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Blair wird schon für neue Ämter gehandelt

London - Lange hat sich der Rückzug von Tony Blair vom Amt des britischen Premierministers angekündigt. Doch es wird kein endgültiger Abschied von der weltpolitischen Bühne.

Doch auch wenn er am kommenden Mittwoch nach zehn Jahren an seinen langjährigen Kronprinzen, Schatzkanzler Gordon Brown, übergibt, bedeutet das noch lange keinen Abschied von der weltpolitischen Bühne. Im Gegenteil: Dem einstigen Labour-Wunderkind fliegen die Angebote nur so zu. So will ihn sein Freund US-Präsident George W. Bush Medienberichten zufolge als neuen Nahost-Sondergesandten durchsetzen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy handelt Blair, der mit 54 Jahren noch lange nicht im Rentenalter ist, offenbar als neuen ständigen EU-Präsidenten.

Blair hatte bereits nach deutlichen Stimmenverlusten von Labour bei der Parlamentswahl 2005 versprochen, vor Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2010 abzutreten. Daraufhin wurden die Rücktrittsforderungen an Blair, der Großbritannien gegen den Widerstand der Bevölkerung und der eigenen Partei in den Irak-Krieg geführt hatte, jedoch auch in den eigenen Reihen immer lauter. Jetzt, wo er mit seiner Frau Cherie und den vier Kindern aus Downing Street ausziehen wird, könnten seine Verdienste jedoch wieder stärker in den Blickpunkt rücken.

Schließlich war Blair nicht nur der jüngste Regierungschef in Großbritannien seit fast zweihundert Jahren, als er 1997 mit 43 Jahren das Amt übernahm. Er ist auch der einzige Labour-Premierminister, der drei Parlamentswahlen hintereinander gewann. Nach seiner Wahl zum Labour-Vorsitzenden 1994 hatte er die traditionell linke Partei auf die politische Mitte ausgerichtet.

Bei seiner Karriere nutzte Blair seine charismatische Ausstrahlung, sein großes Redetalent und sein professioneller Umgang mit den Medien. Für seine Leistungen gestand ihm sogar der Tory-Politiker John Major, der ihm bei der Wahl 1997 deutlich unterlag, in seinen Memoiren „persönliche, politische und philosophische Stärken“ zu.

Sein Renommee könnte Blair nun nutzen, um in der Weltpolitik weiterhin ein Wörtchen mitzureden. Bush trug seinem engen Verbündeten, auch spöttisch Bushs Pudel genannt, laut einem Bericht des britischen Senders BBC das Amt eines Nahost-Sondergesandten an. Es ist vakant, seit Ex-Weltbank Chef James Wolfensohn es 2006 nach rund einem Jahr aus Frustration abgab. Blair selbst hat nach eigener Aussage noch keine Pläne für die Zeit nach kommenden Mittwoch: „Ich weiß es wirklich nicht“, sagte er diese Woche.

Frankreichs neuer Präsident Sarkozy brachte Blair nach Information der „Financial Times“ bei seinen EU-Kollegen für das Amt des ständigen Präsidenten der Europäischen Union ins Gespräch, das mit dem neuen EU-Vertrag geschaffen werden soll. Dabei störte sich Sarkozy offenbar nicht daran, dass Blair nicht vorbehaltlos hinter dem Vertragsentwurf steht und vor dem EU-Gipfel sogar mit einer Ablehnung drohte.

Seinem Nachfolger Brown hinterlässt der Pragmatiker Blair ein Land mit blühender Wirtschaft, in dem sich die Mittel für Erziehung seit 1997 verdoppelt, die für Gesundheit verdreifacht haben. Auch der Mindestlohn, die Homo-Ehe und eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze gehören zu Blairs Hinterlassenschaften. Bei seiner letzten Kabinettssitzung erntete der scheidende Premier stehenden Applaus. Brown ehrte seinen langjährigen Chef mit den Worten: „Was immer wir in der Zukunft erreichen werden, schaffen wir, weil wir auf deinen Schultern stehen.“

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