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Börse: US-Kryptobörse Coinbase startet fulminant

Gesamtbewertung von knapp 100 Mrd. Dollar erreicht
Gesamtbewertung von knapp 100 Mrd. Dollar erreicht ©APA
Coinbase, die größte US-Handelsplattform für Krypto-Währungen wie Bitcoin, ist am Mittwoch fulminant an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq gestartet.

Der Einstandskurs lag mit 381 Dollar mehr als 50 Prozent über dem Referenzpreis. Coinbase erreichte eine Gesamtbewertung von knapp 100 Milliarden Dollar (84,06 Mrd. Euro) und wird damit aktuell höher gehandelt als jeder herkömmliche Börsenbetreiber.

Im weiteren Handelsverlauf stieg der Kurs der Coinbase-Aktien weiter auf 425 Dollar. Das Unternehmen aus San Francisco profitiert stark vom Krypto-Boom, der die älteste und bekannteste Digitalwährung Bitcoin zur Wochenmitte zeitweise auf ein Rekordhoch bei fast 65.000 Dollar trieb.

Experten vermuten "Ausreißer"

Coinbase hatte im ersten Quartal dank rasant angestiegener Handelsvolumen glänzend verdient und einen Quartalsgewinn zwischen 730 und 800 Millionen Dollar angekündigt. Viele Experten halten dies angesichts der starken Schwankungen am Kryptomarkt aber für einen Ausreißer.

Bei der Premiere an der Nasdaq handelte es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern eine Direktplatzierung. Da diese ohne ein vorheriges Preisbildungsverfahren durch Investmentbanken stattfand, war der Referenzpreis nur eine vage Richtschnur und kein direkter Indikator für den Einstandskurs.

"Krypto-Ökonomie beginnt erst"

Die Finanzmärkte fiebertenn seit Wochen auf das Debüt hin. Für die boomende, aber lange als abenteuerliche Randerscheinung der Finanzwelt abgetane Nische der Cyberdevisen ist es ein Meilenstein auf dem Weg in den Wall-Street-Mainstream.

"Die Krypto-Ökonomie beginnt gerade erst", verspricht Coinbase-Mitgründer und Vorstandschef Brian Armstrong Anlegern vor dem Börsengang. Tatsächlich befindet sich sein Unternehmen auf der größten Erfolgswelle seit der Gründung im Jahr 2012.

Langfristige Erfolgsaussichten?

Beim Umsatz rechnet Coinbase für die drei Monate bis Ende März mit 1,8 Mrd. Dollar, auch dieser Wert würde das Gesamtergebnis von 1,3 Mrd. Dollar aus dem Vorjahr deutlich übertreffen. Die Nutzerzahlen stiegen während der jüngsten Krypto-Rallye kräftig und lagen zuletzt bei 56 Millionen. Mit dem Quartalsbericht gelang es Coinbase, vor dem Börsengang ein beeindruckendes Rufzeichen zu setzen. Aber wie steht es um die langfristigen Erfolgsaussichten?

Coinbase-Chef Armstrong selbst macht keinen Hehl daraus, dass der aktuelle Höhenflug keine besonders zuverlässigen Aussagen über die Zukunft zulässt. Die Profitabilität des Unternehmens steht und fällt mit den Kursen und Handelsvolumen von Krypto-Währungen wie Bitcoin, da es in erster Linie an Gebühren verdient. So gesehen gebe es eine "immanente Unberechenbarkeit", wie Coinbase selbst einräumt. In der Vergangenheit war das Geschäft extremen Schwankungen unterworfen.

Regulatorische Risiken

Experten sehen jedoch nicht nur die heftigen Schwankungen bei Krypto-Kursen und Handelsvolumen mit Bedenken. Anleger müssen sich auch über regulatorische Risiken im Klaren sein. Jesse Powell, der Chef des Coinbase-Rivalen Kraken, warnte kürzlich im Finanzsender CNBC vor einem "Durchgreifen" von Regierungen gegen digitale Währungen. Überraschend käme dies in der Tat nicht - Bitcoins geraten immer wieder durch illegale Verwendungen in die Kritik und gelten nicht nur in den USA schon lange als aufsichtsrechtliche Baustelle.

Coinbase hat allerdings noch andere Probleme, die im aktuellen Hype leicht untergehen. So steht das Unternehmen, das "ein offenes Finanzsystem für die Welt zu schaffen" als Mission und "mehr wirtschaftliche Freiheit für jede Person und Firma" als Vision beschreibt, immer wieder wegen seines Kundenservices in der Kritik. In Foren auf der Diskussionsplattform Reddit etwa klagten etliche Kunden, dass ihre Accounts ohne erklärten Grund eingefroren worden seien. Zudem gibt es Berichte über gekaperte Nutzerkonten.

Sammelklage

Die Anschuldigungen haben schon zu mindestens einer Sammelklage geführt. Coinbase rechtfertigt sich mit dem Ansturm von Kunden. Die hohe Nachfrage führe zu einzigartigen Herausforderungen. Das Unternehmen habe aber schon 2.000 zusätzliche Mitarbeiter im Kundenservice angestellt. Coinbase betont zudem, noch nie gehackt worden zu sein. Cyber-Angriffe und technische Pannen sind für Krypto-Börsen ein sensibles Thema, nicht zuletzt wegen des Zusammenbruchs des einst mit Abstand größten Handelsplatzes Mt. Gox. Die Insolvenz hatte den Bitcoin-Markt 2014 in eine tiefe Krise gestürzt.

(APA)

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