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Blockbuster-Game "Starfield" im Test: Verloren im Weltall?

Heiß ersehnt und maximal gehypt: "Starfield" ist Faszination und Enttäuschung zugleich
Ländle Gamer

(PC, XBX) Für Microsoft stellt "Starfield" nach der Übernahme von Spieleentwickler und Publisher Bethesda nicht weniger als DIE große Blockbuster-Hoffnung dar: Ein Exklusiv-Titel nur für die neuen Xbox-Konsolen und PC. Das Game wurde im Vorfeld massiv beworben – als Meilenstein für RollenspielerInnen, Sci-Fi-Fans und Weltraum-EntdeckerInnen. Doch nach dem Release scheiden sich die Geister an "Starfield".

Denn alle Versprechen kann es nicht erfüllen: Das Spiel ist keine allumfassende Weltraumsimulation. Trotzdem punktet es dort, wo es wichtig ist: Als Rollenspiel mit überwältigend viel Spielraum.

"Starfield" versetzt uns ins Jahr 2033. Eingangs wollen wir nur ein metallisches Artefakt aus einer Mine bergen, doch das Ding hat es in sich. Kurz berührt verpasst es uns Visionen, die uns auf eine Odyssee durch den Weltraum schicken. Die Dimensionen sind beeindruckend: 1000 Planeten wollen bereist werden, teils handgemacht, teils prozedural generiert.

Dazu basteln wir uns zuerst eine Figur im Editor – Optik, Attribute und Hintergrundgeschichte sind dabei frei wählbar. Außerdem bekommen wir bald nach dem Einstieg ein kleines Raumschiff zur Verfügung gestellt. Die Gestaltung und Weiterentwicklung unseres Charakters im Spielverlauf ermöglicht rollenspiel-typisch vielfältige Lösungswege: Übermannen wir Gegner mit schierer Waffengewalt oder überrumpeln wir sie schleichend. Überzeugen wir Gesprächspartner mit Charme oder lehren wir sie das Fürchten. Sprengen wir das feindliche Raumschiff oder schießen bewegungsunfähig, damit wir es kapern können.

Freiheit wird in "Starfield" großgeschrieben. Statt einfach durch die Hauptgeschichte durchzurauschen (gut 20 Stunden), lädt das Universum zum Erkunden ein. Es warten unzählige Figuren (mit tonnenweise Dialog), neue Orte, Waffen und Ausrüstung, abenteuerliche Missionen und und und. Wer zum Beispiel einen bestimmten Skill aktiviert, muss seinen Eltern regelmäßig Geld überweisen, bekommt aber nützliche Geschenke. Wer auf dem Planet Nirvana 2 landet, findet Oktopus-Spinnen. Wer genau aufpasst, findet den Weg zum Geheimversteck eines planetaren Superhelden und kann dessen Identität annehmen – samt Anzug und Raumschiff. Alles ist möglich. Neulinge kann das fast überwältigen.

Die Freiheit ist allerdings nicht absolut. Ein großer Wermutstropfen ist, dass die 1000 Welten doch nicht wie einst angekündigt komplett frei erkundbar sind. Irgendwo (nach längerem Marsch) wartet immer eine unsichtbare Wand. Apropos Marsch: Leider hat das Game eine Ausdauer-Mechanik, die die Fortbewegung sehr einschränkt. Ständig geht einem die Luft aus. Dafür darf man aber mit dem Jetpack die Höhen und Tiefen der schön designten Levels erkunden. Wünschenswert wären jetzt nur noch Bodenfahrzeuge gewesen.

Auf den Weg mitnehmen, darf man zwar mehrere Kumpane. Aktiv dabei ist dann jedoch nur eine KI-gesteuerte Figur. Multiplayer-Modi gibt es nicht.

Das eigene Raumschiff kann aufgerüstet oder gleich durch neue ersetzt werden, die gekauft bzw. Gegnern abgenommen wurden. Man darf auch ein ganz eigenes Traumschiff zusammenbauen. Die Gefährte braucht man dann aber wesentlich zum Kämpfen. Eine richtige Simulation ist "Starfield" nicht. Statt selbst am Steuer seines Kreuzers durchs Universum zu navigieren, fliegt man simpel per Sternenkarte direkt zum Zielort.

Während die Steuerung von Figur und Flug-Gerät gut von der Hand geht, ist die Menüführung etwas verworren und zäh. Darüber muss man hinwegsehen können – wie auch noch über einige Bugs.

Fazit

Ausgerechnet beim wichtigsten Verkaufsargument der Hype-Maschinerie schwächelt "Starfield": Kein wirklich offenes Universum, keine komplett begehbaren Planeten und bestenfalls Weltraum-Fliegerei light. Schade. Aber dafür entschädigt (fast) alles andere: Die vielfältigen Rollenspiel-Aspekte, die Dialoge, die fantasievollen Welten samt all ihren Überraschungen. Man sollte allerdings eine kleine Eingewöhnungszeit einplanen. "Starfield" ist, wie in ein neues Zuhause ziehen: Anfangs noch ungewohnt braucht es ein kleines Weilchen, bis man sich wirklich Zuhause fühlt. Aber dann will man gar nicht mehr weg.

(VOL.AT/Ländle Gamer)

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