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Biographie über Anna Netrebko

"Focus"-Redakteur Gregor Dolak porträtiert die 34-jährige russische Sopranistin mit Wissen aus Interviews und Klatschspalten. 

Anna Netrebko macht nicht nur durch spektakuläre Auftritte auf der Bühne, sondern auch durch kesse Sprüche abseits der heiligen Opernhallen von sich reden. Ihr amerikanischer Manager, Jeffrey Vanderveen, weiß die Diva geschickt irgendwo zwischen Callas und Madonna zu platzieren, wie der “Focus”-Redakteur Gregor Dolak in der Biografie “Anna Netrebko, Opernstar der neuen Generation” (Heyne) zeigt.

Der kometenhafte Aufstieg der jungen Schönheit Netrebko nach ihrem strahlenden Erfolg als Donna Anna in der Salzburger “Don Giovanni”-Inszenierung von Martin Kusej 2002 kam nicht von ungefähr. Zwei Linien zieht der (nicht autorisierte) Biograf: Den Weg der kleinen Anna von der begeisterten Operetten-Besucherin über das harte Training am Konservatorium in St. Petersburg bis in das Ensemble des berühmten Mariinskij-Theaters auf der einen Seite und die Bemühungen des Managers und der Marketingstrategen auf der anderen.

Die Netrebko, ein gemachter Star – das glaubt Dolak selber nicht. Die Netrebko, ein interessantes Objekt für die schwächelnde Klassikindustrie – dazu kann Dolak nicht viel Neues bringen. So offenherzig sich Jugendfreundinnen über die Geltungssucht der kleinen Anna auslassen, so zugeknüpft geben sich die Managerkollegen, wenn es über Informationen zum “Big Player” Vanderveen geht.

Dolaks Biografie ist ein Buch zur Stunde, passend zum Hype um die Sängerin. Interviews mit Netrebkos Vater, ihrer ehemaligen Gesangslehrerin und Kollegen geben die Basis, Klatschspalten-News den Zuckerguss. Auf Hochglanzfotos sieht man Anna beim Shoppen, Anna beim Opernball, Anna mit ihrem Freund, Anna – ja, auch – auf der Bühne. Mit Hintergrundwissen zu Opern und Gesangstechnik für Laien gewinnt Dolak ein paar Seiten, wie auch mit vielfachen Wiederholungen der schon in Interviews gegebenen Informationen im Fließtext.

Netrebkos Spagat zwischen dem Geschmack der Masse und dem seriösen Operngesang, den sie auf höchstem Niveau zu bieten hat, ist ein Eiertanz der Glaubwürdigkeit, so viel wird klar. Die Forcierung des Erfolgs auch auf Kosten des verantwortungsvollen Umgangs mit dieser Stimme, die so viel Gold wert ist, ist ein weiterer heikler Punkt. Zur Violetta aus Verdis “Traviata” etwa sagt Netrebko: “Eine sehr schwierige, dramatische Partie. Sie ist gefährlich für die Stimme. Am liebsten möchte ich sie jetzt mal ein paar Jahre ruhen lassen.” Doch genau mit dieser Rolle steht sie bei den kommenden Salzburger Festspielen im Rampenlicht.

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