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Billie Eilish: "Ich habe das verrückteste Leben, das man sich nur vorstellen kann"

Die Pop-Sängerin Billie Eilish ist erst 17 Jahre alt.
Die Pop-Sängerin Billie Eilish ist erst 17 Jahre alt. ©APA/AFP/GETTY IMAGES
Im Interview erzählt der erst 17 Jahre alte Pop-Superstar, wie sie nach längerer Durststrecke ihren Spaß an der Musik wiederentdeckte.

Frage: Während der vergangenen Wochen und Monate hat ja ein Erfolgserlebnis das nächste gejagt. Kann es eigentlich noch besser werden?

Antwort: Oh Mann, sag du es mir. Es stimmt wohl, dass ich das verrückteste Leben vor mir habe, das man sich nur vorstellen kann. Gerade die letzten Monate waren ziemlich großartig, das kann man nicht anders sagen. Aber ich muss ehrlich sein - davor lief es Jahre lange auch einfach ziemlich beschissen.

Frage: Und was hat sich in der Zwischenzeit geändert? Warum läuft es auf einmal so gut?

Antwort: Ich hab mich einfach sehr lange mies gefühlt, wusste nicht genau, was ich da überhaupt mache. Ich hielt es für dämlich und dachte, dass es das nicht wert ist. Und dann bin ich auf einmal an diesem Punkt angekommen, an dem ich mittlerweile bin: Es hat einfach "Klick" gemacht. Und plötzlich machte alles einen Sinn. Auf einmal wusste ich, warum es vorher nicht geklappt hatte. Ich kann das nicht genau erklären, ich wusste es einfach.

Frage: Und diesen Wandel hast du alleine vollzogen? Gerade bei jungen Künstlern wird ja immer spekuliert, wie viel von außen "fremdgesteuert" wird?

Antwort: Ja, das ist echt lustig. Vor allem bei Menschen aus Los Angeles denken die meisten immer, dass du mächtige Leute im Hintergrund hast, die dich hochziehen, die dich in diese Position gebracht haben. Aber das stimmt einfach nicht. Ich komme aus einer normalen Familie, wir waren nicht reich oder sonst irgendwas. Und deshalb kann ich heute sagen: "Bro': Ich war das. Ich ganz allein!".

Frage: So ganz alleine warst du ja trotzdem nicht - deine Musik schreibst du beispielsweise mit deinem älteren Bruder Finneas. Hat sich eure Beziehung dadurch in irgendeiner Weise verändert?

Antwort: Total! Erst vor kurzem meinte er zu mir, wenn wir nicht angefangen hätten, zusammen Musik zu machen, stünden wir uns heute garantiert nicht so nahe. Ich meine, wir sind immer gut klargekommen, wir waren immer Freunde. Aber das Komponieren, das Arbeiten an der Musik - das hat uns wirklich zusammengeschweißt. Er ist mein bester Freund. Und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es ist, ihn nicht um mich zu haben.

Frage: Ihr beide seid ja zurzeit zusammen auf Tour. Arbeitet ihr da schon an neuer Musik?

Antwort: Das machen wir die ganze Zeit. Aber ehrlich gesagt habe ich erst seit einigen Monaten, seit meiner Tour durch Australien, wieder richtig Lust, Musik zu machen. Ich weiß, dass das dämlich klingen mag, schließlich bin ich erst 17. Aber ich habe mit 11 Jahren meinen ersten Song geschrieben. Ich mache das also schon eine ganze Weile. Und weil es lange Zeit so extrem hart war, ich mich oft unglücklich gefühlt habe, habe ich das Musikmachen einfach nicht genießen können.

Frage: Also hattest du trotz des Erfolges, trotz der Konzerte und der ganzen positiven Publicity, keinen Spaß mehr an der Musik?

Antwort: Nein, ich habe es zu der Zeit wirklich nicht mal eine Minute genossen. Das war eine Zeit, in der dachte ich: Das ist Mist. Ich kann es nicht ausstehen. Ich möchte das nicht machen.

Frage: Und woran hat das gelegen? An der Erwartungshaltung der Fans - oder dem generellen Druck, dem sich junge Künstler in der Musikindustrie ausgesetzt sehen?

Antwort: Ach, Musikindustrie - das Wort ist eigentlich kompletter Unsinn. Ich glaube, die "Industrie" ist einfach nur ein Wort, das Menschen benutzen, um diese grundsätzliche "Negativität" zu beschreiben. Aber am Ende des Tages sind das auch nur Menschen. Es gibt da blöde Menschen und coole Menschen. Das war's. Das ist wie im wirklichen Leben auch.

Frage: Also lag es tatsächlich eher an der Musik selbst?

Antwort: Ja, ich denke schon. Zu dieser Zeit haben mein Bruder und ich uns sehr unter Druck gesetzt, um das Album rechtzeitig fertig zu bekommen, wir wollten es unbedingt rechtzeitig schaffen.

Frage: Am Ende kam das Album ja pünktlich auf den Markt - fiel da der Druck von dir ab, und die Freude an der Musik kam zurück?

Antwort: Ja, sobald das Album rausgekommen war, beruhigte sich alles, und die Fans bekamen endlich das, wonach sie so sehr verlangt hatten. Man könnte sagen, dass ich sie dann endlich "füttern" konnte. Sie waren vorher wirklich extrem hungrig, verdammt gierig. Die positiven Reaktionen daraufhin - es war, als würden sie sagen: "Danke, Mum".

Frage: Und mit der Zufriedenheit der Fans kam dann auch die eigene Zufriedenheit zurück?

Antwort: Nicht ganz. Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Das Album "Thank U, Next" von Ariana Grande hat letztendlich dafür gesorgt, dass ich wieder Lust aufs Schreiben bekommen habe. Ich habe das Album permanent im Flugzeug gehört - und dabei das erste Mal seit langer Zeit das Bedürfnis verspürt, selbst wieder Musik zu machen.

Frage: Was war das dann für ein Gefühl?

Antwort: Das hat sich so gut angefühlt, weil dieses Gefühl so lange weg war. Das hatte mir damals wahnsinnige Angst gemacht, die Musik ist schließlich mein Leben. Der Dank gebührt also wirklich Ariana.

Frage: Und in welche Richtung soll es musikalisch gehen? Gerade die Songs auf dem letzten Album waren ja etwas düsterer, könntest du dir vorstellen, dass du in Zukunft ganz anders klingen wirst?

Antwort: Definitiv. Ich hänge nicht an diesem einen Stil. Selbst die Lieder, an denen ich zurzeit arbeite, klingen schon ganz anders. Es nervt mich, dass Menschen mich ansehen und denken, dass ich "gruselig" rüberkommen möchte - dass sie mich darauf reduzieren. Unheimlich und gruselig zu wirken, war ehrlich gesagt nie meine Intention. Es war immer meine Intention, interessante Kunst zu kreieren - Kunst, die fasziniert.

ZUR PERSON

Die US-amerikanische Singer-Songwriterin Billie Eilish ist der wohl erfolgreichste Teenager der Welt. Mit gerade mal 17 Jahren bricht sie Streaming-Rekorde, füllt weltweit Stadien und ziert das Cover des "Rolling Stone"-Magazins. Ihr Debütalbum "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?" erreichte in den USA, Großbritannien und anderen Ländern Platz 1 der Charts.

Konzertkritik - Billie in Hamburg

Im neongrünen Hosenanzug, mit grün gefärbten Haaren, steigt sie direkt mit ihrem Welthit "Bad Guy" ein - es ist wie ein Versprechen, dass sich das lange Warten auf die Ausnahmekünstlerin gelohnt hat.

In diesem ekstatischen Moment scheint sich tatsächlich eine kollektive Vorfreude zu entladen, die sich spürbar schon den ganzen Tag über bei den Besuchern aufgebaut hatte. Denn normalerweise ist es symptomatisch für dieses bunte, verrückte Festival, dass sich die Menge der Festivalbesucher großzügig auf die vielen Haupt- und Nebenbühnen verteilt, dass man sich eben ziel- und planlos treiben lässt, immer den Bässen und Gerüchen nach.

Interesse hauptsächlich an Billie

Zu entdecken gibt es schließlich auch am Freitag einiges: Von "Do-it-Yourself"-Werkstätten, in denen man eigene Seife produzieren kann, über aufwendige Kunstinstallationen, Independent-Shops und zahlreiche Food-Trucks, in denen sich die vom Dauertanzen Ausgemergelten eine Stärkung holen können. Und auch musikalisch erwartet einen in jeder Ecke eine andere Klangwelt: egal ob dicke Technobeats im backsteinfarbenen Märchenschloss - oder Retroklassiker bei der "Silent Disco" im Zirkuszelt.

Doch an diesem ersten Tag fällt auf, dass sich die Traube vor der Hauptbühne, dem "Grossschot", auch im Laufe des Tages kaum auflösen will. "Ich möchte mir jetzt schon einen Platz sichern, für heute Abend, für Billie!", sagt eine junge Frau, die sich schon gegen 17 Uhr unweit der Bühne auf den staubigen Boden setzt. Bis es so weit ist, muss sie sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch lange gedulden.

"Absoluter Glücksgriff"

"Das war ein absoluter Glücksgriff. Wir hatten früh Interesse an ihrem Auftritt gezeigt. Damals hatte ja auch keiner ahnen können, wie groß sie wird", sagte eine Sprecherin der Veranstalter. Die Tausenden Fans reagieren entsprechend euphorisch, streckenweise gibt es auf dem Areal weitflächig kaum noch ein Durchkommen. Vereinzelt entstehen an den Rändern sogar kleinere Moshpits - Kreise tanzender Menschen.

Letztendlich läuft bei dem Auftritt zwar nicht alles perfekt: Das Mikrofon ist beispielsweise deutlich zu leise eingestellt, so dass man den Jungstar eigentlich nur unmittelbar vor der Bühne wirklich gut verstehen kann. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch: einen Blick auf diesen aufgehenden Stern am Pophimmel werfen zu können, scheint für die meisten an diesem Abend vollkommen auszureichen.

(DPA)

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