der „Mercat La Boqueria“
Der Mercat La Boqueria auf den Ramblas, der bekannten Einkaufsmeile, die vom Plaza Catalunya bis hinunter zum Hafen führt, ist der älteste Markt von Barcelona. Was die Fischer nachts anlanden, liegt morgens im hinteren Teil der Boqueria. Im vorderen Teil haben die Obst- und Gemüsehändler ihre Stände: Äpfel, Birnen, Tomaten, Mangos, Kakis, Trauben, Bananen und Drachenfrüchte tränken die Luft mit süßem Duft, die Augen sehen sich an der Farbenpracht kaum satt.

Gaudis Traum
Schon Antoni Gaudí verwendete für seine weltberühmten Mosaike ausschließlich Abfälle. Er hielt seinen verrückten Einfällen die Treue und widmete 43 Jahre seines Lebens einem Traum – der Sagrada Familia. Natürlich hielt man damals die Idee, eine Kathedrale bauen zu wollen, die heute den Kölner Dom überragt, für ein Hirngespinst. Den Genius Gaudí, der äußerlich heruntergekommen aussah, nannte die Tageszeitung El Periódico sogar einen Verrückten. Heute strömen jährlich zweieinhalb Millionen Besucher zur Kathedrale.

FC Barcelona
Das sportliche Aushängeschild der Stadt ist natürlich der berühmte FC Barcelona, dessen Stadion Camp Nou gleichzeitig das größte Stadion Europas ist.

Eigener Staat
„Wer Erfolg haben will, muss erst die Leute hier verstehen“, meint Restaurantchef Tomás Doncel. Dazu gehöre auch, dass die Region auf Unabhängigkeit pocht.

Das Casa Milà
Das Casa Milà im Stadtteil Eixample ist eines der letzten Bauwerke des Architekten Antoni Gaudí, bevor er sich vollständig dem Bau der Sagrada Familia widmete.

REISETIPPS

Barcelona Card. Zu vielen Museen undSehenswürdigkeiten erhält man mit der Barcelona Card freien oder ermäßigten Eintritt. Empfehlenswert sind auch die „Hop On Hop Off“-Busse, die in mehreren Linien zu den Sehenswürdigkeiten fahren. Während der Stadtrundfahrt kann man jederzeit wieder ein- und aussteigen.

REISEINFORMATIONEN

Anreise: ZumBeispiel mit Iberia ab München ab 123 Euro, Tel. +49 1805 442900, Internet: www.iberia.de.

Unterkunft: Hotelübersicht inklusive Buchungsmöglichkeit für alle Kategorien unter der Barcelona-Info-Homepage www.barcelonaturisme. com.

Weitere Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Tel. +49 30 8826-543, E-Mail: berlin@tourspain. es, Internet: www.spain.info. Barcelona Turisme,Tel. +34 932 853834, EMail: info@barcelonaturisme. com, Internet: www.barcelonaturisme.com, www.barcelona.de, http://de.barcelona.com/.

Wetter: Reisezeit nach Barcelona ist von Mai bis Oktober. Für einen Stadturlaub kann der Zeitraum erweitert werden. Die Hochsommermonate sind sehr heiß.

Essen: Bar Boqueria imhinteren Teil des Mercat de la Boqueria auf La Rambla; Restaurant El Porrón, Doctor Trueta 225, Tel: 0034/932/252089, Montag Ruhetag.

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