Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Biologika als Zaubermittel

Dr. Strohal plädierte beim Minimed-Abend in Wolfurt für neue Medikamente gegen Schuppenflechte.
Der Minimed-Vortrag als Video

Mit Primar Univ.-Dozent Dr. Robert Strohal war wieder eine absolute Koryphäe im Wolfurter Cubus zu Gast – der Leiter der Dermatologie des LKH Feldkirch präsentierte die allerneuesten Erkenntnisse zum Thema Schuppenflechte. Und der Experte stellte gleich zu Beginn klar: „Psoriasis ist eine Erkrankung des gesamten Organismus, nicht nur der Haut. Und die sie kann sogar zum Herzinfarkt führen – wir Ärzte waren erschüttert, als diese Forschungsergbnisse herausgekommen sind.“

11.000 Vorarlberger, zumeist zwischen 15 und 55 Jahren, sind betroffen. Die gute Nachricht: Psoriasis verschwindet zwar bei manchen Patienten plötzlich, ist aber eigentlich nicht heilbar – dennoch ist sie gut behandelbar: „Man muss einfach konstant arbeiten, damit die Erkrankung weggeht“, betonte der Primar.

Die T-Zellen machen Ärger

In der Schuppenflechtenhaut tauchen die körpereigenen T-Zellen (eigentlich Abwehrmechanismen gegen Krebszellen etc.) völlig sinnlos auf und fangen an, eine Entzündungsreaktion einzuleiten. Schnelle Wucherung und abnormales Wachstum der Hornzellen sind die Folgen. Typischerweise an Knie und Ellenbogen kommt es zu Schuppen, die mit Juckreiz, Rötung, verhärteter, blutender Haut, allgemeiner Müdigkeit und Nagelerkrankungen einhergehen. Erbfaktoren und die Umwelt spielen eine Rolle, ansteckend ist das ganze nicht, so Strohal: „Sie kommt von innen, nicht von außen, daher ist Psoriasis nicht ansteckend.“

 

Bei Betroffenen findet aber oft der gesamte Körperkontakt nicht mehr statt, die Patienten beklagen große psychische Probleme. Der Primar: „Es kommt zum kompletten Rückzug und in der Folge zu Depressionen. Die Schuppenflechte ist eine große Erkrankung der Medizin mit mit unglaublich grausamen Folgen für die betroffenen Patienten. In weiterer Folge sind massive Schädigungen der Knochen, vor allem der Gelenke, bis hin zu echten Verkrüppelungen möglich (Schuppenflechten-Rheuma, Psoriasis-Arthritis) – am Ende kann es bis zur lebensbedrohlichen Schuppenflechte kommen.

Strohal: „Inzwischen können viele Probleme vermieden bzw. behandelt werden. In sieben von zehn Fällen hat der Patient über Jahre hinweg Schuppenflechte, dann erst Rheuma – wir mussten als Hautärzte lernen, das ernst zu nehmen und schnell zu reagieren, um dies zu verhindern!“ Nagelverletzungen sind ein Indikator, dass in den Gelenken etwas passiert.

Einfacher Handflächentest

Entscheidend ist, wie stark die Schuppenflechte schon ausgeprägt ist – was mit einem Test auf der Handfläche leicht zu erkennen ist. Die Behandlung erfolgt anfänglich durch Salben, im fortgeschrittenen Stadium sind mit der Phototherapie (UVA- und UVB-Behandlungen in speziellen Kabinen) gute Erfolge ohne Hautschaden möglich.

 

Das Maß der Dinge ist die Medikamententherapie: Diese Behandlung mit speziell erzeugten Biologika ist allerdings sehr teuer (bis zu 20.000 Euro pro Jahr), und kann daher nur nach einem mit der Krankenkasse abgestimmten Schlüssel beansprucht werden – wenn andere Therapien nicht ansprechen. „Biologika sind neueste Waffen gegen die Schuppenflechte“, schwärmte Strohal für die Wunderpillen, „auch wenn die genaue Wirkungsweise noch nicht erforscht ist: Verstehen tun wir es nicht, wir stellen es nur fest!“

Die Regelung, wer diese Mewichtig, bekommt, schon sehr gut, denn: „Es ist ganz wichtig, dass es die bekommen, für die es wirklich notwendig ist.“funktioniert laut Strohal    VN-am

FRAGEN AUS DEM PUBLIKUM

Einige ihrer Bilder zeigten eine enorme Verbesserung durch die Behandlungen – hält das auch an?

Dr. Strohal: Wie ich am Beginn schon gesagt habe, eine endgültige Heilung haben wir nicht. Aber die gibt es vom Bluthochdruck auch nicht – sie müssen den Rest ihres Lebens Tabletten schlucken. Bei den Biologika wird in vielen Fällen durchgehend dauerhaft therapiert. Ich bin ein Feind dieses Konzepts, weil ich glaube, dass einige Patienten es dann gar nicht mehr brauchen. Nach einem Jahr hören wir auf, und schauen, was passiert – wenn es weitergeht, kriegt der Patient das Mittel wieder.

Sie machen Studien – gibt es Tiere, mit denen man die Medikamente testen kann?

Dr. Strohal: Es gibt eine klare Vorgabe durch die Arzneimittelkommission, dass kein Medikament ohne umfangreiche Testung auf den Markt darf. In Phase eins und zwei geht es weniger um die Wirkung, sondern mehr um die Sicherheit, mit etwa 10.000 Patienten. Bevor es zugelassen wird, müssen in der Phase noch einmal 20.000 Patienten überprüft werden. Wir dürfen in Vorarlberg immer schon Studien mit den neuesten Medikamenten machen, dass ist ein großer Vorteil für uns. Tierversuche machen wir dabei überhaupt keine!

An wen soll ich mich als Betroffener wenden?

Dr. Strohal: Ich bin ganz dankbar, wenn Sie das sagen. Wir als Dermatologie sind unglaublich bescheiden und dankbar für das Vertrauen, aber wir sind eine kleine Abteilung, die im letzten Jahr 22.000 Patienten-Kontakte gehabt hat. Das ist eine dramatisch hohe Frequenz. Insofern müssen wir drauf schauen, dass wir das, wofür wir zuständig sind, auch machen. Ein Hautausschlag, normale 0815-Dinge, sind Sache des Hausarztes. Wenn Sie eine schwere Schuppenflechte haben, sind wir durch die Zuweisung über den Hausarzt oder einen Hautarzt für Sie zuständig. 

Wenn Nägel betroffen sind, ist eine Folge oft die Ausweitung auf die Gelenke. Was kann man in Richtung Prophylaxe tun?

Dr. Strohal: Der Befall der Nägel ist bei zwei bis vier Prozent der Patienten zu sehen – dann müssen wir schnellstens reagieren. Es gibt Erkrankungen, wo der Patient sagen kann, ich gehe einen anderen Weg. Das ist eine riskante Entscheidung, die man in vielen Fällen treffen kann, ohne dass etwas passiert. Bei der Psoriasis, beim Gelenksrheuma, ist das eine Horrorentscheidung – sie haben anhand der Bilder gesehen, was in einem Jahr passieren kann. Der Patient wird sicher eine Schonung erfahren, wird krankgeschrieben – das ist eine schreckliche Situation. Aber die Patienten, die Biologika bekommen, reden alle von einem neuen Leben. Prophylaktisch kann man gegen diese Entzündung nichts machen – man muss es als schicksalshaften Prozess, der plötzlich eintritt, sehen.  

Wie lange dauert so eine Bestrahlungseinheit?

Dr. Strohal: Das ist unterschiedlich, und eine Kunst. Wir müssen uns an der Sonnenbrand-Dosis hinaufhanteln. Wir bekämpfen Feuer mit Feuer – je teurer die Kabine, desto besser ist sie auch.

Der Minimed-Vortrag als Video

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorträge
  • Biologika als Zaubermittel
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen