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Biologischer Super-GAU: Marmarameer für tot erklärt

Marmarameer in der Türkei
Marmarameer in der Türkei ©Bild von Paolo Bendandi auf unsplash
Im Mai diesen Jahres ist im Marmarameer bei Istanbul die Schleimkatastrophe ausgebrochen. Der Schleim trieb an vielen Stellen an der Oberfläche, wurde an Küsten gespült und machte Fischern sowie Badegästen schwer zu schaffen. Inzwischen wurde das Binnenmeer von Meeresbiologen für tot erklärt.

Die Meeresschleimkatastrophe im türkischen Marmarameer hat gravierende Auswirkungen auf dessen Ökosystem. "Insgesamt sind bereits 60 Prozent der Spezies verschwunden", sagte der Hydrobiologe Levent Artuz der Deutschen Presse-Agentur.

Produkt von Klimawandel und Umweltverschmutzung

Der Meeresschleim, auch "Meeresrotz" genannt, ist ein Ausscheidungsprodukt von Algen und lagert sich auf der Wasseroberfläche ab, wo er als zähflüssiger, grauer Schleim sichtbar wird. Die dafür verantwortlichen Algen vermehren sich verstärkt aufgrund steigender Temperaturen, welche auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Ungefiltertes Abwasser, dass den Meeren vor allem in Großstadtregionen wie Istanbul in großen Mengen zugeführt wird, begünstigt die Schleimbildung zusätzlich. Nicht nur das Marmarameer ist von der Schleimplage betroffen, auch das angrenzende Schwarze Meer und die Ägäis sind in Gefahr.

Irreversible Schäden und katastrophale Folgen

Doch der Schleim lagert sich nicht ausschließlich auf der Wasseroberfläche ab, sondern auch am Meeresboden, wie Unterwasseraufnahmen zeigen. Dort sorgt er unter anderem dafür, dass Korallen ersticken und so ihrer elementaren Funktion, nämlich dem Filtern von Wasser, nicht mehr nachgehen können. Gravierend ist vor allem auch der negative Einfluss des Schleims auf das Zooplankton, von dem sich ein Großteil der Fische ernähren. Nimmt dessen Menge ab, so wird auch die Fischpopulation weniger. Bereits im Mai haben Meeresbiologen von einem Massensterben der Meereslebewesen gewarnt. Mittlerweile sind in dem Mittelmeergebiet über 60 Prozent der Spezies verschwunden. Istanbul war vor allem für Makrelen, Thunfisch und Schwertfisch bekannt. Die diesjährige Fangmenge ist allein gegenüber dem letzten Jahr um 90 Prozent zurückgegangen, wie es Ende Juli hieß.

Globale Klimapolitik und Schutzzonen notwendig

Die Regierung reagierte auf den Ausbruch im Mai und ließ Teile des Schleims abschöpfen. Auf lange Sicht brauche es neben einer globalen Klimapolitik, die dem Temperaturanstieg entgegenwirke, vor allem aber eine bessere Verarbeitung von Abwasser in der Türkei. Außerdem werden Schutzzonen gefordert, durch die sich das Meer und seine Bewohner erholen könnten. Zudem würden solche Zonen eine intensivere Ursachenforschung ermöglichen. Es bleibt zu hoffen, dass umliegenden Gewässern nicht das gleiche Schicksal droht.

(DPA/VOL.AT)

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