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"Bildungsvererbung" in Österreich hängt von Sichtweise ab

Je nach Sichtweise ist Österreich ein "Land der Bildungsaufsteiger"
Je nach Sichtweise ist Österreich ein "Land der Bildungsaufsteiger"
Der Bildungsstand wird in Österreich im internationalen Vergleich stark vererbt - zu diesem Schluss kommen immer wieder Studien der OECD bzw. der Statistik Austria. Anders sieht dies eine am Mittwoch präsentierte neue Untersuchung der Agenda Austria, die Österreich sogar als "Land der Bildungsaufsteiger" einordnet. Grund sind methodische Unterschiede und unterschiedliche Betrachtungsweisen.


2015 wies die OECD für Österreich in ihrer Studie “Bildung auf einen Blick” für Österreich lediglich eine sogenannte Aufstiegsmobilität von 21 Prozent auf, einer der geringsten Werte in der OECD : Das heißt, dass nur 21 Prozent der 25- bis 34-Jährigen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern erreichen.

Für Studienautor Wolfgang Feller von der Agenda Austria ist diese Darstellung allerdings verzerrt. Die OECD ordne die Bildungsabschlüsse nur drei Stufen zu (maximal Pflichtschule und Hochschulabschluss als die beiden Pole, dazwischen liegen alle anderen Abschlüsse). “Hat der Vater eine Lehre abgeschlossen und die Tochter eine HAK-Matura, ist das für die OECD kein Bildungsaufstieg.” Außerdem würden nur die 25- bis 34-Jährigen betrachtet, was die teils langen Studiendauern in Österreich nicht abbilde, so Feller vor Journalisten. So hätten immerhin 15 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Österreich ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen.

Um dem vielfältigeren österreichischen System besser gerecht zu werden, hat Feller die Gruppe der 35- bis 44-Jährigen herangezogen und die Abschlüsse in fünf Gruppen geteilt: maximal Pflichtschule, Lehre bzw. berufsbildende mittlere Schule, Höhere Schule/Matura, Akademien (z.B. die früheren Pädagogischen Akademien) und Fachhochschule/Universität. Bei einem Vergleich des jeweils höchsten Abschlusses des Vaters bzw. der Mutter würden demnach 45 Prozent zu den Bildungsaufsteigern zählen, 42 Prozent würden in der gleichen Gruppe bleiben, 13 Prozent wären Absteiger.

“So schlecht schaut es nicht aus”, folgert Feller aus dieser nationalen Berechnung. Ähnliches gelte für die Zahl der Nicht-Akademikerkinder an den Unis. 42 Prozent der inländischen Studienanfänger kommen aus einem Haushalt, in dem weder Vater noch Mutter Matura haben. Aus einer “Akademikerfamilie” stammen demgegenüber nur 24 Prozent. Einschränkung: Da insgesamt nur etwas mehr als zehn Prozent einen akademischen Abschluss haben, sind die Akademikerkinder an den Unis noch immer überrepräsentiert.

Weiterer Kritikpunkt der Agenda Austria: Sämtliche Untersuchungen würden lediglich diese Perspektive der “Elterngeneration” einnehmen: Dabei wird etwa danach gefragt, wie viel Prozent z.B. der 25- bis 44-Jährigen aus einem Elternhaus mit akademischer Bildung selbst einen akademischen Abschluss erreichen. Betrachte man dagegen die Perspektive der “Kindergeneration” (“Wie viel Prozent der 25- bis 44-Jährigen mit einem akademischen Abschluss kommen aus einem Elternhaus, in dem zumindest ein Elternteil akademisch gebildet ist”), sehe das Bild anders aus. Da zeige sich, dass bei mehr als drei Viertel der Akademiker im Alter von 25 bis 44 Jahren weder Vater noch Mutter einen akademischen Abschluss haben.

In einer Gruppe sei die Vererbung der Bildungsabschlüsse aber tatsächlich sehr stark, betonte Feller: Bildungsferne Schichten, also vor allem Personen aus Haushalten mit Eltern mit maximal Pflichtabschluss bzw. einer Lehre oder berufsbildenden mittleren Schule, gelingt der Aufstieg tatsächlich selten. Daher liege auch der Schluss nahe, genau dort anzusetzen und massiv in frühkindliche Bildung zu investieren. Eine Schlüsselrolle komme auch den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) zu, wo die Zahl der Schulabbrecher reduziert werden müsse.

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