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Bilder des Grauens aus Erdbebengebiet halten China im Atem

©EPA
Es sind Geschichten wie jene von Qu Wanrong, die China derzeit in Atem halten. Die 21-jährige Kindergärtnerin aus Mianzhu ist eines der tausenden Todesopfer des verheerenden Erdbebens in der südwestchinesischen Region Sichuan am Montag. Wie tausende andere starb Qu unter den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes.
Schwangere nach 50 Stunden geborgen

Im Angesicht des Todes beschützte sie mit ihrem Körper ein Kindergartenkind, das überlebte.

“Qu rettete das Kind um den Preis ihres Lebens”, erzählte Kindergarten-Direktorin Li Juan der Nachrichtenagentur Xinhua unter Tränen. 50 der 80 Kinder starben, als das Beben sie im Mittagsschlaf überraschte. Viele Eltern mussten das Sterben ihrer verschütteten Kinder hilflos mitverfolgen. Zum eingestürzten Kindergartengebäude geeilt, riefen sie verzweifelt nach ihren Kindern. Zunächst hätten diese noch mit schwacher Stimme geantwortet, dann sei es still geworden.

Erst zwei Monate ist es her, da stand Sichuan wegen Unruhen der tibetischen Minderheit im internationalen Rampenlicht. Nun ist es eine grauenvolle Naturkatastrophe, die China zusammenrücken lässt. Auch weil es in den staatlich gelenkten Medien derzeit kein anderes Thema gibt als das Erdbeben, nehmen die 1,3 Milliarden Chinesen großen Anteil am Schicksal der Opfer.

“Ich bin sehr schockiert”, sagt die 23-jährige Zhan Lu der APA in Peking. “Sehr überrascht und betroffen” vom Beben zeigt sich bei einer Straßenumfrage auch der 35-jährige Kunststudent Shi Xiaolong. “Ich habe schon gespendet”, berichtete der 40-jährige IBM-Mitarbeiter Wu Jianjun. In nur einem Tag sammelte das chinesische Rote Kreuz bereits 70 Millionen Yuan (6,47 Mio. Euro) für die Erdbebenopfer. Auch große ausländische Unternehmen wie Toyota oder Siemens beteiligten sich an der Sammelaktion. In Peking versammelten sich am Dienstagabend hunderte Studenten der chinesischen Jugend-Universität zu einer Lichterkette für die Erdbebenopfer.

Hunderte Chinesen sind bereits dem landesweiten Aufruf zu Blutspenden gefolgt, viele Studenten meldeten sich freiwillig als Helfer. Neben 50.000 Soldaten sind auch 2.000 Ärzte aus dem ganzen Land auf dem Weg nach Sichuan. Weil es im Katastrophengebiet viel zu wenig Krankenwagen gibt, stellen Taxifahrer und Privatpersonen ihre Autos für den Transport von Verletzten zur Verfügung, berichtete die Tageszeitung “China Daily”.

Das Krisenmanagement der Regierung wird von den Chinesen in den höchsten Tönen gelobt. Premierminister Wen Jiabao, der schon eine Stunde nach dem Beben im Flieger nach Sichuan saß, ist der große Star. Die Augen des 25-jährigen Liu leuchten richtig auf, wenn er Wen Anerkennung für seine “sehr schnelle Reaktion” zollt. Der Regierungschef ist schon den dritten Tag im Erdbebengebiet, um Hilfseinsätze zu koordinieren und Angehörigen Trost zu spenden. “Ich finde das ganz toll, dass Premier Wen persönlich an der Front ist”, sagt auch Wu Jianjun.

Spürbare Auswirkungen hat das Erdbeben auch auf die Olympia-Vorbereitungen. Drei Monate vor den Spielen ist in Peking nichts von Jubelstimmung zu spüren. Die Behörden haben nämlich die auf Hochtouren laufende Olympia-Propagandamaschinerie nach dem Beben jäh gestoppt, die allgegenwärtigen Olympia-Werbespots mit gestählten Athleten und jubelnden Fans wurden aus dem Programm des Staatsfernsehens genommen.

“Wir sind alle sehr traurig”, sagte der Sprecher des Olympia-Organisationskomitees, Li Zhanjun, am Dienstag. Der Olympische Fackellauf, von den Organisatoren zuvor erbittert gegen pro-tibetische Demonstranten verteidigt, wurde im Lichte der Erdbebenkatastrophe verkürzt und zu einer Spendenaktion für die Opfer umfunktioniert. Die Pekinger lassen sich aber ihre Vorfreude auf Olympia aber trotzdem nicht verderben. “Das Beben wird den Olympischen Spielen nicht schaden”, sagt Shi. “Der Staat wird schon dafür sorgen.”

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