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Bildungsreform führt zu Verunsicherung in Vorarlberg

Bundesminister Heinz Faßmann besucht eine Volksschule.
Bundesminister Heinz Faßmann besucht eine Volksschule. ©APA/BUNDESKANZLERAMT/DRAGAN TATIC
Die Pläne der Bundesregierung im Bildungsbereich führen bei Eltern, Pädagogen und bei Bildungsexperten zu großer Aufregung. Die ersten Proteste sind angekündigt, NEOS, SPÖ und Grüne in Vorarlberg kritisieren scharf.

„Es ist kaum zu glauben, dass hier – wider aller wissenschaftlichen Erkenntnisse – Entscheidungen getroffen werden, die nur einen Zweck haben: ideologische Grabenkämpfe zu schüren. Wir stecken mitten in einem Bildungschaos. Die Lehrpläne sind nicht fixiert, es werden Stunden gekürzt, und wir haben keine ausreichende Anzahl an Lehrpersonal. Die Vorarlberger Landesregierung sieht dabei untätig zu,“ kritisiert NEOS-Landessprecherin Sabine Scheffknecht scharf.

Streitthema Deutschklassen

Dazu komme, dass gerade in Vorarlberg nun immer mehr Direktorinnen und Direktoren Alarm schlagen. Die neuen Deutschklassen würden nämlich nicht nur für Kinder mit Migrationshintergrund Nachteile bringen, sondern auch für die meisten anderen Kinder. Grund dafür seien die damit verbundenen Stundenkürzungen im Vorschulbereich und im Bereich der außerordentlichen Schüler. Die Landtagsabgeordnete reagiert auf diese „Kürzungen durch die Hintertür“ verärgert: „Mir wurden Beispiele gezeigt, in denen größere Schulen einen Großteil ihrer frei verfügbaren Stunden verlieren. Hier wird uns Frau Landesrätin Schöbi-Fink Rede und Antwort stehen müssen. Wenn es wirklich so ist, dass die neuen Deutschklassen nichts weniger sind, als ein massives Sparpaket im Bildungsbereich, dann ist das nicht tragbar!“

Lehrermangel

Vorarlberg sei nicht nur weit davon entfernt, so viele Lehrerinnen und Lehrer zu haben, dass die Besten für die Kinder ausgesucht werden können – der Lehrermangel ist laut Scheffknecht bereits eingetreten. Nur mit perfekt ausgebildeten, motivierten und engagierten Lehrerinnen und Lehrern sei es möglich, „Bildungslang Nummer 1“ zu werden. „Dafür müssten zuerst die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, ist Scheffknecht überzeugt und erklärt: „Wir brauchen dringend mehr Fächer an der PH Vorarlberg, und wir brauchen gute Modelle für Quereinsteiger. Es muss möglich sein, dass Fachexperten mit einer Zusatzausbildung in Pädagogik rasch und flexibel unterrichten können.“

Wallner gegen Kurz

Scheffknecht sieht vor allem die Vorarlberger ÖVP mit als Verursacher für das aktuelle Chaos. Frau Landesrätin Schöbi-Fink habe von ihrer eigenen Partei ein Ressort im desolaten Zustand zugewiesen bekommen. Zudem würde weder die Landesrätin noch Landeshauptmann Markus Wallner die nötige Durchsetzungskraft haben, um Forderungen im Sinne der Vorarlberger Bevölkerung bei der Bundesregierung geltend zu machen. „Nach der Pflege, den Krankenkassen und den neuen Regelungen zur Mindestsicherung, werden wir nun auch in der Bildungsfrage von der Bundesregierung im Regen stehen gelassen“, so Scheffknecht.

SPÖ fordert Aus für „Deutschförderklassen“

Die SPÖ sieht sich in ihrer Kritik an den von der Bundesregierung geplanten „Deutschförderklassen“ bestätigt. So würden die Schulen bei der Umsetzung völlig im Stich gelassen. SPÖ-Bildungssprecherin Gabi Sprickler-Falschlunger drängt daher auf eine sofortige Beendigung aller diesbezüglichen Pläne. „Unsere Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten. Die von der Regierung geplanten Maßnahmen sind ein völliger Murks. Offensichtlich herrscht im Bildungsministerium reines Chaos. Der Bildungsminister muss die Notbremse ziehen und das Projekt stoppen. Für Schüler, Eltern und Lehrer wäre alles andere eine Zumutung“, so die Sozialdemokratin.

Unterstützung für Notwehrmaßnahmen

Gabi Sprickler-Falschlunger stellt sich hinter die Personalvertretung der Lehrer und die Lehrergewerkschaft. „Ich kann den Unmut von Schulleitern und Lehrern verstehen. Die Bundesregierung ist nicht dazu fähig, den Schulen ein klares Konzept und die notwendige Unterstützung für die Umsetzung anzubieten. Daher zwingt sie den Schulen den Boykott der unsinnigen ‚Deutschförderklassen‘ regelrecht auf. Das wäre reine Notwehr“, erklärt Sprickler-Falschlunger.

Landeshauptmann ist Schulen in den Rücken gefallen

Kritik richtet sie an Landeshauptmann Markus Wallner. Im vorauseilenden Gehorsam gegenüber seinem Bundesparteiobmann Sebastian Kurz habe der Landeshauptmann sofort bei der Ankündigung des Projekts eine Umsetzung zugesichert. „Diese Unterwürfigkeit gegenüber der Bundesregierung muss jetzt an den Schulen bezahlt werden – mit massiver Verunsicherung und Planungschaos. Hier ist der Landeshauptmann den Schulen in den Rücken gefallen“, stellt die rote Bildungssprecherin fest. Sie verlangt, dass der Landeshauptmann den entstandenen Schaden wiedergutmacht und er sich in Wien für einen sofortigen Stopp aller Bemühungen in Richtung „Deutschförderklassen“ einsetzt.

Grüne fordern Unterstützung und Klarheit

„Die schwarz-blaue Bundesregierung hinterlässt ein völliges Chaos an Vorarlbergs Schulen, was die Umsetzung der separierenden Deutschklassen betrifft. Weder die Finanzierung noch der organisatorische Rahmen und die erforderlichen Räumlichkeiten stehen fest“, kritisiert der Grüne Bildungssprecher Daniel Zadra in einer aktuellen Anfrage an Landesrätin Schöbi-Fink, in der er gemeinsam mit der Grünen Integrationssprecherin Vahide Aydin um Aufklärung ersucht, was Vorarlbergs Schulen erwartet und welche Unterstützung sie erhalten.

Die Grünen befürchten, dass mit den schwarz-blauen Plänen die bisherigen Integrationsbemühungen an den Schulen zunichte gemacht werden. „In Vorarlberg haben wir immer auf gemeinsames Lernen im Schulverband mit zusätzlichen Deutschförderklassen gesetzt. Dass die Kinder nun getrennt werden, wird sich negativ auf die Deutsch-Lernerfolge sowie auf die Integration auswirken“, ist sich Aydin sicher.

Aydin kritisiert Streichungen

Insbesondere die Streichung der Integrationstopfes, mit dem zahlreiche Sprachstartgruppen, Sprachförderkurse, begleitende pädagogische Integrationsmaßnahmen und Schulsozialarbeit an Vorarlbergs Schulen finanziert wurden, sehen die Grüne kritisch. „Die Kürzungen bei der schulischen Integration und die Politik der Auslese werden uns alle auf den Kopf fallen. Wir Grüne wollen nun alles daran setzen, um in Vorarlberg den Weg des Gemeinsamen fortsetzen zu können“, schließen Aydin und Zadra.

(red)

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