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Blockierte Ladesäulen: Wie Betreiber, Polizei und ÖAMTC mit dem Problem umgehen

Was tun, wenn E-Ladestationen blockiert sind?
Was tun, wenn E-Ladestationen blockiert sind? ©Symbolbilder: Canva Pro
Mirjam Mayer (VOL.AT) mirjam.mayer@russmedia.com
Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, muss mitunter ganz genau planen, wann er das nächste Mal laden sollte. Besonders ärgerlich ist, wenn eine eingeplante Ladestation besetzt oder blockiert ist. VOL.AT hat recherchiert, wie mit blockierten Ladesäulen umgegangen wird.

Darum geht's:

  • Blockierte Ladestationen sind für E-Autofahrer ärgerlich
  • Rechtliche Grauzone: Polizei hat keine Handhabe bei Privatparkplätzen
  • ÖAMTC fordert klare Regelungen, sieht aber keinen akuten Handlungsbedarf

Auch in Vorarlberg gibt es mittlerweile fast flächendeckend E-Ladestationen. Auch beim Messepark in Dornbirn gibt es vier Stück. Diese befinden sich beim Parkplatz West gegenüber dem ÖAMTC. VOL.AT wurde nun ein Bild zugespielt, dass zwei Autos zeigt, die auf solchen E-Auto-Plätzen stehen und diese so für anderer Fahrzeuge blockieren. Dass beide "verkehrt herum" stehen, legt nahe, dass die Fahrzeuge nicht an die Ladesäule angeschlossen sind. Zwei Securities stehen mit gezückten Blöcken daneben.

Diese beiden Fahrzeuge blockieren augenscheinlich die Ladeplätze. ©VOL.AT

Messepark: Wer länger steht, zahlt länger

Die vier Ladestationen seien gut besucht. "Wenn man länger stehen bleibt – auch wenn schon vollgetankt ist – zahlt man ja an den Betreiber der E-Tankstelle trotzdem weiter", informiert die Messepark-Verwaltung auf VOL.AT-Anfrage. "Daher löst sich das Problem von selbst." Fahrzeuge, die die Ladestationen blockieren, werden von Securities mit einem Hinweiszettel versehen, so geschehen auch im Falle des Fotos in diesem Artikel. Die Fahrer müssen sich daraufhin bei der Verwaltung melden, wo ihnen die korrekte Nutzung erklärt wird. Dieses Vorgehen zielt darauf ab, das Bewusstsein der Autofahrer zu schärfen und sicherzustellen, dass E-Ladestationen für ihren eigentlichen Zweck verfügbar bleiben.

Der Parkplatz beim Messepark. Rechts im Bild die vier Ladestationen. ©VOL.AT/Mayer
Beim VOL.AT-Lokalaugenschein waren die Säulen und Parkplätze korrekt genutzt. ©VOL.AT/Mayer
Die Polizei ist bei den meisten E-Ladestationen nicht zuständig, da sie auf Privatparkplätzen liegen. ©Symbolbild: APA

Grauzone: Polizei hat bei Privatparkplätzen keine Handhabe

Lisa Aberer von der Pressestelle der LPD Vorarlberg weist darauf hin, dass viele E-Ladestationen auf Privatparkplätzen liegen, wo die Straßenverkehrsordnung (STVO) nicht greift. So etwa auch im Fall der Ladestationen beim Messepark in Dornbirn: Das sind Privatparkplätze, da hat die Polizei nichts damit zu tun", gibt Aberer nach Rücksprache mit der Landesverkehrsabteilung zu verstehen. In solchen Fällen liegt die Verantwortung laut der Polizei bei den Betreibern der Parkplätze - in Vorarlberg sind dies meist Unternehmen wie etwa der Messepark oder aber die illwerke vkw mit ihrer "vlotte". Die Polizei hat in diesen Angelegenheiten keine Befugnisse. Auch die Frage, wer auf dem Parkplatz bei der Ladestation stehen dürfe und wie lange, sei nicht so einfach beantwortet, so die Polizeisprecherin. Generelle Regeln gebe es keine, weil die meisten Ladesäulen auf Privatparkplätzen stehen und dort gilt die STVO nicht. Es gebe keine allgemeingültigen Regeln für den Umgang mit Falschparkern an E-Ladestationen, und die Entscheidung über mögliche Strafen obliege den jeweiligen Betreibern.

Jürgen Wagner vom ÖAMTC würde sich generelle Regelungen wünschen. ©Vorarlberg LIVE
Ein ladendes Elektroauto bei einer der vier Messepark-Ladestationen. ©VOL.AT/Mayer

ÖAMTC fordert klare Regelungen

Jürgen Wagner vom ÖAMTC Vorarlberg betont, dass bei Ladestationen auf Privatgrund die STVO nicht anwendbar ist, was die Durchsetzung von Regeln erschwert. Er spricht auch die Umstellung der Abrechnung von Ladezeit auf Kilowattstunden an, die zu einer effizienteren Nutzung der Ladestationen führen könnte. So wäre es etwa eine Überlegung wert, zusätzliche Parkgebühren zu erheben, sobald das Fahrzeug vollständig geladen sei. Das Schild "Parken nur für Elektroautos während des Ladevorganges" sei schön anzuschauen, habe aber rechtlich keine Relevanz: "Kein Polizist läuft hier vorbei und sagt: Ach, der lädt ja gar nicht, den strafe ich jetzt. Da muss eine Parkdauer verordnet sein – etwa eine Kurzparkzone", meint er. Er weist darauf hin, dass es noch keine einheitlichen Regelungen hierzu gibt. "Wenn jetzt jemand dort steht mit einem Verbrenner und drei andere möchten laden, dann würden wir ihm einen Zettel hinhängen: „Bitte park dort in Zukunft nicht mehr.“", meint Wagner. Auch eine Besitzstörungsklage wäre aktuell möglich. Der ÖAMTC plädiert für klare, durchgängige Regelungen, sieht aber aktuell noch keinen dringenden Handlungsbedarf, da die Anzahl der Ladesäulen in Vorarlberg ausreichend sei.

Ein Mann lädt beim vkw-Ladepark in Bregenz sein Auto. ©VOL.AT/Mayer
vkw-Kommunikationsleiter Andreas Neuhauser. ©vkw

Illwerke setzen auf Dialog und Bewusstseinsbildung

Viele der E-Ladestationen im Land sind solche der "illwerke vkw vlotte". Wie sieht man das Thema dort? "Wenn E-Autos nach dem Laden noch lange stehen bleiben, kommt grundsätzlich eine im Vertrag vereinbarte Blockiergebühr zum Tragen", gibt Kommunikationsleiter Andreas Neuhauser zu verstehen. "Wir treten mit den betroffenen Kundinnen aber auch in Kontakt, informieren sie über den Sachverhalt und berücksichtigen die jeweilige Situation", so der Unternehmenssprecher auf VOL.AT-Anfrage. Anders ist das bei herkömmlichen Autos, die vor Ladesäulen parken: "Wenn Verbrenner die Ladestation blockieren, sind uns leider die Hände gebunden. Verwarnungen oder Strafen auszusprechen, ist nicht möglich", verdeutlicht Neuhauser. Man setze auch hier auf Dialog und Bewusstseinsbildung. "Zudem achten wir auf eine gute Ausschilderung und Kennzeichnung der Parkplätze", meint er. "Solche Fälle kommen aber nur gelegentlich vor" Auch wenn Elektroautos die Ladestation blockieren und nicht laden, habe man nur die Möglichkeit, auf den Sachverhalt hinzuweisen und an die Vernunft der Autofahrer zu appellieren, betont Andreas Neuhauser.

Einheitliche Regelungen auf nationaler oder europäischer Ebene gefordert

Die Nutzung von E-Ladestationen in Vorarlberg nimmt aufgrund der steigenden Anzahl von Elektrofahrzeugen zu. Während Betreiber von Ladestationen versuchen, eine effiziente Nutzung zu gewährleisten, besteht weiterhin eine rechtliche Herausforderung im Umgang mit Falschparkern auf Privatparkplätzen. Der ÖAMTC betont die Notwendigkeit klarer Regelungen, sieht jedoch derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf. Das unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Regulierung, um die Verfügbarkeit und korrekte Nutzung von E-Ladestationen sicherzustellen.

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(VOL.AT)

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